MACH UNSER LEBEN ZU EINEM FEST

                                                                                                                                     Ilse Pauls

Wir haben keinen Wein mehr!
Keine Hoffnung, keinen Glauben,
keine Liebe.
Unsere Krüge sind leer,
ausgeronnen,
alles verschenkt,
alles vergeudet. –
Wir sind wie
ausgebrannte Tonkrüge. –
Mühsam holen wir Wasser
von weit her.
Ein gewöhnliches Wasser
unseres Lebens.
Verwandle Du es
in den Wein der Liebe,
in köstlichen Frohsinn,
in überschäumendes Lachen.
Mach unser Leben zu einem Fest.

Aus: Ilse Pauls, Der innere See, Internationaler Literatur und Lyrik Verlag, Wien 1993 (2. Aufl. 1996).  



BEGABT? BEGABT!Beatrix Senft

schaue dich an
nimm dir Zeit

sieh auf deine Fähigkeiten
auf deine Begabungen

schaue dich an
beschenkt bist du
mit so vielen Möglichkeiten

sei bereit sie einzusetzen

für DICH
und
für die Menschen
denen du
begegnen darfst

in den Kleinigkeiten des Alltags
            dem traurig vor sich hin trottendem Kind auf dem Schulweg
            dem du dein dir eigenen Lächeln schenkst
            dass es freudig und aufgemuntert weitergehen mag

            der alten Dame an der Kasse
            der du den Vortritt lässt

aber sei auch mutig

schau sie dir an
deine großen Begabungen

            deine Fähigkeit Menschen zu begeistern

            deine Kreativität
            im Ausdruck von Farben und Formen
            die andere erfreut

            deine Sprachbegabung
            die anderen hilf
            ins Wort zu kommen

            dein Sachwissen
            das andere anregt zu forschen
            das andere reizt die Welt zu entdecken

schau dich an
und sei bereit
all dies zum Wohle aller

E I N Z U S E T Z E N

im Täglichen
in Gesellschaft und Politik
in Kirche und Gemeinde

und

lass dich nicht schrecken
von keinem auf Erden

du darfst dir all dessen
bewusst sein
und es leben

du darfst es

            AUSLEBEN

denn dazu

sind dir all diese Gaben geschenkt
sind gleichsam Gottes Auftrag an dich

lass dich nicht schrecken
von den selbsternannten
„Weisen“ und „Geweihten“

wir alle sind

beschenkt

und dürfen
JA SOLLEN
unsere Begabungen leben

auch gegen Widerstand

Beatrix Senft (2022)



AN DIR HABE ICH GEFALLEN

Claudia Simonis-Hippel

"DU,
du bist meine Tochter, mein Sohn,
der Geliebte.
An dir habe ich Gefallen."

DU -
ich spreche dich mit deinem Namen an
ich habe dir etwas zu sagen

Du -
dich meine ich
dich selber
ohne alles Drumherum
ohne Leistung und Intelligenz
ohne Ausbildung und Beruf
ohne Kreativität und Engagement
ohne deine Familie
ohne alles, auf was du stolz bist
ohne dass es dir gut geht
ohne dass du dir Mühe gibst
auch wenn du schwach und krank bist
auch wenn du traurig und müde bist
auch wenn du gereizt und wütend bist
auch wenn du grundlose Angst hast

du bist -
deine bloße Existenz ist Grund genug
vor aller Leistung
trotz allen Versagens

meine Tochter, mein Sohn -
du hast deinen Ursprung, deine Wurzel in mir
ich habe dich so gewollt und geschaffen
ich bin und bleibe dir Vater und Mutter
ich verlasse dich nicht
ich sorge für dich
ich beschütze dich
ich stärke dir den Rücken
ich traue dir zu, dass du auf eigenen Füßen stehst
meine Tochter, mein Sohn

Geliebte -
meine Liebe gilt dir
von Anfang an und für alle Zeit
aus meiner Liebe kannst du nicht herausfallen,
egal, was du tust

An dir habe ich Gefallen -
an deinem innersten Wesen habe ich meine Freude
du gefällst mir
so wie du bist

DU bist meine Tochter, mein Sohn, der Geliebte.
An dir habe ich Gefallen.

Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.



WASSER: WOHLTAT FÜR ALLES, WAS LEBT.

Werner Eizinger

Aus dem Wasser kommt alles Leben,
auch was sich heute an Land
und in den Lüften tummelt.
Wasser ist ein Bild für das Leben.
In der Natur ständig sich ändernd
in Farbe und Gestalt,
Felsen aushöhlend
und Steine abschleifend:
unbändige Kraft.
Trägt Leben in sich,
nährt Pflanze und Fisch
und was sonst noch sich in ihm regt.
Nach schweißtreibender Wanderung
schöpf ich davon,
brennenden Durst zu löschen
und labe ermüdete Füße
in dem kühlen erfrischenden Nass.
Wasser: Wohltat für alles, was lebt.
An heißen Tagen spring ich hinein,
darin zu schwimmen, zu tauchen.
Wasser ist unser wichtigstes Nahrungsmittel.
Wir brauchen es als Getränk,
zum Kochen und Backen.
Wasser brauchen wir zur Reinigung
des Körpers und der Wäsche.
Wasser - ein Sinnbild des Lebens,
köstliche Gabe Gottes für uns.
Doch seinen Wert lernen wir meistens erst schätzen,
wenn es uns fehlt.

Mit Wasser wurden wir getauft,
von aller Schuld gereinigt,
auf dass neues Leben in uns gedeihe,
Leben mit Christus.
Mit Gottes Geist in der Taufe begabt,
auf dass göttliches Leben in uns gedeihe.
Leben mit Christus, der sagt:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Leben mit Christus - ewiges Leben.

Werner Eizinger, Wie Weihrauch steige mein Gebet vor dir auf, Regensburg 2008.



  • 2

Helene Renner (2022) - sei wie Feuer

Wenn du getauft bist
dann sei wie Feuer
glühend in Lust und Liebe
brennend für neue Ideen
lodernd in den Flammen der Fantasie
und voll Leidenschaft für deine Aufgabe

Wenn du getauft bist
dann sei wie Wasser
klar und tief in den Gedanken und Gefühlen
sprudelnd vor Lebendigkeit
und überströmend in Freundschaft und Güte

Wenn du getauft bist
dann sei wie Luft
leicht und frei für das Spiel deiner Träume
durchlässig für das Licht, das neu aufbricht
und wie kraftvoller Atem, der lebendig macht

Wenn du getauft bist
dann sei wie Erde
fest und sicher in deinen Schritten
in deinen Entscheidungen und Zielen
fruchtbar für das Aufkeimen neuer Hoffnung
und für das Wachsen und Aufblühen
von tiefem Glauben
und umfassender Liebe

                                                          Claudia Simonis-Hippel (2013)



1. JANUAR

Chiara Lubich

Es gibt Tage, an denen es besser, und andere, an denen es schlechter geht. Doch manchmal merken wir, dass es gar nicht so sehr auf Erfolg oder Misserfolg ankommt, sondern darauf, wie wir unser Leben gestalten. Und die Frage nach dem Wie ist eine Frage nach der Liebe: Sie allein gibt allem Wert...

Beginnen wir also jeden neuen Tag mit Zuversicht, bei Unwetter oder Sonnenschein. Erinnern wir uns daran: Jeder Tag ist so viel wert, wie wir Gottes Wort in uns aufnehmen. Christus möchte in uns leben ... Er in uns vollbringt die Werke, die uns ins endgültige Leben begleiten (vgl. Offenbarung 14, 13). Erstaunt werden wir feststellen, wie das Wort Gottes, die Wahrheit uns frei macht (vgl. Johannes 8, 32. 36).

Aus: Chiara Lubich, Die große Sehnsucht unserer Zeit, Jahreslesebuch, München 2008.

Ein Prosit Neujahr 2022!

Ich wünsche Euch allen
ein gesegnetes Jahr,
gesundes und behütetes Leben,
eine gute Zeit und Tage mit erfüllten Stunden,
ein fröhliches Gesicht und ein Lächeln,
das aus dem Herzen kommt.
Lass unser aller Leben in Gottes Hand ruhen,
so geborgen in Gottes Hand.

LEGE DEINE HAND IN GOTTES HAND

Aus China

Ich sagte zu einem Engel,
der an der Pforte des neuen Jahres stand:
“Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes
Der Ungewissheit entgegengehen kann.“
Aber der Engel antwortete:
“Geh nur hin in die Dunkelheit
und lege deine Hand in die Hand Gottes.
Das ist besser als ein Licht
und sicherer als ein bekannter Weg.“

Worte einer chinesischen Christin. Aus: Eva Dicks (Hg.), Es kam ein Engel hell und klar. Ein Lesebuch zu Advent und Weihnachten, Kevelaer: Verlag Butzon & Becker 2005, Topos plus Taschenbücher 562.



GEH DEINEN WEG

Hermann Multhaupt

Irischer Segen aus dem Jahre 1692, auch für das neue Jahr

Geh deinen Weg ruhig - mitten in Lärm und Hast,
und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.

Steh mit allen auf gutem Fuße, wenn es geht,
aber gib dich selber nicht auf dabei.

Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar
und hör die anderen auch an,
selbst die Unwissenden, Dummen - sie haben auch ihre Geschichte.

Laute und zänkische Menschen meide.
Sie sind eine Plage für dein Gemüt.

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst,
wisse, dass Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten.
Denn es wird immer größere und geringere Menschen geben als dich.

Freu dich an deinen Erfolgen und Plänen.
Strebe wohl danach weiterzukommen, doch bleibe bescheiden.
Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.

Übe dich in Vorsicht bei deinen Geschäften.
Die Welt ist voll Tricks und Betrug.
Aber werde nicht blind für das, was dir an Tugend begegnet.

Sei du selber - vor allem:
heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst.
Doch denke nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt.
Sie erfährt soviel Entzauberung, erträgt soviel Dürre
und wächst doch voller Ausdauer, immer neu, wie das Gras.

Nimm den Ratschluss deiner Jahre mit Freundlichkeit an.
Und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

Pflege die Kräfte deines Gemüts,
damit es dich schützen kann, wenn Unglück dich trifft,
aber überfordere dich nicht durch Wunschträume.
Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.

Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir.
Im übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selbst.

Du bist ein Kind der Schöpfung,
nicht weniger wie die Bäume und Sterne es sind.
Du hast ein Recht darauf, hier zu sein.

Und ob du es merkst oder nicht -
ohne Zweifel entfaltet sich die Schöpfung so, wie sie es soll.

Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst.
Und was auch immer deine Mühen und Träume sind
in der lärmenden Verwirrung des Lebens -
halte Frieden mit deiner eigenen Seele.

Mit all ihrem Trug, ihrer Plackerei und ihren zerronnenen Träumen -
die Welt ist immer noch schön!

Hermann Multhaupt, Möge der Wind immer in deinem Rücken sein. Alte irische Segenswünsche. Bergmoser + Höller Verlag, Aachen 1995.

MARIA

Pedro Casaldáglia

Das Wort wollte nicht nur Gott sein,
darum nahm es sich von mir
das Fleisch, das den Menschen macht,
und ich sagte ja, ich wollte nicht nur Mädchen sein.

Das Wort wollte nicht nur Leben sein,
darum nahm es sich von mir
das Fleisch, das den Tod erschafft,
und ich sagte ja, ich wollte nicht nur Mutter sein.

Aber, um ewiges Leben zu sein,
nahm sich das Wort von mir,
das Fleisch, das aufersteht,
und ich sagte ja; ich wollte nicht nur sein vergängliche Zeit.

Pedro Casaldáliga (Brasilien)



Ich wünsche dir Zeit

 

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.

 

Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:

 

Ich wünsche dir Zeit, dich zu freuen und zu lachen,

 

und wenn du sie nützt, kannst du etwas d’raus machen.

 

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,

 

nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

 

Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,

 

sondern die Zeit zum Zufriedensein können.

 

Ich wünsche dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.

 

Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben -

 

als Zeit für das Staunen und Zeit zum Vertrauen,

 

anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schauen.

 

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,

 

und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.

 

Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.

 

Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

 

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,

 

jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

 

Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

 

Ich wünsche dir: Zeit zu haben - zum Leben.

 

Aus: Elli Michler, Ich wünsche dir Zeit für ein glückliches Leben (Die beliebtesten Gedichte von Elli Michler) Don Bosco Verlag, München, 2011

 

ZUM NEUEN JAHR

Johann Wolfgang von Goethe

Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen,
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.

Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut!
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar:
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1831)

in: Judith Sixel (HG.), Poesie für jeden Tag. Jahreslesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2007.


NACHDENKEN AM JAHRESENDE

Phil Bosmans

Ein Jahr geht zu Ende. Was ist dir von ihm geblieben?
Vielleicht Enttäuschungen und Misserfolge,
ein Haufen Ärger und graue Haare.
Vielleicht ein leiser Schmerz im Herzen,
weil alles so schnell gegangen ist?
Fühlst du vielleicht zum ersten Mal, dass jedes Jahr
von deinem Leben ein Stück abschneidet?
Denk mal ruhig darüber nach. Es kann ja nicht schaden,
wenn du ein paar Illusionen los wirst.
Aber es wäre eine Katastrophe, solltest du den Mut verloren
haben und den Glauben an das kommende Jahr.
Suche weiter nach Frieden.
Suche nach unbelasteter Verbindung zu Gott.
Er kann dir die leeren Hände füllen und das leere Herz.

Aus: Phil Bosmans, Leben jeden Tag. 365 Vitamine für das Herz. Übertragen und herausgegeben von Ulrich Schütz. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008 (1999).



EINE GUTE NACHRICHT

Antonio Sagardoy

Weihnachten erinnert uns an einen guten Gott, der die Nähe des Menschen sucht, um ihn wieder zu einem Menschen im vollen Sinn zu machen. Weihnachten führt uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes vor Augen und erinnert uns zugleich an die Verwandlung, die im Herzen des Menschen geschehen kann, wenn er sich auf Gott einlässt.

Aus: Antonio Sagardoy, Weihnachten anders, Wien, 2009.



VERRÜCKTE WEIHNACHTEN

Johann Pock, Hans Pock

Gott muss verrückt sein!
Da ist er der Schöpfer der ganzen Welt,
lebt im Himmel,
umgeben von Engeln und Heiligen.

Und was macht Gott?
Er wird Mensch!
Er steigt aus der Unendlichkeit
in die Endlichkeit,
aus der Ordnung in das Chaos,
aus dem Paradies auf die Erde.

Damit aber
macht Gott auch die Menschen verrückt:
er ver-rückt sie in seine Nähe
er rückt ihre Schuld zurecht
er ent-rückt sie aus der Todessphäre.

Der Sohn Gottes in einer Krippe,
der Allmächtige als hilfsbedürftiges Kind
zeigt, dass man als gläubiger Mensch
wohl ein bisschen verrückt sein muss.

Aber gerade als Verrückte
sind wir Gott ähnlich,
und Weihnachten ist das Fest
eines verrückten Gottes.

(Johann Pock, Weihnachten 2017)

BETHLEHEM

Wilhelm Gössmann

Abseits der Menschenwelt
bei einer Viehherde
in der Krippe
geboren

Jubel und Glanz
aus der Höhe
und Gesänge des Friedens
über der ganzen Erde

Hirten -
die das Menschenleben
aus den Ängsten der Tiere kennen

Magier -
die das Menschenleben
aus dem Lauf der Gestirne deuten

Beschnitten
nach jüdischem Brauch
freigekauft im Tempel
mit zwei Turteltauben

Abseits der Menschenwelt
bei einer Viehherde
in der Krippe
geboren

Wozu er heranwuchs -
verborgen
unverschwendet
tiefstill

Aus: Wilhelm Gössmann, Es weihnachtet sehr. Weihnachten mit der Poesie entdecken. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2001.

 

SAGE, WO IST BETHLEHEM?

Rudolf Otto Wiemer

Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen, mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.

Sage, wo ist Bethlehem?
Komm doch mit, ich zeig es dir!
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jetzt und hier.

Sage, wo ist Bethlehem?
Liegt es tausend Jahre weit?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jederzeit.

Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.

Rudolf Otto Wiemer in: Dietrich Steinwede (Hg.), Jetzt ist die Zeit der Freude. Weihnachtliche Texte. Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2011.



 

 

 

 

 

AUFMACHEN

Beatrix Senft

mich aufmachen
wie Maria

die Mühsal
des Weges
auf mich nehmen

das
was ich
in mir trage
wohlwollend
annehmen

nach rechts und links
schauen
wahrnehmen
was mir
im Unterwegssein
geschenkt wird

mich freuen
auf Begegnung
auf Zuspruch hoffen

erfahren dürfen
dass all das
was in mir heranwachsen will
vor Freude hüpft
wie das heranwachsende Kind

dass es sich entfalten will
dass es groß werden will
in mir

all dem Raum geben
dass es sich gebären kann
in mein ganzes SEIN

erhoffen
dass auch ich erfahren darf:

Selig
die du glaubst
dass sich erfüllt
was der Herr dir zuspricht


adventlich
unterwegs sein

Gottes Verheißung
ein Ankommen
ermöglichen

Beatrix Senft (2021)

ADVENT

Verfasser unbekannt

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, bei dir zu wohnen,
vertraut zu sein mit dir und alle Last mit dir zu teilen.
Sieh, ich komme dir entgegen
in allen deinen Wünschen, ich, dein Gott.

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, dass du deine Abweisung
und kalte Verschlossenheit aufgäbst
und mir wieder in die Augen schaust.
Sieh, ich komme dir entgegen
auf allen deinen Wegen, ich, dein Gott.

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, dass du mich hineinlässt
in deine Trauer und Nacht.,
deine Niederlagen und deine verrinnende Zeit.
Siehe, ich komme dir entgegen
in allen deinen Gefangenschaften, ich, dein Gott.

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, in deiner Stadt, deiner Straße,
deinem Haus, deinem Herzen, neu geboren zu werden.
Siehe, ich komme dir entgegen
von der Ewigkeit der Ewigkeiten her, ich, dein Gott.

Verfasser unbekannt

WANN IST ADVENT?

                                               Paul Weismantel

Wenn Dunkelheit sich allmählich lichtet,
wenn jemand auf Vergeltung verzichtet,
wenn Vergessenes wieder aufleuchten will,
wenn Verborgenes erscheint, zärtlich und still:

Wenn Geschwätziges leise und sacht verstummt,
wenn das Herz ein Lied der Sehnsucht summt,
wenn Menschen sich als Geschwister erkennen,
wenn sie einander Bruder und Schwester nennen:

Wenn müde Augen zu leuchten beginnen,
wenn wir uns auf Jesu Kommen besinnen,
wenn Gottes Charme unsre Sinne berührt,
wenn ein Engel uns zur Weihnacht hinführt:

...dann ist Advent

FREUDE

Rabindranath Tagore

Jeder hat etwas von einem Dichter in seinem Herzen, das in der Erfahrung der letzten Wirklichkeit Erfüllung sucht. Der Mensch empfindet Freude, weil die Blumen blühen und der Himmel blau und das Wasser klar ist. Nicht weil sie nützlich und profitabel sind, wie Scheckbücher und Maschinen, sondern weil sie sind, was sie sind. Der Dichter in unserem Herzen wird von Gott als Dichter inspiriert. Im Morgenrot, im grünen Gras und im Leben spendenden Wasser spricht er zu uns als Freund, der Antwort sucht in unserer Freude. Ich bin mir sicher, dass er glücklich ist wie ein sterblicher Dichter, wenn wir uns an seiner Schöpfung erfreuen.

Aus: Rabindranath Tagore, Indische Weisheiten für jeden Tag. Übersetzt und herausgegeben von Axel Monte. O.W. Barth Verlag der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2006.



ADVENT – ANKUNFT

Beatrix Senft

Ankunft im Glauben
Ankunft bei mir selbst
Ankunft im Miteinander

Advent –
auf dem Weg zur Weihnacht
mich von Gott beschenken lassen
andere beschenken

erkennen
womit ich wirklich beschenkt bin -
und
staunen

Beatrix Senft, unveröffentlicht.


GEWAGTES LEBEN

Andrea Wilke

Rufer in der Wüste
wird er genannt 
der junge Mann,
der nur von dem lebte,
was die Natur hergab; 
der selbst ein Gerufener war,
berufen,
das Heil zu verkünden;
der Vorläufer dessen,
der das Heil der Welt ist. 
Der Rufer in der Wüste,
hat alles dafür gegeben,
seine besten Jahre. 
Und lässt am Ende
seines kurzen Lebens
nachfragen:
"Bist du es, der da kommen soll?
Oder sollen wir auf einen anderen warten?" 
Der scheinbar Unerschütterliche,
der Starke und Unbeugsame,
der von Gott ausdrücklich Gerufene
ist Glaubender,
Anfragender,
nicht Wissender. 
Woher nehmen wir die Gewissheit,
dass unser Leben so richtig ist
wie es ist?

Andrea Wilke auf www.bistum-erfurt.de

HIER BIN ICH

unbekannte Herkunft

Hier bin ich,
Gott, vor Dir.
So wie ich bin.

Ich öffne mich Deiner Nähe.
Deine Lebenskraft fließt in mir,
mein Atem,
der mich trägt und weitet ...
lass Ruhe in mich einkehren ...

Hier bin ich,
Gott, vor Dir.
So wie ich bin.

Mit meiner Anspannung, meiner Freude,
meiner Traurigkeit und Enttäuschung.
Mit meiner Wut und meiner Ungeduld.
Mit meinem Stolz.
Mit meiner Sehnsucht.

Gott, Quelle des Lebens,
reinige mich,
erneuere mich.
Heile mich.

Quelle unbekannt in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hinterberger OP, Andrea Kett, Hildegund Keul, Aurelia Spendel OP. Schwabenverlag / KlensVerlag, Ostfilder 2010.



GEBET FÜR ARM- UND KLEINGEMACHTE MENSCHEN

Irmlind Rehberger OSF

Du, unser Gott, bist ein Gott des Lebens,
ein Gott, der eine Vorliebe hat für arm- und kleingemachte Menschen,
für Menschen, die am Rand stehen.
Ich bringe dir die Frauen, mit denen ich eine Wegstrecke ihres Lebens gehe
und die, wenn sie auf ihr Leben schauen,
einen Scherbenhaufen vor sich sehen:
zerbrochene, kaputtgegangene Beziehungen,
den zerbrochenen Traum von einem geglückten, sinnvollen Leben,
gescheiterte Pläne und Perspektiven.
Und ich bringe dir, Gott, ihre große Sehnsucht
nach heilwerden und ganz sein.
Du bist ein Gott des Lebens, ein Gott, der rettet, befreit und heilt.
Schenke Begegnungen, Erfahrungen,
die neue Hoffnung geben,
die Kraft und Mut wachsen lassen für einen Neuanfang,
und lass sie Menschen finden, die ihren Neuanfang liebevoll begleiten.
Du, Gott des Anfangs, segne sie!

Irmlind Rehberger OSF in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hinterberger OP, Andrea Kett, Hildegund Keul, Aurelia Spendel OP. Schwabenverlag / KlensVerlag, Ostfilder 2010.



Meditation

 

Meinen Glauben kann ich nicht weitergeben -

 

wie eine Formel zum Auswendig lernen,

 

ich kann ihn nicht weitergeben wie ein Lehrstück.

 

Meinen Glauben kann ich nicht beweisen wie eine Urkunde den Besitz,

 

ich kann ihn nicht beweisen wie ein Foto.

 

 

 

Meinen Glauben kann ich nur bezeugen -

 

bezeugen mit meinem eigenen Leben,

 

im Miteinander und Voneinander leben,

 

im Lachen und Reden, im Weinen und Trösten,

 

im Geben und Nehmen, im Streiten und Versöhnen,

 

im Widersprechen und Einig sein, im Vermissen und Lieben,

 

im Aufbrechen zu einem gemeinsamen Weg.

 

 

 

Aufbrechen zu einem gemeinsamen Weg mit Christus -

 

obwohl der Weg nicht klar sichtbar ist,

 

obwohl das Ziel in der Ferne liegt, obwohl nicht alle mitgehen,

 

obwohl Gewohntes zurück bleibt, obwohl die Wirklichkeit unserer Welt,

 

die Suche nach der Wahrheit, oft beschwerlich macht.

 

Aufbrechen zu einem Weg mit Jesus Christus und ihn im Herzen hören.

 

Aufbrechen zu einem Weg mit Jesus und zur Mitte finden,

 

denn nur dort kann sie spürbar werden, die Wahrheit.

 

 

 

Aufbrechen zu einem Weg mit Jesus

und das Herz öffnen für die Wahrheit,

die Wahrhaftigkeit des Friedens und der Barmherzigkeit.

 

 

 

DAS LEIDEN GOTTES

Phil Bosmans

Der Gott des Christentums ist hinabgestiegen in die tiefsten Keller der Menschheit, wo Tag für Tag Hass geboren und genährt wird und mit dem Hass alle Ungerechtigkeit. Gott ist dorthin hinabgestiegen, wo Menschen einander ablehnen, ausbeuten, quälen, wo sie einander nach dem Leben trachten. Gott hat sich mit allen Opfern identifiziert, wo auch immer in der Welt.

Die Geschichte Gottes wird geschrieben zwischen Krippe und Kreuz. Die Geschichte von einem, der bei den Menschen keinen Platz findet, von einem Flüchtlingskind, von einem Unbewaffneten, einem Wehrlosen, der verfolgt und verhöhnt wird, gefoltert und gekreuzigt, weil er für Arme und Schwache eintritt mit einer Botschaft der Güte und Liebe, des Friedens und der Versöhnung.

Gott leidet und stirbt noch immer jeden Tag in jeder Lieblosigkeit, Unverträglichkeit und Ablehnung von Menschen durch Menschen. Der Gott des Christentums ist ein machtloser Gott. Er hat sich ausgeliefert in die Hände von Menschen.

 

 

ZUKUNFTAurelia Spendel OP

Gott unserer Zukunft,
Du hältst die Fäden in der Hand,
Du drängst Dich auf,
Du bist still nah,
Du siehst so weit,
Du hörst unseren Schrei,
Du bist da.

Lass uns Dir zutrauen,
unser Leben zu entwirren,
die Sorge zu vertreiben,
Schritte im Dunkeln
zu gehen mit uns.

Lass uns Dir zutrauen,
uns kundig die Füße zu waschen,
uns sicher zu halten,
uns spüren zu lassen,
dass Du nur Gutes willst.

(Ein neues Jahr,)
ein neuer Anfang,
Dein Abdruck und Atem schon jetzt.

Aurelia Spendel OP in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hintersberger OP, Andrea Kett, Hildegard Keul, Aurelia Spendel OP, Schwabenverlag /Klens Verlag, Ostfildern 2010.

DU KANNST NICHT TIEFER FALLEN

Arno Pötzsch

Du kannst nicht tiefer fallen
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unsrer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit.

Arno Pötzsch (1941) in: EG 533.



SEGENAndrea Schwarz

komm wir bitten dich
komm und segne uns

sei uns licht
im dunkel

sei der leise ton
in all dem lärm

sei die stimme
die erinnert

sei die hand
die sanft berührt

sei der geist
der mich atmen lässt

sei
mein gott

ich bin
bereit

deinen weg
zu gehen

dem leben
entgegen

Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2008.

Der Herr segne uns
und stehe und bei in Zeiten der Not.
Er überlasse uns nicht dem Abgrund der Hoffnungslosigkeit
und sei uns Schutz und Halt,
wenn wir die Enge der Verzweiflung spüren.
Er halte seine Hände über uns,
der Hüter Israels und aller, die ihm vertrauen.
Er führe uns durch den Tunnel der Dunkelheit ins Licht neuer Hoffnung.
Er lenke unseren Blick auf die Weite des Himmels,
die uns ahnen lässt seine Grösse und Weisheit und die Vielzahl seiner Wege.
So segne uns auf die Fürsprache aller Heiligen
der allmächtige und gütige Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist.

(nach Herbert Jung, Gottes sanfte Hände über dir. Segensgebete für Gemeinde und Familie, Freiburg)



 

  • 3

Helene Renner (2020)

Heilig werden wir,
wenn wir füreinander das Brot brechen.

Heilig werden wir,
wenn wir bereit sind miteinander zu teilen.

Heilig werden wir,
wenn wir uns von den anderen beschenken lassen.

Heilig werden wir,
wenn wir aufeinander hören.

Heilig werden wir,
wenn wir uns den Mitmenschen zuwenden.

Heilig werden wir,
wenn wir einander die Hand zur Versöhnung reichen.

Heilig werden wir,
wenn wir den Frieden suchen.

Heilig werden wir,
wenn die Liebe unser Leben bestimmt.

Heilig werden wir,
wenn wir tun,
was uns Jesus vorgelebt ha


SELIG
die das Wohl der Anderen lieben wie ihr eigenes
denn sie werden ihren Egoismus überwinden

SELIG
die immer bereit sind den ersten Schritt zu tun
denn sie werden für Frieden und Einheit sorgen

SELIG
die nie sagen: jetzt ist Schluss
denn sie werden einen neuen Anfang finden

SELIG
die zuerst hören und dann reden
denn man wird ihr Wort aufnehmen

SELIG
die eine andere Meinung gelten lassen
denn sie werden integrieren und vermitteln können

SELIG
die ihre Macht nie missbrauchen
denn sie werden geachtet werden

SELIG
die unterliegen und verlieren können
denn

dann kann GOTT gewinnen

nach einem unbekannten Verfasser

 

 

 

 

 

DER ORT DER GEMEINDE

Lothar Zenetti

Wo man andere liebt, ist der Ort der Gemeinde,
die sich nach Christus nennt.
Wie er soll sie teilen
ihr Leben und heilen
die Kranken und Krummen
die Blinden uns Stummen
sie soll sich erbarmen
der Schwachen und Armen
Wo die Liebe geschieht, hat das Elend ein Ende,
da wird die Erde neu.

Wo man Unrecht bekämpft, ist der Ort der Gemeinde,
die sich nach Christus nennt.
Wie er soll sie sprechen
für Recht und zerbrechen
die Herrschaft der Klassen
die Allmacht der Kassen
den Dünkel der Rassen
den Stumpfsinn der Massen
Wo Gerechtigkeit wird, hat das Elend ein Ende,
da wird die Erde neu.

Wo Versöhnung geschieht, ist der Ort der Gemeinde,
die sich nach Christus nennt.
Wie er soll sie künden
Vergebung der Sünden
inmitten von Waffen
soll Frieden sie schaffen
versöhnen die Feinde
als seine Gemeinde.
Wo der Friede entsteht hat das Elend ein Ende,
da wird die Erde neu.

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2006.

STRAHLEN BRECHEN VIELE

Dieter Trautwein

Strahlen brechen viele aus einem Licht.
Unser Licht heißt Christus.
Strahlen brechen viele aus einem Licht –
und wir sind eins durch ihn.

Zweige wachsen viele aus einem Stamm.
Unser Stamm heißt Christus.
Zweige wachsen viele aus einem Stamm –
und wir sind eins durch ihn.

Gaben gibt es viele, Liebe vereint.
Liebe schenkt uns Christus.
Gaben gibt es viele, Liebe vereint –
und wir sind eins durch ihn.

Dienste leben viele aus einem Geist,
Geist von Jesus Christus.
Dienste leben viele aus einem Geist –
und wir sind eins durch ihn.

Glieder sind es viele, doch nur ein Leib.
Wir sind Glieder Christi.
Glieder sind es viele, doch nur ein leib –
und wir sind eins durch ihn.

Dieter Trautwein (1976) in: EG 268.

Elisabeth Fritzl (2021)

GEBET ZUR SYNODE

Wir stehen vor dir, Heiliger Geist,
in deinem Namen sind wir versammelt.

Du, unser wahrer Ratgeber:
komm zu uns,
steh uns bei,
kehre ein in unsere Herzen.

Lehre uns, wohin wir gehen sollen;
zeige uns, wie wir das Ziel erreichen können.

Bewahre uns davor,
als schwache und sündige Menschen
die Orientierung zu verlieren.

Lass nicht zu,
dass Unwissenheit uns auf falsche Wege führt.
Gib uns die Gabe der Unterscheidung,
dass wir unser Handeln nicht von Vorurteilen
und falschen Rücksichten leiten lassen.

Führe uns in dir zur Einheit,
damit wir nicht vom Weg der Wahrheit und der Gerechtigkeit abkommen,
sondern auf unserer Pilgerschaft dem ewigen Leben entgegenstreben.

Das erbitten wir von Dir,
der du zu allen Zeiten und an allen Orten wirkst,
in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn
von Ewigkeit zu Ewigkeit.  Amen. 

VORBEREITUNGSDOKUMENT FÜR DIE SYNODE VORGESTELLT

vaticannews.va

Die Synode will die Gläubigen zu Wort kommen lassen: Das Generalsekretariat der Bischofssynode hat das Vorbereitungsdokument und das Vademecum zur kommenden Weltbischofssynode zum Thema Synodalität veröffentlicht. Der synodale Prozess wird am 9. und 10. Oktober in Rom und am 17. Oktober in den Teilkirchen eröffnet; 2023 wird er dann im Vatikan abgeschlossen.

Ganzer Artikel >>>

https://www.vaticannews.va/de

DAS VORBEREITUNGSDOKUMENT FÜR DIE SYNODE IM WORTLAUT

vaticannews.va

Vatican News dokumentiert an dieser Stelle das Vorbereitungsdokument für die Weltbischofssynode 2023 im Wortlaut in der offiziellen deutschen Übersetzung.

Das ganze Dokument >>>

https://www.vaticannews.va/de





ABSTAND NEHMEN

Benedikt Werner Traut

In Zwischenzeiten
Ballast abwerfen

In Zwischenräumen
Unwesentliches zurücklassen

In Besinnungszeiten
Alltäglichkeiten vergessen

Abstand nehmen von dem,
was zerstreut

Ohne Unterbrechung
können wir nicht leben

Ohne Pause
erfahren wir keine Stille

Ohne Zelt
kommen wir um auf dem Weg

Die Vögel unter dem Himmel wissen davon,
sonst könnten sie nicht fliegen.

Benedikt Werner Traut

DIE ERFÜLLUNG LIEGT IM SEIN UND NICHT IM HABEN

Elmar Gruber

Ich erliege der Versuchung,
dass ich mit Konsum
meinen Lebenshunger stillen möchte.
Ich bin satt und voll,
doch nicht erfüllt;
die Erfüllung liegt im Sein
und nicht im Haben.

Zum Sein gelange ich
in der Begegnung mit den Dingen,
wenn mir ihr Wesen und ihr Sein
etwas bedeuten.
Dazu muss ich sie nicht haben.
Ich brauche einen Mittler,
der die Kraft hat, mich zu verbinden,
mich zu öffnen
für das Herz der Dinge.
Ich muss die Dinge
befreien aus der Umklammerung des Habens.
Was von mir "gehabt" wird,
kann sich mir
nicht schenken.

Ich muss mich
den Dingen schenken;
das geschieht,
indem ich sie verschenke:
da gebe ich sie frei
und werde dabei selber frei.
Erst in dieser Freiheit
"gehören" mir die Dinge wirklich;
jetzt geht ihr Wesen auf,
sie schenken mir ihr Sein.

Ich bin erfüllt von Sein,
das macht mich reich,
auch wenn ich nichts mehr habe.

Elmar Gruber, Sich finden. Eine Glaubens- und Lebenshilfe, München 1981.



REICHTUM

Anthony de Mello

Der Sannyasi hatte den Dorfrand erreicht und ließ sich unter einem Baum nieder, um dort die Nacht zu verbringen, als ein Dorfbewohner angerannt kam und sagte: 'Der Stein! Gib mir den kostbaren Stein!' 'Welchen Stein?' fragte der Sannyasi. 'Letzte Nacht erschien mir Gott Shiwa im Traum', sprach der Dörfler, 'und sagte mir, ich würde bei Einbruch der Dunkelheit am Dorfrand einen Sannyasi finden, der mir einen kostbaren Stein geben würde, so dass ich für immer reich wäre.' Der Sannyasi durchwühlte seinen Sack und zog einen kostbaren Stein heraus. 'Wahrscheinlich meinte er diesen hier', als er dem Dörfler den Stein gab. 'Ich fand ihn vor einigen Tagen auf einem Waldweg. Du kannst ihn natürlich haben.' Staunend betrachtete der Mann den Stein. Es war ein Diamant. Wahrscheinlich der größte Diamant der Welt, denn er war so groß wie ein menschlicher Kopf. Er nahm den Diamant und ging weg. Die ganze Nacht wälzte er sich in seinem Bett und konnte nicht schlafen. Am nächsten Tag weckte er den Sannyasi bei Anbruch der Dämmerung und sagte: 'Gib mir den Reichtum, der es dir ermöglichte, diesen Diamanten so leichten Herzens wegzugeben.'

Anthony de Mello, Warum der Vogel singt, Freiburg-Basel-Wien 1992.



Meditation

ICH FREUE MICH …
wenn ich höre, dass jemand unterwegs ist. Was heißt das? Dass dieser Mensch nicht verschlossen ist, dass er nicht stillsteht. Unterwegs! Auf dem Weg hin zu einem ganz bestimmten Ziel, auf der Suche nach etwas: Oft weiß ich nicht, wohin ich gelangen werde, aber ich bin auf der Suche. Das ist unserem Urvater Abraham widerfahren, zu dem der Herr gesagt hat: „Mach dich auf, geh! Geh voran!“ „Wohin?“ „Ich werde es dir sagen!“ Und er ist nicht zum Bahnhof gegangen, um eine Fahrkarte für einen bestimmten Ort zu lösen. – Er hat sich auf Wanderschaft begeben: er wusste nicht wohin, aber er vertraute auf den Herrn. Das ist eine der Eigenschaften der Christen: unterwegs sein.

Papst Franziskus

AUS LIEBE GESCHAFFEN

Beatrix Senft

Mann und Frau
geschaffen
aus göttlichem Plan

geschaffen aus Liebe
nach Gottes Bild

ausgestattet
mit seiner Liebe
seinem Atem

beide ausgestattet
mit vielen Fähigkeiten
mit vielen Veranlagungen

in die Welt gestellt
sich zu unterstützen

weil der Weg
durch diese Welt
alleine zu schwer ist

zwei Menschen
die sich ihrer Nacktheit
nicht schämen müssen

die sich anschauen können
so wie sie sind

Menschen
die in Liebe
miteinander
in die Anfechtungen
des Lebens gestellt sind

ein Bund -
ersehnt für ein ganzes Leben

auch hineingestellt
in ein „Scheitern-können“

dann verurteilt?
verdammt?

Jesus spricht
zu den „Norm-Erfüllern“
sie sollen den ersten Stein werfen
wenn sie ohne Schuld sind

schenkt der Frau
in ihren „Bruch“ -
ihr Scheitern -
hinein
die Chance für einen
Neuanfang

einen Neuanfang
der vielleicht
in ein neues Miteinander
führen kann

vielleicht aber auch
in das Gehen getrennter Weg
weil nur so ein Leben
in Frieden
möglich ist

der
der uns aus Liebe schuf
er weiß um uns
um unser Vermögen
und um unser Unvermögen

darum hat er uns
in Jesu
seine Liebe
und
sein Gnädig-Sein
ganz neu
offenbart

und uns aufgefordert
auch liebend
und des anderen Wohl wollend
zu sein

Beatrix Senft, unveröffentlicht.

DU BIST NICHT, GOTT, WO UNRECHT GESCHIEHT

Anton Rotzetter

Du bist nicht, Gott, wo Unrecht geschieht.
Es sei denn auf der Seite der Benachteiligten.
Du bist nicht, Gott,
wo man auf Kosten der anderen lebt.
Es sei denn auf der Seite der Armen.


Du bist nicht, Gott,
so man die Güter des Lebens anhäuft.
Es sei denn auf der Seite der Ausgeschlossenen.
Darum will ich dich suchen in der Gerechtigkeit
und bei den Benachteiligten,
Armen, Ausgeschlossenen.

Aus: Rotzetter Anton, Gott, der mich atmen lässt. Gebete des Lebens. Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1994.



GUTES FINDEN

unbekannte Herkunft

Herr, du weißt, daß ich altere und bald alt sein werde.
Bewahre mich davor, daß ich schwatzhaft werde,
und vor der fatalen Angewohnheit, bei jeder Gelegenheit
und über jedes Thema mitreden zu wollen.
Befreie mich von der Einbildung, ich müsse anderer
Leute Angelegenheiten in Ordnung bringen.

Bei meinem ungeheuren Schatz an Erfahrung und
Weisheit ist es freilich ein Jammer, nicht jedermann
daran teilnehmen zu lassen. Aber du weißt, Herr,
daß ich am Ende ein paar Freunde brauche.

Ich wage nicht, dich um die Fähigkeit zu bitten,
die Klagen meiner Mitmenschen über ihre Leiden mit
nie versagender Teilnahme anzuhören. Hilf mir nur,
sie mit Geduld zu ertragen, und versiegle meinen Mund,
wenn es sich um eigene Kümmernisse und Gebrechen
handelt. Sie nehmen zu mit den Jahren, und meine
Neigung, sie aufzuzählen, wächst mit ihnen.

Ich will dich auch nicht um ein besseres Gedächtnis
bitten, nur um etwas mehr Demut und weniger Selbst-
sicherheit, wenn meine Erinnerung nicht mit der anderer
übereinstimmt. Schenke mir die wichtige Einsicht,
daß ich mich gelegentlich irren kann. Hilf mir,
einigermaßen milde zu bleiben.

Ich habe nicht den Ehrgeiz, eine Heilige zu werden
(mit manchen von ihnen ist so schwer auszukommen).
Aber ein scharfes altes Weib ist eins der Meisterwerke des Teufels.
Mache mich teilnehmend, aber nicht sentimental,
hilfsbereit, aber nicht aufdringlich.

Gewähre mir, daß ich Gutes finde bei Leuten,
wo ich es nicht vermutet habe. Und schenke mir, Herr,
die Liebenswürdigkeit, es ihnen auch zu sagen.

Gebet einer Äbtissin, in: EG Rheinland 979.

SO WIE EIN KIND

Beatrix Senft

so wie ein Kind

täglich neu lernen

ehrlich sein –
nicht um den heißen Brei herumreden

mit Neugier und Interesse
auf das Gegenüber
zu-gehen

versinken können im Augenblick

sich mal richtig zanken können

Streit schnell beenden

Bereitschaft zu teilen

sich freuen können wie ein König

mit großen Augen
schauen und
staunen

mit der Ausstrahlung von Glück
lachen können
bis zum Umfallen


dem Gegenüber mal schnell
sagen können
„ich hab'dich soooo lieb“

sich vertrauensvoll in die Arme
der Eltern
fallen lassen

ich will es „wachküssen“
das Kind in mir

damit Leben
wieder
besser
gelingt

                                                                         Beatrix Senft, unveröffentlicht.

GEBET FÜR UNSERE ERDE

Franziskus (Papst)

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.

Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen,
dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Ermutige uns bitte
in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Aus: Enzyklika Laudato si’, von Papst Franziskus, Rom 2015.



DIE MACHT DES NAMENS GOTTES

Antony de Mello

Gandhi glaubte fest an die Macht des Namens, sogar so fest, daß er allein ihm die Fähigkeit zuschrieb, physische Krankheiten zu heilen. Er bezeichnete ihn als ,,die Arznei des armen Mannes" und erklärte sogar, er werde nie an einer Krankheit sterben. Wenn das dennoch geschähe, könnte die Welt ihm einen Grabstein mit der Aufschrift „Heuchler“ setzen.
Ein paar Monate, bevor er im Alter von 78 Jahren starb, pilgerte er unverdrossen barfuß durch die von Aufständen geschüttelten Gebiete Bengalens. Hier und da erlitt er heftige Anfälle von Ruhr; aber stets weigerte er sich, Medikamente dagegen einzunehmen, weil, wie er behauptete, die Rezitation des Gottesnamens ihn durchbringen würde; das schien sie auch immer zu tun, so daß er sich bis zum Tag seiner Ermordung einer guten Gesundheit erfreute.


Aus: Anthony de Mello: Von Gott berührt; Die Kraft des Gebetes; Verlag Herder 1992.



ZITATE

diverse

Am besten überzeugt man andere Ohren indem man ihnen zuhört.
(Dean Rusk)


Der andere, der uns anspricht, will nicht unsere, wie wir meinen, kostbaren Ratschläge und Rezepte, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben. Er will nur erfahren, dass einer ihn versteht, verstehen will.


Wenn doch das Ohr reden könnte.
(Stanislaw Jerzy Lec)


Wenn das Beichtgeheimnis und die Schweigepflicht nicht wären, könnten wir nicht nur unsere Neugier eher zufriedenstellen, wir müssten auch, weil wir dann einen Einblick in die andere, verborgene Seite der Wirklichkeit hätten, sehr viele Meinungen über Menschen oder Dinge revidieren.


Der Erfolgreiche hört nur Händeklatschen. Sonst ist er taub.
(Elias Canetti)

Applaus verführt zur Arroganz. Der Widerspruch, Buhrufe und Protest bewahren uns davor, dass wir selbstgefällig auf uns schauen.


Immer klopfen sie, oder sie machen Musik, immer bellt ein Hund, marschiert dir jemand über deiner Wohnung auf dem Kopf herum, klappen Fenster zu, schrillt ein Telefon - Gott schenke uns Ohrenlider.
(Kurt Tucholsky)

Das Ohr, ein wehrloses Organ, muss sich viel gefallen lassen: phonstarke Umweltgeräusche; den Missbrauch von Musik als Lärmkulisse; unnütze Geschwätze und Worte, die wehe tun. Wir gestatten vielem Gesindel den Eintritt in unseren persönlichen Bereich.

 

DIE WEISSEN ODER DIE SCHWARZE

Antony de Mello

Ein Schäfer weidete seine Schafe, als ihn ein Spaziergänger ansprach. "Sie haben aber eine schöne Schafherde.

Darf ich Sie etwas in bezug auf die Schafe fragen?" - "Natürlich", sagte der Schäfer. Sagte der Mann: "Wie weit laufen Ihre Schafe ungefähr am Tag?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" - "Die weißen." - "Die weißen laufen ungefähr vier Meilen täglich." - "Und die schwarzen?" - "Die schwarzen genausoviel."

"Und wieviel Gras fressen sie täglich?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" - "Die weißen." - "Die weißen fressen ungefähr vier Pfund Gras täglich." - "Und die schwarzen?" "Die schwarzen auch." - "Und wieviel Wolle geben sie ungefähr jedes Jahr?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" "Die weißen." - "Nun ja, ich würde sagen, die weißen geben jedes Jahr ungefähr sechs Pfund Wolle zur Schurzeit." - "Und die schwarzen?" - "Die schwarzen genausoviel."

Der Spaziergänger war erstaunt. "Darf ich Sie fragen, warum Sie die eigenartige Gewohnheit haben, Ihre Schafe bei jeder Frage in schwarze und weiße aufzuteilen?" -"Das ist doch ganz natürlich", erwiderte der Schäfer, "die weißen gehören mir, müssen Sie wissen." - "Ach so! Und die schwarzen?" - "Die schwarzen auch", sagte der Schäfer.

Der menschliche Verstand schafft törichte Kategorien, wo Liebe nur eine sieht.

Aus: Anthony de Mello, Warum der Schäfer jedes Wetter liebt. Weisheitsgeschichten. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1988, 1998 (3).



SPRICHWORT

Adalbert L. Balling

Bleibt noch der Rat eines Sprichwortes:
Weise Leute haben den Mund im Herzen.  

Aus: Adalbert Ludwig Balling, Aller guten Dinge sind drei. Missionsverlag Mariannhill, Würzburg 1997.



VIEL KÄLTE IST UNTER DEN MENSCHEN"

Sonntagsgruß - Konvent der Kamillianer

weil wir es nicht wagen, uns so freundlich zu zeigen, wie wir wirklich sind“, sagte der Arzt Albert Schweitzer.
Diesen Satz hänge ich von Zeit zu Zeit an unsere Pin-Wand im Klinikflur vor der Kirche. Es liegt mir sehr am Herzen, Menschen damit aufzurütteln.

Leute, denen ich unterwegs begegne, schaue ich freundlich an oder grüße sie. Auf ihren Gesichtern sehe ich manchmal die Reaktion:
Kenn ich die? ...Meint sie jemand anderen? …. Oder: Spinnt die? ….
(Auch Kinder sind es nicht gewohnt, von anderen freundlich bemerkt zu werden: verwirrte, gar erschreckte Gesichtsausdrücke sind oft die Antwort.)

Aus: Sonntagsgruß 35/2015 (Jahrgang 90), Konvent der Kamillianer Freiburg 2015.



Maria,
du Königin, aufgenommen in den Himmel,
du Zeichen ewigen Menschseins.
An dir zeigt uns Gott,
was die Auferweckung Jesu
für alle Menschen bedeutet.
Nichts geht verloren von dem,
was ich in meinem körperlichen Dasein gelebt
und erlebt habe.
Ich - all das, was mich ausmacht,
was "eigentlich" zu mir gehört -,
werde nicht in Verwesung enden.
Der Tod hat keinen Stachel mehr.
Und was ich als Verwesung sehe,
ist ein Geschehen des Lebens, nicht des Todes.
Was meine unerlösten Augen noch sehen
als Leben und als Tod,
das wird eins - im ewigen leben.
Du Königin,
aufgenommen in den Himmel,
bitte für mich!

Aus: Elmar Gruber, Maria - Weg des Glaubens, Meditationen, München.

 

 

 

 

KLIMABERICHT SAGT DRASTISCHE KLIMAWANDEL-FOLGEN VORAUS

zeit.de

Genf (dpa) - Mehr Hitzewellen, Dürren und Starkregen: Der menschengemachte Klimawandel beschleunigt sich, und das mit verheerenden Folgen, wie aus dem neuen Bericht des Weltklimarats hervorgeht.

Ganzer Bericht:
https://www.zeit.de/news/2021-08/09/weltklimarat-veroeffentlicht-bericht-zum-klimawandel

Zeit online 9. August 2021, 18:32 Uhr Quelle: dpa

ACHTSAM SEIN
Nicolaus Klimek

Bin ich bereit, die Wüste ganz zu durchqueren?
Nehme ich Stärkung und Beistand auf dem Weg als Hilfe Gottes wahr? - Oder bin ich fixiert auf die vermeintlich besseren Zeiten und die "spektakulären" Zeichen?
Wage ich den Aufbruch, um neu auf mein Leben und meinen Gott zu achten? - Oder bleibe ich lieber im Schmollwinkel?
Lasse ich Gott Gott sein und auf seinem Weg in die Welt kommen? - Oder nehme ich Gottes Willen nur wahr, wenn er dem meinen entspricht?

Gott, ich bitte dich,
sende mir deinen Engel, wenn ich mutlos bin.
Lass mich achtsam sein auf dein leises Wort
in unserer lauten Welt.
Schenke mir deine Nähe in Wort und Weisung
für meinen Weg, damit ich auf-breche
in deine und meine Zukunft. Amen.

Aus: Nicolaus Klimek; Elija - auch ganz unten ist Gott nahe. in: Deutscher Katecheten-Verein; Abraham & Co. München 2007.


SÄTTIGUNG

Beatrix Senft

An reich gedecktem Tisch
die einen

mit Schalen
kaum gefüllt
die
die so weit weg
uns scheinen

du lädst uns
alle ein
zu schauen
was wir haben

doch Dank
zu sprechen

es schaffen
eher
die Armen

weil sie noch
teilen
was sie haben

damit alle
etwas
haben

im Überfluss
wir kaum sehen -
weil wir
schon nach dem Nächsten
spähen -

der Buffetbauch
übervoll

ich fühl mich
gar nicht toll

oft sitz ich dann
am Tisch allein

die anderen
wandern
schon wieder
zum Buffet-Schrein

die Speisen
die wir haben
sie sollen
uns doch laben

schenk Zeit
HERR
dass
wir speisen

und lass
unser Denken
nicht nur
um
unseren Teller
kreisen

Beatrix Senft, unveröffentlicht

DER GROSSE HERR ICH

Phil Bosmans

Jeden Tag begegnen wir Herrn Ich.
Herr Ich ist leicht zu erkennen.
Er sagt immer: Ich, ich, ich.
Herr Ich ist voll von sich.
Seine Worte sind die wichtigsten,
seine Gedanken die besten,
seine Erlebnisse die aufregendsten,
seine Wünsche die dringendsten,
seine Leiden die schlimmsten.
Alles dreht sich um ihn.
Wo er ist, ist der Mittelpunkt der Welt.
Herr Ich ist sehr beschäftigt.
Er hat nie Zeit für andere.
Herr Ich wohnt in jedem Menschen.
Setzen wir diesen Egoisten vor die Tür!
Fühlen wir mit unseren Mitmenschen,
teilen wir ihre Freuden und Leiden.
Wir Menschen gehören zusammen,
wir sind füreinander unentbehrlich.

Aus: Phil Bosmans, In dir liegt das Glück, Verlag Herder, Freiburg Basel Wien 1990.



MEDITATION

 

"Es ist eine Menge von 5.000 - wenn man die Frauen und Kinder nicht mitzählt.“

 

In Wahrheit müssen wir uns aber eine Gruppe von etwa 35.000 Menschen vorstellen, die auf den Beinen sind.

 

Sie verlassen die Städte, gehen um den See und verfolgen einen Mann, von dem sie hoffen, dass er ihnen hilft. Es sind Frauen und Kinder, Alte und Arme und viele andere.

 

In der Menge befinden sich zweifellos auch Händler, Bettler, Reisende, Neugierige, Kranke, Blinde, öffentliche Sünder und Sünderinnen, Prostituierte und Steuereintreiber.

 

Es sind wahrscheinlich auch Schriftgelehrte, Lehrer, Pharisäer, Rechtsgelehrte und andere dabei.

 

Das ist die Menschheit - ein großes Meer von Menschen - und sie verbringen den ganzen Tag miteinander, weil Jesus da ist.

 

 

 

Und Jesus ‑ er ist unser Brot ‑ sagen die Hungrigen

 

Er ist unser Weg ‑ sagen die Suchenden

 

Er lehrt uns eine neue Sprache ‑ sagen die Stummen

 

Er hat uns gefunden ‑ sagen die Verlorenen

 

Er leidet mit uns ‑ sagen die Verfolgten

 

Er zeigt uns ‑ dass wir nichts wissen ‑ sagen die Weisen

 

Er schenkt uns das Leben ‑ sagen die Sterbenden

 

Er ist einer von uns, und wir gehören zu ihm ‑ sagen die Armen.

 

 

 

Hunger nach Brot, Hunger nach Liebe, nach Nähe, nach Verständnis.

 

Hunger nach Heilung, nach Freude, nach Gemeinschaft.

 

Hunger nach Gerechtigkeit, nach Frieden, nach Versöhnung.

 

Herr, du bist das Brot des Lebens, du willst allen Hunger stillen.

 

Wir bringen dir das Wenige, das wir vermögen.

 

Du verwandelst uns - und wir werden Brot für andere.

 

 

 

STILLE FÜLLEN

Cäcilia Kittel

Wie kann ich eine Stille füllen?
Eine Stille füllen, heißt nicht irgendeine Tätigkeit suchen,
damit ich beschäftigt bin und die Stille nicht mehr spüre.
Stille füllen heißt nicht, ein Gespräch mit jemanden anfangen,
nur damit es nicht peinlich still wird.
Stille füllen heißt nicht, reden und reden,
möglichst viele Worte finden,
es heißt nicht, etwas Beliebiges heranzuziehen
oder herbei zurufen, das die Stille überdeckt.
Das alles würde eher bedeuten, einer Stille auszuweichen,
vielleicht sogar, eine Stille zu zerstören.

Wie aber kann ich eine Stille füllen?
Zuerst möchte ich die Stille als solche wahrnehmen,
ich möchte hinhorchen auf die Stille,
hineinhorchen in die Stille.
Ich kann dabei meinen Atem wahrnehmen,
wie er kommt und wie er geht,
ein gleichmäßiges Geschehen,
bei dem ich mich nicht anstrengen muss.
Ich darf einfach geschehen lassen,
dass der Atem von alleine kommt und geht
und wieder kommt und wieder geht.
Dieses gleichmäßige Geschehen stört die Stille nicht,
es gibt sich in die Stille hinein
und wird von der Stille getragen.
Mit meinem gleichmäßigen Atem in meinem
Persönlichen Rhythmus spüre ich,
wie mich mein Leben durchströmt,
das Leben, welches mir eines Tages geschenkt wurde
und welches mir jeden Tag, jede Stunde
und jeden Augenblick neu geschenkt wird.
Wenn ich so das Leben in mir wahrnehme,
bekomme ich eine Ahnung davon,
dass ich mit dem ewigen in Verbindung stehe,
dem ewigen Gott, der das Leben ist.
So darf ich vielleicht erspüren,
dass nicht ich die Stille fülle,
sondern dass die Stille gefüllt wird
und das die Stille zu einer erfüllten Stille wird.

Lassen wir uns jetzt ein auf die Begegnung mit Gott,
der unsere Stille füllen will
und der und durch und durch
mit göttlichen Leben erfüllen will.
Er kann nur zu uns kommen und uns erfüllen,
wenn wir uns öffnen für ihn,
wenn wir uns innerlich bereit machen
für die Begegnung mit ihm,
wenn wir unser Herz nicht verschließen,
sondern uns weiten für ihn.
Er ist schon da, lassen wir ihn in unser Herz eintreten.

Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn, München 2006.



RUH'

Beatrix Senft

“Ich gehe nun zur Ruh...“

Ruh`
was ist das für ein Ding

Ruhe –
ablegen können alle Schwere
ablegen können alle Freude
ablegen –
was erträumt -
was erlebt -
was ersehnt

keine Ruhe finden
all die Schwere kreist
Freude – nicht erlebt
was erlebt –
das schreckt

keine Ruhe finden –
wohin?

In Gottes Hand

in all der Schwere
erfahren dürfen:

Gott schreckt nicht zurück.
auch hier
ist er da
auch hier
geht er mit

Beatrix Senft, unveröffentlicht



STRESSEVANGELIUM

Herbert Winklehner

Der hl. Franz von Sales rät seinen frommen Seelen, über den Sonntag hinaus sich jeden Tag eine halbe Stunde zu besinnen und bewusst auf Gott zu horchen. „Außer“ - so sagt er dann - „außer sie haben sehr viel zu tun, dann ist nicht eine halbe, sondern eine ganze Stunde notwendig.“ Das entspricht übrigens in etwa der modernen Management-Beratung, die den stressgeplagten und überarbeiteten Managern folgendes rät: „Sollten sie vor lauter Arbeit keine Zeit mehr haben, nicht einmal zum Essen, und nicht mehr wissen, ob sie das oder jenes zuerst tun sollen, dann machen sie am besten ein paar Tage Urlaub.“ Natürlich funktioniert dieses Antistressprogramm nicht immer - nicht einmal bei Jesus und seinen Apostel - das Anliegen ist aber trotzdem berechtigt: „Kommt mit an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus.“

Herbert Winklehner OSFS, "Das Stress-Evangelium" (Mk 6,30-34)

www.franz-sales-verlag.de/fsvwiki/index.php/Lexikon/16SonntagImJahreskreis-LJB



MITTEN AM TAG

Claudia Nietsch Ochs

Ich werde still.
Gott meines Lebens, ich finde mich vor dir ein mitten am Tag.
Mit meinem Leib, mit meinem Atem,
mit meinem Denken und Fühlen,
so wie ich jetzt bin.
Mit jedem Ein- und Ausatmen möchte ich stiller und hörender werden.
Ich möchte mich von dir einladen lassen innezuhalten.

Ich bin gefüllt mit allem, was der Tag bis jetzt gebracht hat.
Ich lasse diesen Vormittag noch einmal an mir vorüberziehen,
Stunde um Stunde, Ort für Ort, Begegnung für Begegnung.
Ich lasse alle Geschehnisse, Gedanken und Gefühle noch einmal aufsteigen.

Ich will dich loben mit allem, was heute den Glanz deiner Gegenwart hatte,
Ich will dir danken für alles, was ich tun konnte und was mir gelungen ist.

Barmherziger, schenke mir Versöhnung und Heilung,
wo ich meine Kräfte überschätzt habe.
Schenke mir Versöhnung und Heilung
für alles Halbherzige und Gleichgültige, für alles Hetzen und Drängen,
das mich von dir entfernte.

So bringe ich diesen Tag in der Mitte vor dich:
Nimm du ihn an.
Gib mir Zuversicht und Vertrauen in deine Gegenwart:
für den zweiten Teil dieses Tages,
für alles, was ich tun kann,
für alles, was mir geschenkt wird.

Claudia Nietsch Ochs in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta

STILLE LASS MICH FINDEN

Lothar Zenetti

Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir.

     Lassen will ich Hast und Eile,
     die mein Tagewerk bestimmen,
     die mich ständig weitertreiben.
     Innehalten will ich, rasten.

     Will vergessen, was die Augen,
     was die Sinne überflutet,
     diese Gier: Das muss ich sehen.
     Ruhen sollen meine Augen.

     Lassen will ich alles Laute,
     das Gerede und Getöne,
     das Geschrei und das Gelärme.
     Schließen will ich Mund und Ohren.

     Will vergessen meine Sorgen:
     Was ist heut und was wird morgen?
     Ich bin ja bei dir geborgen,
     du wirst allzeit für mich sorgen.

Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir.

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag, Verlagsgruppe engagement, Mainz 2006.

WEGE ZU GOTT

Martin Buber

Gott sagt nicht:
„Das ist ein Weg zu mir,
das aber nicht.“
Sondern er sagt:
„Alles, was du tust,
kann ein Weg zu mir sein,
wenn du es nur so tust,
dass es dich zu mir führt.“

Martin Buber, Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre. Gütersloher Verlagshaus 2001.


MISSION: ZUWENDUNG IM HORIZONT DER LIEBE

Regina Polak

„»Missionarisch« zu sein heißt für die Kirche, zu anderen Generationen, zu fremden Kulturen, zu neuen menschlichen Strebungen zu sagen: ‚Du fehlst mir‘ – nicht so, wie ein Grundbesitzer über das Feld seiner Nachbarn spricht, sondern wie ein Liebender. Wenn sie als ‚katholisch‘ qualifiziert wird, wird sie definiert durch den Bund zwischen der Einzigkeit Gottes und der Pluralität menschlicher Erfahrungen: Immer neu dazu aufgerufen, sich zu Gott zu bekehren (der sie nicht ist und ohne den sie nichts ist), antwortet sie, indem sie sich zu anderen kulturellen Regionen, zu anderen Geschichten, zu anderen Menschen hinwendet, die der Offenbarung Gottes fehlen.“



  • 1

Helene Renner (2021)

Ausgesandt
Bin ICH gesandt von dir?
Kannst du MICH brauchen?
Mich, mit all meinen Fehlern,
meinen festgefahrenen Ideen?

Und was liegt vor mir?
Wege, die ich gehen kann,
Menschen, die auf mich warten?

Und wenn ich gehe, was nehme ich mit?

Offene Fragen, Vertrauen, zaghafte Freude,
dass du gerade mich brauchst?

Und der Friede, den ich bringen soll,
hat der Platz in mir?

Ausgesandt -
statt Brot im Gepäck,
statt Reserven im Rucksack
deine Zusage:

Du wirst Kraft haben,
weil ich sie dir gebe -
du wirst nicht allein sein,
ich bin mit dir:

Du bist ausgesandt
Botschaft zu bringen
von Frieden und Heil.

 

Unser Leben ist wie eine lange Reise; vielen Menschen begegnen wir.

 

Viele verstehen uns. Wir schenken ihnen Vertrauen.

 

Sie machen uns das Leben lebenswert.

 

Diese Menschen bedeuten uns sehr viel.

 

Und wir sind dafür dankbar, dass wir ihnen begegnen dürfen.

 

Wir treffen aber auch auf Menschen, mit denen wir nicht zurecht kommen;

 

die schlecht über uns reden; die uns nicht gewogen sind,

 

denen wir dann kein Zeichen unserer Zuneigung entgegenbringen.

 

Auch mit diesen Menschen müssen wir lernen umzugehen und sie anzunehmen.

 

Darum bitten wir dich, dass du bei uns bleibst und uns Mut machst.

 

 

 

 

 

Papst Franziskus :

Die größte Krankheit im Leben ist der Mangel an Liebe, ist die Unfähigkeit zu lieben. Und die Heilung, die am wichtigsten ist, ist die der Zuneigung. Aber wie findet man sie?“

„Indem wir in die Intimität mit Jesus eintreten, werden wir in unserer Zuneigung geheilt“

Die Heilung auch auf unsere Nöte besteht nicht in der Suche nach äußeren Dingen. „Wir denken, dass es Erfolg und Geld sind, die uns glücklich machen, aber Liebe kann man nicht kaufen, sie ist gratis. Wir flüchten uns in das Virtuelle, aber die Liebe ist konkret.“

  • 1

Helene Renner (2021)

Wenn das Schwache in mir
wieder einmal zu stark wird

wenn das Suchen nach Wahrheit
wieder einmal nicht zum Ziel führt

wenn die Ohnmacht
über alle guten Vorsätze siegt

wenn die Hoffnungslosigkeit
wieder einmal durchbricht

wenn Tränen alles Lachen ersticken
wenn Hunger nach Geborgenheit
nicht erfüllt wird

wenn die Liebe
wieder einmal zu kurz kommt

wenn Angst und Verzweiflung
das Leben lähmen

dann möchte ich dich im Boot haben
dann wünsche ich mir
dass du den Stürmen Einhalt gebietest

dann will ich dir trauen können
mein Gott

ICH BIN KEINE MONARCHIN

Christa Carina Kokol

Ich bin keine Monarchin,
ich herrsche und beherrsche nicht.
Ich bin Maria.
Ich versuchte gut zu sein,
ich liebte mein Kind,
ich kannte die Mühsal, die Angst, die Hoffnung und Sehnsucht.
Warum setzt ihr mir eine Krone auf?
Ich trage diese Krone,
aufgesetzt von Männern, die Frauen unterdrücken,
aufgesetzt von Menschen, die mich den irdischen Frauen entrücken wollen,
aufgesetzt von weltlichen und kirchlichen Machthabern aller Zeiten,
die mit der mir aufgesetzten ihr autoritäres Gehabe rechtfertigen wollen.
Ich bin doch eure Schwester!
Schwestern und Brüder,
helft mir diese Last der Krone abzunehmen.

Aus: Christa Carina Kokol, Maria - So gehe ich durch das Leben. Verlag Veritas.



DU KENNST DIE BESCHWERLICHEN WEGE

Martina Kleisz

Maria, du gehst den Weg - den Weg der Zweifel,
den Weg des Suchens, den Weg der Einsamkeit.
Du brichst auf mit Fragen,
mit der Sehnsucht, die die dich träumen lässt,
mit der Ungewissheit, die bleibt.

Maria, du siehst den Weg der Menschen,
das Zögern, das Tasten, das Suchen,
die Ängste und die Fragen.
Du kennst die beschwerlichen Wege
Und die Sorgen der Eltern.
Du kennst die Beklemmung der Armut
Und die Konflikte des Alltags.
Du singst mit uns die Lieder der Freude
Und weinst mit uns die Tränen der Trauer.
Du teilst mit uns Höhen und Tiefen
Und verbürgst uns das Ziel unseres Lebens.

Maria, du stehst am Wegrand, unaufdringlich -
Als eine Frau, die mir den Weg zeigt
Zu Gott und zu mir selbst.

Aus: Martina Kleisz, Es strömt ein wunderbarer Segen, Hrsg. Anton Seeberger, Schwabenverlag.

MARIA, HILF UNS ALLEN

Autor unbekannt

Heilige Jungfrau, inmitten der Tage deiner Herrlichkeit vergiß nicht die Betrübnis der Erde. Schau voll Huld auf alle, die Leid tragen, auf alle, die. mit Schwerem zu kämpfen haben, auf alle, die ohne Unterlaß die Bitterkeit des Lebens verkosten müssen. Habe Mitleid mit denen, die sich lieben und getrennt sind, habe Mitleid mit der Einsamkeit des Herzens, habe Mitleid mit der Schwäche unseres Glaubens, habe Mitleid mit denen, die wir Weben, habe Mitleid mit allen, die weinen, mit denen, die flehen, mit denen, die zittern. Gib ihnen Hoffnung und Frieden. Amen.

Aus: Heute Redemptorist sein, Zeugnisse eines Charismas. Herausgegeben von Noel Londono, Hofbauer Verlag, Bonn 1997.



WENN DIE KRÜGE IN EUREM LEBEN LEER SIND

Wilhelm Wilms

wenn die krüge in eurem leben leer sind
dann tut was er euch sagt!
das einfachste von der welt
gebt was ihr habt -
nie sollt ihr etwas halb tun
sondern ganz bis zum rand
sollen wir die leeren krüge füllen
mit dem was wir haben
vielleicht
mit unseren tränen
mit unseren ängsten
mit unserer traurigkeit
wer nicht an ein wunder glaubt
ist kein realist
ohne wunder geht kein leben
erst recht kein leben zu zweit

Wilhelm Willms, aus mitgift. eine gabe, mitgegeben in die ehe.



ABGRUNDTIEF, ANGSTWerner Schaube

Die bange Frage:
Wer hält zu mir, wenn ich den Halt verliere?
Versagen und verzweifeln:
Chaos, Ende, aus.
Wenn in mir Panik ausbricht, was dann?
Und all die Bedrohungen: Schrecksekunden im Straßenverkehr,
Angstzustände im Umgang mit anderen.
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter:
Nervenkitzel, mehr nicht.
Aber die Angst des Menschen vor sich selbst,
vor dem Fall ins Nichts, vor dem Trauma des Schuldigwerdens,
vor der Regungslosigkeit ...
Und die Angst ausgeliefert zu sein,
bedroht, verfolgt, getötet zu werden.
Was können Menschen mir antun?
Mein Gott!
Dieser Angstschrei wird zum Rettungsanker,
zum Loblied der Zuversicht.

Werner Schaube

DUPaul Weismantel

Du öffnest Augen,
wo jetzt noch Blindheit lastet.

Du schaffst Schweigen,
wo jetzt noch Lautstärke erschlägt.

Du begründest Hoffnung,
wo jetzt noch Verzweiflung um sich greift.

Du bahnst den Weg,
wo jetzt noch Enttäuschung lähmt.

Du wendest das Los,
wo jetzt noch Unterdrückung quält.

Du spendest Trost,
wo jetzt noch Trauer schmerzt.

Du heilst Herzen,
wo jetzt noch Wunden offen sind.

Du bringst den Frieden,
wo jetzt noch Zwietracht herrscht.

Du schenkst Versöhnung,
wo jetzt noch Gewalt zuschlägt.

Du kommst zu uns Menschen,
damit wir das Leben in Fülle finden
und in allem dich,
den ewigen Gott!

Paul Weismantel in: Das große Buch der Gebete, hrsg. von Reinhard Kürzinger und Bernhard Sill. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Hohe Verlag, Erftstadt 2007.

SCHWIERIGKEITEN

Kabbala

So etwas wie eine Niederlage gibt es nicht. Es gibt immer wieder eine neue Chance. An die Niederlage zu glauben, heißt zu glauben, dass es etwas oder einen Zeitpunkt gäbe, die ihren Ursprung nicht im Göttlichen, in Gottes Plan für seine Schöpfung, hätten. Gott macht keine Fehler. Wenn Dinge schlimmer zu werden scheinen, ist das nur eine Etappe innerhalb des Prozesses, besser zu werden. Wir stürzen nur, um uns wieder umso höher aufzurichten.

Kabbala, Den Himmel auf die Erde bringen.



GELASSENES LOSLASSEN

Adalbert L. Balling

Jemand sagte einmal: Viele Menschen werden nie erwachsen; sie werden bloß alt! Sie werden kaum wiese nicht wissender oder erfahrener, sondern allenfalls starrsinnig. Sie krallen sich fest, wollen nicht loslassen. Ohne loszulassen, geht es nicht gut im Leben. Loslassen von der Vergangenheit, von Schuldgefühlen, vom eigenen Ich, von Ängsten und Sorgen, von unglücklichen Verklammerungen oder trüben Erinnerungen. Manche lassen einfach nicht los - auch nicht nach der Trennung von geliebten Menschen. Sie können sich nicht vorstellen, dass man andere loslassen kann, ohne sie zu verlieren.

Ein Sprichwort sagt: Je glücklicher einer ist, umso eher kann er loslassen; und je mehr einer loslässt, umso glücklicher ist er. Solches Loslassen führt zur Gelassenheit, wird zu einer "anmutigen Form des Selbstbewusstseins" (Marie von Ebner-Eschenbach).

Dieses gelassene Loslassen wünsche ich dir, auf dass du dich auch in Zeiten der Not und Bedrängnis innerlich frei fühlst. Auf dass du am Ende alles loslassen kannst, um Glück zu finden und Frieden bei dem, der dich auffängt und dir Schutz gibt und ewiges Gelöstsein in zeitloser Gelassenheit.

Ballling, Adalbert L.; Mein schönstes Wort heißt du - Eine Liebeserklärung an das Leben; Freiburg im Breisgau, Herder,

Größer als die Angst

 

Eine Szene am Meer, die ich nicht vergessen werde:

 

Die Mutter genießt die Brandung. Sie wirft sich in das aufschäumende Wasser und kreischt vor Vergnügen. Er, eineinhalb Jahre alt, stochert seelenruhig mit seiner kleinen Schaufel am Strand im Sand herum. Da blickt er auf, sieht seine Mutter und läuft ihr tollpatschig entgegen. Die erste kleine Welle überspült seine Füßchen. Er bleibt unsicher stehen. Dann erblickt er das lachende Gesicht der Mutter, geht weiter ‑ und scheitert an einer etwas höheren Welle, die ihn umwirft. Er steht auf, sieht wieder in das lachende Gesicht der Mutter und landet schließlich wohlbehalten in ihren kräftigen Armen.

 

Wir brauchen etwas oder jemanden, auf den oder das wir sehen und dem wir vertrauen können, wenn die Wellen des Lebens uns umwerfen. Vieles können wir ertragen, wenn wir Größeres kennen als die Angst. Es kann sein, dass die Frage danach die wichtigste aller Fragen ist.

 

Eine Antwort für uns Christen lautet: Wir dürfen ihm vertrauen, weil er bei uns ist!

 

(Nach: U. Böschemeyer, Das Leben meint mich. Meditationen für den neuen Tag. SKV Edition, Lahr, z. Auflage 19942, 16. Juli)

 

Wachsen

Wachsen – an einer Aufgabe

Wachsen – an einer Last

 

Wachsen – in der Liebe

Wachsen – an den Ansprüchen der Beziehung

 

Wachsen – in Richtung Sonne

Wachsen – um dem Dunkel zu entfliehen

 

Wachsen – weil ich Heimat habe

Wachsen – damit ich Heimat bin

 

Wachsen – trotzdem, weil es zu leben gilt

 

Wachsen – weil er den Tod überwunden hat.

                                                                          Stefan Müller-Guggemos

 

Papst-Brief an Kardinal Marx: Hier der Wortlaut

Kardinal Reinhard Marx soll weiterhin Erzbischof von München und Freising bleiben, so Papst Franziskus in einem Brief an den Münchner Kardinal. Wir dokumentieren hier in einer offiziellen Übersetzung auf Deutsch den Antwortbrief von Papst Franziskus an Kardinal Reinhard Marx. Dieser hatte vor wenigen Tagen dem Papst den Rücktritt von seinem Amt als Erzbischof von München angeboten. Er wolle „Mitverantwortung für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs“ übernehmen.

Lieber Bruder,

vor allem: Danke für Deinen Mut. Es ist ein christlicher Mut, der sich nicht vor dem Kreuz fürchtet, und der keine Angst davor hat, sich angesichts der schrecklichen Wirklichkeit der Sünde zu erniedrigen. So hat es der Herr getan (Phil 2, 5-8). Es ist eine Gnade, die der Herr Dir geschenkt hat, und ich sehe, dass Du sie annehmen und bewahren willst, damit sie Frucht bringt. Danke.

Du sagst mir, dass Du einen Augenblick der Krise durchmachst, und nicht nur Du, sondern auch die Kirche in Deutschland. Die gesamte Kirche ist in der Krise wegen des Missbrauchs; ja mehr noch, die Kirche kann jetzt keinen Schritt nach vorn tun, ohne diese Krise anzunehmen. Die Vogel-Strauß-Politik hilft nicht weiter, und die Krise muss von unserem österlichen Glauben her angenommen werden. Soziologismen und Psychologismen helfen da nicht. Die Krise anzunehmen, als einzelner und als Gemeinschaft, das ist der einzige fruchtbringend Weg; denn aus einer Krise kommt man nur in Gemeinschaft heraus, und außerdem müssen wir uns klar machen, dass man aus der Krise als ein besserer oder als ein schlechterer Mensch hervorkommt, aber niemals unverändert.[1]

Du sagst mir, dass Du seit letztem Jahr am Nachdenken bist: Du hast Dich auf den Weg gemacht, den Willen Gottes zu suchen, und bist entschieden, ihn anzunehmen, was immer er sei.

Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist. Sich der Heuchelei in der Art, den Glauben zu leben, bewusst zu werden, ist eine Gnade und ein erster Schritt, den wir gehen müssen. Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft. Angesichts dieses Verbrechens können wir nicht gleichgültig bleiben. Das anzunehmen bedeutet, sich der Krise auszusetzen.

Nicht alle wollen diese Tatsache annehmen, aber es ist der einzige Weg. Denn „Vorsätze“ zur Änderung des Lebens zu machen, ohne „das Fleisch auf den Grill zu legen“, führt zu nichts. Die persönliche, soziale und geschichtliche Realität ist Konkret. Es genügt nicht, sie nur mithilfe von Ideen anzunehmen. Denn über Ideen wird diskutiert (zu Recht). Aber die Wirklichkeit muss immer angenommen werden und braucht Unterscheidung. Es stimmt, dass die geschichtlichen Vorkommnisse mit der Hermeneutik jener Zeit bewertet werden müssen, in der sie geschehen sind. Das befreit uns aber nicht von der Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen und diese Vorkommnisse anzunehmen als die Geschichte der „Sünde, die uns bedrängt“. Deswegen glaube ich, jeder Bischof der Kirche muss sie annehmen und sich fragen: Was muss ich angesichts dieser Katastrophe tun?

Das „mea culpa“ angesichts so vieler Fehler in der Vergangenheit haben wir schon mehr als einmal ausgesprochen, in vielen Situationen, auch wenn wir persönlich an dieser historischen Phase nicht beteiligt waren. Und genau dieses Verhalten wird von uns auch heute verlangt. Man verlangt von uns eine Reform, die – in diesem Fall – nicht in Worten besteht, sondern in Verhaltensweisen, die den Mut haben, sich dieser Krise auszusetzen, die Realität anzunehmen, wohin auch immer das führen wird. Und jede Reform beginnt bei sich selbst. Die Reform in der Kirche haben Männer und Frauen bewirkt, die keine Angst hatten, sich der Krise auszusetzen und sich selbst vom Herrn reformieren zu lassen. Das ist der einzige Weg; andernfalls wären wir nur „Ideologen der Reformen“, ohne das eigene Fleisch aufs Spiel zu setzen.

Der Herr hat sich niemals auf eine „Reformation“ (ich bitte um Erlaubnis für diese Formulierung) eingelassen: weder auf das Projekt der Pharisäer, noch auf das der Sadduzäer, der Zeloten oder der Essener. Sondern er hat sie mit seinem Leben bewirkt, mit seiner Geschichte, mit seinem Fleisch, am Kreuz. Und das ist der Weg, den auch Du, lieber Bruder, annimmst, indem Du Deinen Amtsverzicht anbietest.

Du sagst in Deinem Brief zu Recht, dass es uns nichts hilft, die Vergangenheit zu begraben. Das Schweigen, die Unterlassungen, das übertriebene Gewicht, das dem Ansehen der Institutionen eingeräumt wurde – all das führt nur zum persönlichen und geschichtlichen Fiasko; es führt uns dazu, dass wir mit der Last leben, - wie die Redewendung sagt – „Skelette im Schrank zu haben“.

Es ist wichtig, die Realität des Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit umgegangen ist, zu „ventilieren“ und zuzulassen, dass der Geist uns in die Wüste der Trostlosigkeit führt, zum Kreuz und zur Auferstehung. Es ist der Weg des Geistes, dem wir folgen müssen, und der Ausganspunkt ist das demütige Bekenntnis: Wir haben Fehler gemacht, wir haben gesündigt. Es sind nicht die Untersuchungen, die uns retten werden, und auch nicht die Macht der Institutionen. Uns wird nicht das Prestige unserer Kirche retten, die dazu neigt, ihre Sünden zu verheimliche. Uns wird nicht die Macht des Geldes retten und auch nicht die Meinung der Medien (oft sind wir von ihnen allzu abhängig). Was uns retten wird, ist: die Tür zu öffnen für den Einen, der allein uns retten kann, und unsere Nacktheit zu bekennen: „ich habe gesündigt“, „wir haben gesündigt“ – und zu weinen, und zu stammeln, so gut wir können: „Geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder“, ein Vermächtnis, das der erste Papst den Päpsten und Bischöfen der Kirche hinterlassen hat. Dann werden wir jene heilsame Scham empfinden, die die Türen öffnen wird zu jenem Mitleid und jener Zärtlichkeit des Herrn, die uns immer nah sind. Als Kirche müssen wir um die Gnade der Scham bitten, damit der Herr uns davor bewahrt, die schamlose Dirne aus Ezechiel 16 zu sein.

Es gefällt mir, wie Du den Brief beendest: „Ich bin weiterhin gerne Priester und Bischof dieser Kirche und werde mich weiter pastoral engagieren, wo immer Sie es für sinnvoll und gut erachten. Die nächsten Jahre meines Dienstes würde ich gerne verstärkt der Seelsorge widmen und mich einsetzen für eine geistliche Erneuerung der Kirche, wie Sie es ja auch unermüdlich anmahnen“.

Und genau das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising. Und wenn Du versucht bist, zu denken dass dieser Bischof von Rom (Dein Bruder, der Dich liebt), indem er Deine Sendung bestätigt und Deinen Rücktritt nicht annimmt, Dich nicht versteht, dann denk an das, was Petrus im Angesicht des Herrn hörte, als er ihm auf seine Weise seinen Verzicht anbot: „Geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder“ – und die Antwort hörte „Weide meine Schafe“.

Mit brüderlicher Zuneigung

FRANZISKUS

[1] Es besteht die Gefahr, die Krise nicht anzunehmen und sich in Konflikte zu flüchten, eine Verhaltensweise, die damit endet, zu ersticken und jede mögliche Veränderung zu verhindern. Denn in der Krise steckt ein Keim der Hoffnung, im Konflikt hingegen ein Keim der Hoffnungslosigkeit. Die Krise involviert uns – der Konflikt hingegen hält uns gefangen und führt zu der aseptischen Haltung des Pilatus: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache“ (Mt 27, 24) – eine Haltung, die uns schon so viel Schaden zugefügt hat und immer noch zufügt.

(vatican news - mg

 

 

 

Segen:

Da, wo wir glauben und hoffen, helfen und teilen,

da beginnt das neue Leben. Da ist Ostern!

Da lebt Jesus mitten unter uns!

Da feiern wir das Fest der Auferstehung.

Da, wo wir trösten und mitfühlen, da beginnt das neue Leben.

Da ist Ostern! Da lebt Jesus mitten unter uns!

Da feiern wir das Fest der Auferstehung.

Da, wo wir die Botschaft des Engels mitnehmen

und sie immer wieder spüren,

da beginnt das neue Leben. Da ist Ostern!

Da lebt Jesus mitten unter uns!

Da feiern wir das Fest der Auferstehung.

Dass wir dies immer wieder erleben und erfahren:

Dazu segne und begleite uns der mitgehende und uns liebende Gott, der Vater, Sohn und Heilige Geist.

 

Weihegebet

Ich weihe und übergebe der allerheiligsten Dreifaltigkeit alles was in mir ist;
mein Gedächtnis und mein Tun Gott dem Vater, meinen Verstand und meine Worte.
Gott Sohn, meinen Willen und meine Denken Gott dem Heiligen Geiste, mein Herz, meinen Leib,
meine Zunge, meine Sinne und all meine Leiden der hochheiligen Menschheit Jesu Christi. Amen ( Franz von Sales)

 

 

Seid gesegnet, wenn ihr in der Freude der Liebe erstrahlt
und meint, alles zu vermögen.

Seid gesegnet,wenn die Wege eurer Liebe euch viel abverlangen.

Seid gesegnet, wenn ihr mühsam neue Brücken der Liebe bauen müsst.

Seid gesegnet von dem Gott, der der Inbegriff der Liebe ist
und sich uns schenkt als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

            ........................................

 

 Manchmal, mein Gott, träume ich von einem neuen Herzen.

Ein Herz ersehne ich mir, das für dich brennt und deinen Willen liebt,

ein Herz voll Vertrauen,

ein Herz, in dem Raum ist für die Leidenden.

Ein Herz wünsche ich mir, das seine Verwundbarkeit annehmen kann,

weil es aus deiner heilenden Liebe lebt,

ein Herz, das mitten im Lärm deine Stimme erkennt,

in dem dein Lobpreis lebendig ist.

Lass mich nicht müde werden, mein Gott,

ein solches Herz von dir zu erbitten.

(Quelle unbekannt)

 

Was ist ein Heiligkeit?

Papst Franziskus antwortet:

Heiligkeit ist ein Weg des Lebens, der Begegnung mit Jesus - ob lang oder kurz, womöglich auch nur ein einziger Augenblick - aber immer ein Zeugnis. Heiligkeit ist das Zeugnis eines Mannes oder einer Frau, der/die Jesus begegnet und ihm gefolgt ist. Es ist nie zu spät, sich zum Herrn zu bekehren, der gut und groß an Liebe ist.“

 Das Jahr des Herrn

 

 

Abgrenzung

 

Es nicht immer allen recht machen müssen,

 

den eigenen Standpunkt einnehmen und vertreten, auch gegen Widerstände.

 

Sich in der Begegnung dem Gegenüber zumuten können,

 

sich klar unterscheiden, das eigene Gesicht zeigen und wahren, sich auf die Auseinandersetzung einlassen.

 

Zugeschriebene Rollen nicht länger spielen müssen,

 

aussteigen können im Vertrauen auf die größere Freiheit, die aus den Worten Jesu spricht.

 

Sich nicht vereinnahmen lassen von Erwartungen der Angehörigen,

 

frei bleiben für den größeren Freundeskreis der Jünger Jesu.

 

Sich abgrenzen müssen, auch auf die Gefahr hin, nicht verstanden oder sogar für verrückt erklärt zu werden, um der Botschaft Jesu willen.

 

Sich zu denen zählen können, die den Willen Gottes erfüllen wollen; so wird man für Jesus Bruder, Schwester und Mutter.(aus: Paul Weismantel: Dir zugesagt. 52 Inspirationen Sonntag für Sonntag, Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart 2006, S.29)

 

 

 

 

Dankgebet

lieber Gott

ich mache mir sorgen
um meine lieben und alle menschen
und auch um mich
ich danke Dir
dass du auch in der angst zugegen bist
und uns hilfst

mir fehlt die gemeinschaft und die nähe
mit menschen und mit gott
ich danke Dir
dass es noch viele andere möglichkeiten
der verbindung und der zuneigung gibt

auch in der größten not bist Du der uns ewig liebende gott
der uns einlädt aus seinem wort verantwortungsbewusst zu leben
und achtsam für andere da zu sein

lieber gott
ich bitte für die kranken und sterbenden
und alle in ihrer existenz bedrohten
und für alle helferinnen und helfer
bleibe bei uns und segne uns

Verfasser: Michael Lehmler

 

 

 

 

Meditation - Das Brot

Brot, das nährt, das Leben erhält und spendet, dass nicht nur den Körper mehr noch die Seele erfüllt Wein, der versöhnt, In Blute Christi mit Gott selbst, schuld muss weichen, weil der Will zum Frieden, die Enge der Schuld sprengt Brot und Wein, Leib und Blut, Zeichen des Lebens Zeichen der Versöhnung Aufbruch in ein neues Leben genährt von Gottes Güte, Aufbruch zum wahren Leben aus Gottes Frieden.  Reinhard Röhrner

2021   -  Fastenzeit  und Osterzeit

"Die Fastenzeit ist der Herbst des geistlichen Lebens, in dem man die Früchte ernten und für das ganze Jahr sammeln soll. Tun Sie alles, ich bitte Sie um reich zu werden an diesen kostbaren Schätzen, die nichts Ihnen rauben oder verderben kann." (Franz von Sales)
(DASal 5,107)

 

Pfingsten

 

GEBET ZUM HL. GEIST

Johannes XXIII.

Heiliger Geist, vervollständige in uns das Werk, das Jesus begonnen hat!

Gib unserem Apostolat Begeisterung, damit es alle Menschen und Völker erreicht, da sie alle durch das Blut Christi erlöst und sein Erbe sind!

Töte in uns die natürliche Anmaßung ab und trage uns in das Reich heiliger Demut, wahrer Gottesfurcht und hochherzigen Mutes empor! Kein irdisches Band möge uns hindern, unserer Berufung Ehre zu machen; kein Interesse möge uns feige und die Forderung der Gerechtigkeit machtlos machen; keine Berechnung möge die unendliche Weite der Liebe in die Enge unserer kleinen Selbstsucht zwängen!

Möge alles an uns groß sein: die Suche und Verehrung der Wahrheit, die Bereitschaft zum Opfer bis zu Kreuz und Tod! Und alles möge dem letzten Gebet des Sohnes an den himmlischen Vater und der Ausgießung entsprechen, mit der der Vater und der Sohn dich, Heiliger Geist der Liebe, der Kirche und ihren Einrichtungen, den einzelnen Seelen und den Völkern schenken wollte. Amen; alleluja alleluja.

Johannes XXII. In: Walter Nigg, Mit großen Christen um den Hl. Geist beten. Rex-Verlag, München Luzern 1976.

KOMM, HEILIGER GEIST

Guido Erbrich

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Weisheit!
Hilf mir, dass ich mein Leben auf festen Grund baue.
Lass mich nüchtern überlegen.
Schenk mir Offenheit für andere

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Einsicht!
Hilf mir einsehen, was gut und war richtig ist.
Lass mich sachlich und fair
meine Meinung vertreten.

Komm, Heiliger Geist, du Geist des Rates!
Lass mich willig guten Rat annehmen.
Lass mich guten Rat geben, wenn ich gefragt werde.
Du sprichst zu mir durch das Wort der Heiligen Schrift.
Du sprichst zu mir durch das, was in der Welt geschieht.
Du sprichst zu mir durch den Rat guter Menschen.
Du sprichst zu mir durch mein Gewissen.
Ich will auf dich hören.

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Stärke!
Hilf mir, die Trägheit und die Feigheit überwinden.
Mach mich mutig, wenn ich zu meinem Glauben
und zu meiner Überzeugung stehen soll.

Guido Erbrich (Hg.), Zum Beispiel: du. Gebete für junge Menschen. Leipzig, St. Benno, 2002.


 

 

 

GEBET ZUM HEILIGEN GEIST

Antony Kolencherry

Heiliger Geist,
eins mit dem Vater und dem Sohn,
deine schöpferische Kraft erfüllt das All mit Glanz und Herrlichkeit.
Atme in mir deinen Atem des Lebens, der Weisheit und der Menschlichkeit,
damit ich Zeuge von deiner unendlichen Güte bin.
Dein lebendiges Feuer möge mich beflügeln,
mein Inneres durchdringen,
mich erwärmen und heiligen.
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe,
damit ich das Böse besiege,
die Angst überwinde,
Freundschaften schließe
und zur Versöhnung beitrage.

Heiliger Geist,
du Feuer und Flamme,
hilf mir, die Liebe zu entzünden,
die Herzen zum Glühen zu bringen,
den Geist zu erfrischen und die Sinne zu erfreuen.
Beschenke mich mit deinen himmlischen Gaben
und verwandle mich, damit ich umkehre, wo Umkehr notwendig ist,
und neu beginne.
Leite mich auf den rechten, ebenen Pfaden
und mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
damit ich in den Familien und Gemeinden der Einheit und Eintracht diene.

Heiliger Geist,
ich danke dir, dass ich bei dir so wunderbar geborgen bin.
Sei gepriesen heute und in alle Ewigkeit. Amen.

P. Antony Kolencherry, Kloster Visitation, 4500 Solothurn, Schweiz.

 

Helene Renner

Geist Gottes
komm auf uns
und öffne uns für deine Botschaft

Geist Gottes
komm auf uns
und bereite uns für Jesu Nachfolge

Geist Gottes
komm auf uns
und erneuere unseren Glauben

Geist Gottes
komm auf uns
und stärke unsere Hoffnung

Geist Gottes
komm auf uns
und entzünde neu in uns die Liebe

Geist Gottes
komm auf uns
und begleite uns durchs Leben


 

 

AUF DASS MAN DIE CHRISTEN ERKENNE

Leon-Joseph Suenens

Herr, ich brauche deine Augen,
gib mir einen lebendigen Glauben.

Ich brauch dein Herz,
gib mir in allen Situationen Liebe zum Nächsten.

Ich brauche deinen Atem,
gib mir deine Hoffnung
für mich selbst und deine Kirche,

auf dass sie Zeugnis ablege für die Welt,
auf dass man die Christen erkenne
an ihrem strahlenden, heiteren Blick,
an der Wärme ihres Herzens
und an diesem unüberwindlichen Glauben,
der sich aus den heimlichen, unversiegbaren Quellen
ihrer fröhlichen Hoffnung nährt.

Leon-Joseph Suenens, Bischof von Brüssel. In: Minuten am Morgen, Texte und Gebete zum Schulbeginn, 2. Auflage 2004.

 

 

AUFFORDERUNG

Beatrix Senft

Das Leben ist eine Chance, nutze sie.
Das Leben ist Schönheit, bewundere sie.
Das Leben ist Seligkeit, genieße sie.
Das Leben ist ein Traum, mach daraus Wirklichkeit.
Das Leben ist eine Pflicht, erfülle sie.
Das Leben ist ein Spiel, spiele es.
Das Leben ist kostbar, geh sorgfältig damit um.
Das Leben ist Reichtum, bewahre ihn.
Das Leben ist Liebe, erfreue dich an ihr.
Das Leben ist ein Rätsel, durchdringe es.
Das Leben ist Versprechen, erfülle es.
Das Leben ist Traurigkeit, überwinde sie.
Das Leben ist eine Hymne, singe sie.
Das Leben ist eine Herausforderung, stelle dich ihr.
Das Leben ist ein Kampf, akzeptiere ihn.
Das Leben ist eine Tragödie, ringe mit ihr.
Das Leben ist ein Abenteuer, wage es.
Das Leben ist Glück, verdiene es.
Das Leben ist das Leben, bewahre es.
Das Leben ist lebenswert, lebe es.

nach Mutter Teresa

 

 

DEN HIMMEL BERÜHREN

Beatrix Senft

Den Himmel über mir:
Himmelskörper
Sterne
Sternschnuppe
Sternennacht
Mondnacht
sternenklar

Meine Augen berühren ihn

Mein einziges Himmelbild?

Hier und da – JA

Aber auch:
himmelschreiend - mit meinen Nöten
Wie auf Wolken schwebend –
                himmelhochjauchzend –
                in meinem Glück
Jemanden in den Himmel hebend -
Wie auf Wolken schwebend

GEFÜHLSLAGE HIMMEL

Abgehoben

Himmel – der sich geerdet hat
Himmel – der in Jesus eine Verbindung bekommen hat

Den wir erfahren dürfen:

Da, wo Menschen sich liebend begegnen
Da, wo 70x70 mal Verzeihung geschieht
Da, wo Menschen über Schatten springen
Da, wo ein gepeinigtes Herz zur Ruhe kommen kann
Da, wo Brücken gebaut werden - über alles Trennende hinaus
Da, wo der Schwache auch den Starken mitschleift
Da, wo die leere Hülle wieder Füllung findet

Da, wo ….

Genau da
verbindet sich der Himmel mit der Erde
zu einem großen
und neuen
Bild

Da berührt sich
Zeit
und
Unendlichkeit

DA
berühren sich
Gott
und
Mensch   

Beatrix Senft, unveröffentlicht

 

HIMMEL

Huub Oosterhuis

"Himmel" ist eine Bewegung nach oben, ein Wort für etwas, das über uns hinausgeht - und das trifft für die Mehrzahl der irdischen Dinge zu. Ein anderer Mensch zum Beispiel geht über uns hinaus, insoweit er dieser Mensch ist und kein anderer: verborgen und unantastbar. Man kann einen Menschen photographieren und betasten, sein Gewicht messen und ihn operieren, ihm ein neues Herz einpflanzen, man kann mutmaßen, was in ihm lebt, aber es ist nicht möglich, sich seiner zu bemächtigen. Man kann ihn ansehen und betrachten, aber nicht er selber sein. "Daß ich dich sehen kann und nicht du sein kann, getrennt von dir durch meine eigenen Augen", diese Worte der Dichterin Vasalis lassen erkennen, was ein anderer Mensch ist, ein anderer in seiner Ferne, ein anderer in seinem "Himmel", außerhalb meiner Reichweite und weit darüber hinaus. Man muß immer zu einem anderen hinaufsteigen, er ist nicht greifbar. In der Liebe oder in der Freundschaft und in welcher Schicksalsverbundenheit immer wird dies als Gewißheit erfahren. Ein anderer Mensch wohnt "in Nacht und Wolken" oder - umgekehrt ausgedrückt - "im unzugänglichen Licht". Das ist es genau, was in der Bibel, in Psalmen und im Zeugnis von Gott ausgesagt wird. [...]

Himmel ist ein Pseudonym für Gott. Himmel ist: Gott-der-für-mich-dasein-wird. Es sind fast leere Worte, kein Bild und keine Vorstellung ist hier brauchbar. Wenn uns aber diese Erfahrung manchmal - nur für einen kurzen Augenblick, später nicht mehr - zuteil wird, dann hören und erkennen wir in diesen Worten, daß Gott seinen Namen an gewissen Menschen erfüllt hat. Und wenn wir sagen, daß Jesus von Nazareth in den Himmel aufgenommen wurde, dann sagen wir stammelnd: der Geringste der Menschen wurde in Gott gerettet, und unsere angefochtene und zertretene menschliche Existenz wird in Gott gerettet werden: Ich-werde-für-dich-dasein.

Huub Oosterhuis, Im Vorübergehn. Wien, Freiburg, Basel: Herder 1969, S. 220/21 u. S.224/25.

 

SEGEN

Ute Josten

Gott,
du segnest uns,
wenn wir froh sind,
wenn uns vieles gelingt,
wenn wir lachen und uns nicht mehr einkriegen können vor Lachen,
wenn wir das schöne Gefühl haben „Alles ist O.K.!“

Gott ,
du segnest uns,
wenn es uns schlecht geht,
wenn wir traurig sind und überhaupt nicht mehr weiter wissen,
wenn unser Herz so schwer ist, dass wir glauben:
„Ich kann mich nie mehr in meinem Leben über irgendetwas freuen!“

Gott,
du segnest uns,
wenn wir vor Wut platzen,
wenn wir uns selbst oder andere nicht mehr leiden können,
wenn wir das Gefühl haben „Das ist nicht fair!“

Gott,
du segnest uns,
wenn wir keine Wunder vollbringen,
wenn wir den Erwartungen anderer nicht entsprechen,
wenn wir der ganzen Welt entgegen rufen möchten:
„Das bin ich nicht und so werde ich nie sein!“

Gott,
du segnest uns,
wenn wir ängstlich sind,
wenn wir schwach sind,
wenn wir glauben „Das schaffe ich niemals!“

Gott,
du segnest uns,
wenn wir auf die Nase fallen,
wenn was nicht so läuft und das Ergebnis einfach nur mies ist,
wenn wir nur noch schreien wollen: “So ein Mist!“

Manchmal spüren wir deine Nähe, manchmal nicht.
Gott,
du gehst mit uns.
Wir sind dir nicht egal.

Das ist gut so.
Amen.

 

ion auch gute Seiten hat,
und stecken den Kopf nicht in den Sand, wenn es mal schwer wird.
Seie haben noch Träume
und glauben an sie.
Wenn man mit ihnen zusammen ist,

Helene Renner (2021)

Wer in mir bleibt
und in wem ich bleibe
der bringt reiche Frucht.

Unser aller Leben
kann nur gelingen
in Einheit mit dir, unserem Gott:

Wenn wir uns an dich binden
wenn wir uns an dir festhalten
wenn du unsere Nahrung bist
wenn du unsere Mitte bleibst.

Wenn wir in dir bleiben
können wir Frucht bringen
reiche Früchte:

Früchte der Barmherzigkeit
Früchte der Zuwendung
Früchte der Verantwortung
Früchte der Liebe.

Wir sind hier bei dir
du bist unsere Speise geworden:
Durchdringe unser Innerstes
gestalte unser Herz
präge unser Denken und Tun
damit wir fruchtbar werden
für dein Reich
und unser Leben
ein erfülltes Leben wird.

 

STELLENAUSSCHREIBUNG 

Beatrix Senftf       

Ich, Besitzer einer großen Schafherde, suche:
verlässlichen Hirten für meine Herde.

Meine Herde ist gerade sehr weit verstreut und verunsichert; es besteht eine große Unruhe innerhalb der Herde, viele Tiere sind auf vielfältige Weise verletzt oder stehen mit dem Rücken zum Zaun.
Auch ist die Herde lange durch dürres Land geführt worden, so dass sie einen starken Durst nach frischem Wasser verspürt.
Darüber hinaus ist es zu manchen Früh- und Fehlgeburten gekommen und Wölfe konnten in die Herde eindringen. Auch ist es so, dass Tiere, die nicht ins optische Bild der Herde passen, von den Alt-Böcken ausgestoßen und zu „unzumutbaren Sündenböcken“ gemacht werden.

Daher suche ich einen Hirten:
* der sich behutsam der Herde nähert
* der ihre Verletzungen und Bedürfnisse ernst nimmt - sehr ernst
* der mit liebevollem Stab Richtung für sie zu suchen bereit ist
* der sich damit auseinandersetzt, welche Nahrung und welche Quelle dazu beitragen kann, ihr wieder Lebenskraft zu spenden
* der auch in engen Schluchten und in reißenden Strömen verlässlich bei meiner Herde weilt
* der sie vor äußeren und inneren Gefahren schützt
* der danach schaut, auf welche Weise und aus welchem Grund Tiere verloren gingen und der behilflich ist, dass sie zurückfinden, wenn sie wieder in meiner Herde leben wollen
* der mit meiner Herde lebt, wie ein Schaf unter Schafen - damit er den rechten Blickwinkel erhält

Ich weiß, dass ich damit eine hohe Anforderung stelle. Eine Anforderung, der ich mit einer Bezahlung sicherlich nicht gerecht werden kann.
Doch, all meine Liebe liegt in dieser Herde und es jammert mich ihr Zustand. –
Vielleicht geht es Ihnen genauso, wenn Sie auf diese Herde schauen.

Auch weibliche Bewerberinnen sind mir herzlich willkommen.

Mit liebevollem Aufruf:
WEIDET MEINE HERDE,

Ihr und Euer GOTT

Beatrix Senft, unveröffentlicht.

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Der guter Hirte    

Papst Franziskus

Der gute Hirte hört der Herde zu, er führt die Herde, er sorgt sich um die Herde. Und die Herde weiß genau zwischen den Hirten zu unterscheiden, sie täuscht sich nicht: die Herde vertraut dem guten Hirten, sie vertraut Jesus. Nur der Hirte, der aussieht wie Jesus, flößt der Herde Vertrauen ein, denn er ist die Tür. Der Stil des Hirten muss der Stil Jesu sein, einen anderen gibt es nicht. Aber wie Petrus in der ersten Lesung sagt, hat auch Jesus, der gute Hirte, »für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter« (1 Petr 2,21-23). Er war sanftmütig. Eines der Kennzeichen des guten Hirten ist die Sanftmut. Der gute Hirte ist sanftmütig. Ein Hirte, der nicht sanftmütig ist, ist kein guter Hirte. Er hat etwas verborgen, denn Sanftmut zeigt sich, wie sie ist, ohne sich zu verteidigen. Im Gegenteil, der Hirte ist zärtlich, er hat jene Zärtlichkeit der Nähe, er kennt die Schafe eines um das andere beim Namen und kümmert sich um jedes von ihnen, als wäre es das einzige, was so weit geht, dass er, wenn er nach einem Arbeitstag müde nach Hause kommt, merkt, wenn ihm eines fehlt und erneut zur Arbeit hinausgeht, um es zu suchen, und [wenn er es findet], dann nimmt er es mit, er trägt es auf seinen Schultern (vgl. Lk 15,4-5). Das ist der gute Hirte, das ist Jesus, das ist der, der uns auf dem Weg des Lebens begleitet, uns alle. Und diese Vorstellung vom Hirten, und diese Vorstellung von der Herde und den Schafen, ist eine österliche Vorstellung. Die Kirche singt in der ersten Woche der Osterzeit diesen schönen Hymnus für die Neugetauften: »Das sind die neugeborenen Lämmer«, den Hymnus, den wir zu Beginn der Messe gehört haben. Es ist eine Vorstellung von Gemeinschaft, von Zärtlichkeit, von Güte, von Sanftmut. Das ist die Kirche, die Jesus will, und er ist der Hüter dieser Kirche.

Dieser Sonntag ist ein schöner Sonntag, es ist ein Sonntag des Friedens, es ist ein Sonntag der Zärtlichkeit, der Sanftmut, denn unser Hirte kümmert sich um uns. »Der Herr ist mein Hirt. Nichts wird mir fehlen«.

 

 

DIE WUNDMALE BERÜHREN, UM JESUS ZU BEKENNEN

Franziskus (Papst)

Wir müssen aus uns herauskommen und auf die Straßen der Menschen gehen, um zu entdecken, dass die Wundmale Jesu auch heute noch am Körper all jener Brüder sichtbar sind, die Hunger und Durst leiden, die nackt, erniedrigt und geknechtet sind, die sich im Gefängnis oder im Krankenhaus befinden. Und gerade durch die Berührung und Liebkosung dieser Wunden wird es uns möglich, »den lebendigen Gott mitten unter uns anzubeten«.

Der dem heiligen Apostel Thomas geweihte Festtag bot Papst Franziskus die Gelegenheit, wieder auf eine Vorstellung zurückzukommen, die ihm ganz besonders am Herzen liegt: die Finger in die Wunden Jesu legen. So war die Geste des hl. Thomas, der die Finger in die Wundmale des auferstandenen Jesus legt, das zentrale Thema der Predigt, die der Papst im Verlauf der Messe hielt, die er am Mittwoch, 3. Juli, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte.

FREI IST DER MENSCH

Klaus Hemmerle

frei ist der Mensch,
der den Tod hinter sich
und das Leben vor sich hat,

der nicht zu vergessen braucht,
weil ihm vergeben ist
und er vergeben hat,

der vor nichts zu fliehen braucht,
weil er durch verschlossene Türen kommen
und über Abgründe gehen kann,

der sich nicht zu ängstigen braucht,
weil er immer unterwegs ist
zu einem und mit einem,
der ihn grenzenlos liebt.

frei ist der Mensch, der zu allen offen ist,
weil er alle
in sein Herz geschlossen hat.

frei ist der Mensch,
der jenseits der Wunde lebt -
der österliche Mensch

Klaus Hemmerle, Hirtenbriefe, hrsg. Karlheinz Collas, Aachen: Einhard Verlag 1994,

Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.

(Dietrich Bonhoeffer)

 

Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht herumlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.

(Friedrich Schiller)

 

Viele sagen: Alles stürzt zusammen, eine Welt stirbt! Ich aber sage: Eine Welt entsteht! Der Tod existiert, ja, aber Christus hat den Tod überwunden. Christus lebt!

(Michel Quoist)

 

Auferstanden, das ist: Aufgabe haben.

Auferstanden, das ist: Neuland sehen.

Auferstanden, das ist: Liebe schenken.

Auferstanden, das ist: vertrauen können.

(Martin Gutl)


2021   -  Fastenzeit  und Osterzeit

 

KARWOCHENLITURGIE

Bernhard Bossert CSsR

Die Liturgien von Gründonnerstag bis zur Osternacht bilden das Zentrum des christlichen Glaubens. Im Grunde ist es eine große Feier, die in drei Teile gegliedert ist, voll von großen Symbolen, Gesten und Texten. Wir versuchen, die Essenz der drei Feiern erlebbar zu machen. Der Gründonnerstag ist der Auftakt zu den drei Österlichen Tagen. Christen erinnern sich an den Tag, an dem das letzte Abendmahl gefeiert wurde, dem die Fußwaschung vorausging. Jesus machte sich buchstäblich klein. Er kniete sich vor jedem seiner Jünger nieder, um ihm zu dienen und den Schmutz von den Füßen zu waschen. In vielen Kirchen waschen die Priester den Gemeindemitgliedern heute Abend die Füße. Man muss gewaschen werden, um Anteil an Jesus zu haben Der Geist der dienenden Liebe ist konkret; es sind die Tage vom Gründonnerstag bis zur Osternacht, sie bilden das Zentrum des christlichen Glaubens. Jesus machte sich zum Sklaven für uns. Er offenbart das Wesen Gottes.

Im Grunde ist es eine große Feier, die in drei Teile gegliedert ist.
Die Liturgie vom Gründonnerstag ist das letzte Abendmahl, dem die Fußwaschung vorausging. Die Abendmahlsfeier knüpft an das jüdische Gedächtnisfeier der Befreiung aus Ägypten mit dem Durchzug durch das Rote Meer an, wobei vorher das Lamm geschlachtet und gegessen wurde, das große Symbol für Christus.

Was symbolisch und real im Sakrament gefeiert wird, ist das Gedächtnis des Kreuzes-Todes, seine Lebenshingabe. Wir beten Seinen Tod an als Hingabe, die unser eigenes Leid und das der ganzen Welt hin zu den Füßen des Gekreuzigten trägt. Der Schreis Jesu „warum hast du mich verlassen?“ Und dann “Es ist vollbracht! Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ ist schon der Beginn der pfingstlichen Geistausströmung, um aus der Jünger-Gemeinde, die junge Kirche hervor zu hervorzubringen beginnt.

Pater Bernhard Bossert CSsR

 

DIE EWIGKEIT DER DREI TAGEMartin Gutl

Drei Tage warten:
Karfreitag,
Karsamstag,
Ostersonntag.

Vom Standpunkt der Ewigkeit aus
ist das Warten keine Kunst.
Doch mit dem Blick auf unser Herzen
können drei Tage eine Ewigkeit sein.
bis zur Ankunft des Freundes,
bis zur Scheidung,
bis zur Versöhnung,
bis zur Genesung,
bis zum Betenkönnen.

Manch einer nimmt sich das Leben,
weil drei Tage,
die Frist zwischen Kreuzigung und
Auferstehung,
zu lange gedauert haben.

.....................

Das österliche „Trotzdem“

Wenn alles zerbricht
und das Licht am Ende des Tunnels nicht kommt.
Wenn Hoffnungen zerstört sind
und kein Trostwort mehr das Herz erreicht.

Wenn die Luft ausgeht,
kein langer Atem mehr das Durchhalten ermöglicht.
Und wenn der Karsamstag unendlich lang
und die schreiende Grabesruhe
nicht Entspannung, sondern Enttäuschung bietet.

Dann wird das Trotzdem der Auferstehung
zu einem Kraftakt Gottes,
immer neu, in jedem Menschen.

Dann wird die Liebe Gottes
gegen die Abkehr und die Sünde des Menschen
zum lebensspendenden Atem.

Auferstehung ist Gottes Trotzdem
gegenüber Tod, Dunkelheit und Verzweiflung.
Denn unsere Kraft reicht oft
nicht einmal für diesen Trotz.    Johann Pock, Ostern 2021, inmitten der Coronapandemie

 

WECK UNS AUF

Anton Rotzetter

Lebendiger Gott

Aus dem Schlaf der Sicherheit
            weck uns auf

Aus dem Tod der Liebe
            weck uns auf

Aus der Faulheit des Denkens
            weck uns auf

Aus dem Schlaf der Selbstgenügsamkeit
            weck uns auf

Aus dem Tod der Hoffnung
            weck uns auf

Aus der Dürre der Phantasie
            weck uns auf

Aus dem Schlaf der Sinne
            weck uns auf

Aus dem Tod der Gefühle
            weck uns auf

Aus Kleinlichkeit und Enge
            weck uns auf

Aus: Anton Rozetter, Gott, der mich atmen lässt, Freiburg 1985.

 

OSTERN – EIN FEST DER BRÜCHE

Johann Pock, Hans Pock

Einbruch?
       Die Tür ist aufgebrochen,
       die Stille schreit.
       Gestohlen ist die Intimität,
       die noch Erinnerung garantierte.
Doch dann, wie Schuppen von den Augen:
       nicht Einbruch, sondern Ausbruch:
       fort aus dem Gefängnis des Todes,
       aus dem Festhalten wollen des Vergangenen,
       aus der Hoffnungslosigkeit des Gestern.
       Der Stein, des Todes Schutzwall, ist weggerollt.
Aufbruch ist möglich,
       Schritte in die Zukunft,
       noch unsicher, tastend,
       aber beschwingt im Wissen:
Der Umbruch ist unumkehrbar,
       der Tod hat nicht das letzte Wort.

Johann Pock, Wien 04/2014

       

NEHMT MICH MIT VOM GRAB

Marie-Luise Langwald

Nehmt mich mit zum Grab,
ihr Frauen.

Lasst mich teilhaben
an eurer Sorge,
an eurer Liebe,
an eurem Mut.

Lasst mich teilhaben
an eurer Verwunderung: der Stein ist gehoben,
an eurem Erstaunen: das Grab ist leer,
an eurer Ahnung: der Tote lebt.

Lasst mich teilhaben
an eurer Hoffnung,
an eurer Freunde,
an eurem Aufbruch.

Nehmt mich mit vom Grab,
ihr Frauen.

An eurer Seite
finde ich den Herrn.

Nehmt mich mit vom Grab,
ihr Frauen.

Aus: Marie-Luise Langwald, Frauen-ge-danken, Klens-Verlag, S. 112-113, © Patris-Verlag, Vallendar.

                                                                   OSTERN

Ingeborg Drewitz

Vier freie Tage. Was reden sie
von Karfreitag und Kreuzigung
und dass einer auferstanden ist.
Auf den Autobahnen staut der Verkehr.

Übliche Unfälle, was reden sie
von Karfreitag und Kreuzigung?
Für die Ostertoten steht die Versicherung ein.
Was soll’s, normale Opfer.

Und da sagt einer, wir verstehen ihn nicht,
er ist für die Menschen gestorben,
wie ein Verbrecher ans Kreuz geschlagen.
Richtig, sagen alle, wir verstehen das nicht.

Es geht uns nichts an, sagen sie, sagst du,
wahrscheinlich ein Spinner, aber wir
haben vier freie Tage vor uns.
Die Radio- und Fernsehprogramme spielen noch Ostern.

Ingeborg Drewitz in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte – Interpretationen – Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag, München 2001.


 

 

Meditation


Helene Renner (2021)

Schreien
um Hilfe
und niemand hört

Weinen
vor tiefem Schmerz
und keiner tröstet

Betteln
um heilsame Nähe
und keine Hand öffnet sich

Verlassen von Gott
und den Menschen
ausgeliefert

und doch
glauben

alles wird gut

 

ABGESCHRIEBEN

Heidi Rosenstock/Hanna Köhler

Abgeschrieben
Von denen, die ich liebe.
Verlassen, allein geblieben
Bete ich zu dir,
Christus, erbarme dich.

Festgefahren, stecken geblieben,
gefangen in den eigenen Stricken
bete ich zu dir,
Christus, erbarme dich.

Dem Leben abgestorben,
im Kampf mit dem Schmerz,
den Hunger nach Leben im Herzen,
fassungslos, ohnmächtig,
bete ich zu dir,
Christus, erbarme dich.

Heidi Rosenstock/Hanna Köhler (Gebetsmappe der Burg Altpernstein)

KREUZE OHNE CHRISTUS TRAGEN

Verfasser unbekannt

Kreuze ohne Christus tragen
ist für mich zu schwer.
Kommt ein Kreuz, so will ich sagen:
"Hilf mir tragen, Herr!
Lass das Kreuz allein nicht kommen.
Komme, Herr, ich bitt!
Geh den Kreuzweg Deiner Frommen
immer wieder mit."

Kreuze ohne Christus drücken
jedes Herz zu Tod.
Wohin soll das Leiden blicken,
kennt es keinen Gott,
der die Schmerzen nicht erschaffen,
aber sie erlöst.

Christus ist's, in dem wir raffen
mutig auf uns beim Erschlaffen,
unser Kreuz erhöh'n zum Fest.

Verfasser unbekannt


KLAGEGEBET

Beate Jammer

Gott, es geschieht in dieser Welt so viel Schreckliches, Grausames, Furchtbares, so viel Unrecht und Menschenverachtung. Weltweit und in nächster Nähe werden Menschen ihrer Würde und Freiheit beraubt, werden tyrannisiert und erpresst, werden Opfer von Missbrauch und Gewalt.

Gott, wir klagen dir die Nöte dieser Welt und Zeit!

Das Leid in dieser Welt ist so unüberschaubar, es übersteigt unser Begreifen. Wir können es nicht fassen noch verstehen. Wir können es nur aushalten und um die Kraft bitten, einander beizustehen, Anteil zu nehmen, einander zu helfen, es zu ertragen.


Gott, wir klagen dir die Nöte der Menschen und des Lebens!

Wir schauen auf Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat und sein Leben für uns hingegeben hat. Wir richten unseren Blick auf das Kreuz deines Sohnes. Er ist der Inbegriff allen Leidens, aller Schmach und Schande, allen Scheiterns und aller Ohnmacht. Er ist für uns auch ein Zeichen der Hoffnung, des Trostes und des Segens. Mit ihm verbinden wir das Schicksal aller unschuldig Leidenden, aller, die an den Lasten des Lebens zu zerbrechen drohen oder daran zerbrochen sind.


Wir schauen auf Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat!

Wir rufen zu ihm für alle Leidenden und Gequälten dieser Erde, für alle, die verstummt sind oder laut aufschreien, für alle, die verzweifelt sind, die nicht mehr ein noch aus wissen und völlig am Ende sind.


Wir rufen Jesus, der für uns gestorben und auferstanden ist.

Beate Jammer, Impulse und Modelle für alle Tage der Fastenzeit, Ruft ihm zu, der uns befreit, Ostfildern 2011.

 

 

BEDINGUNGSLOS

Ruth Pfau

Liebe ist kein kommerzielles Übereinkommen, "ich liebe dich, falls ... und unter der Bedingung, dass ..." Liebe ist das bedingungslose Ja, das uns Johannes überliefert hat. Die Liebe, mit der unser Herr geliebt hat: "Und da er sich einmal entschieden hatte, sie zu lieben, liebte er sie bis zum Ende". Bis zum Ende.
Woher sollte ich die Berechtigung nehmen, vorher aufzuhören?!
Das ist übrigens gar nicht heroisch: Zuwendung zum anderen, da sein, hinhören, Geduld und Zeit zu haben. Je mehr der andere diese Zuwendung braucht, umso stärker sind wir gefordert.

Aus: Ruth Pfau. Leben heißt anfangen. Worte, die das Herz berühren. Herausgegeben von Rudolf Walter. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.

EIN MENSCH WIE BROT

Lothar Zenetti

Er lehrte uns die Bedeutung und Würde
des einfachen unansehnlichen Lebens
unten am Boden
unter den armen Leuten
säte er ein
seine unbezwingbare Hoffnung

Er kam nicht zu richten sondern aufzurichten
woran ein Mensch nur immer leiden mag
er kam ihn zu heilen

Wo er war
begannen Menschen freier zu atmen
Blinden gingen die Augen auf
Gedemütigte wagten es zum Himmel aufzuschauen
und Gott
ihren Vater zu nennen
sie wurden wieder Kinder
neugeboren
er rief sie alle ins Leben

Er stand dafür ein
dass keiner umsonst gelebt
keiner vergebens gerufen hat
dass keiner verschwindet namenlos
im Nirgends und Nie
dass der Letzte noch
heimkehren kann als Sohn

Er wurde eine gute Nachricht
im ganzen Land ein Gebet
ein Weg den man gehen
ein Licht
das man in Händen halten kann
gegen das Dunkel

Ein Mensch wie Brot
das wie Hoffnung schmeckt
bitter und süß

Ein Wort das sich verschenkt
das sich dahingibt wehrlos
in den tausendstimmigen Tod
an dem wir alle sterben

Ein Wort
dem kein Tod gewachsen ist
das aufersteht und ins Leben ruft
unwiderstehlich
wahrhaftig dieser war Gottes Sohn

Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias-Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.

 

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Helene Renner (2021)

Wasche mich, Gott
mit dem Wasser des Lebens

Wasche mich, Gott
mit dem Wasser des Friedens

Wasche mich, Gott
mit dem Wasser der Liebe

Wasche mich, Gott
mit dem Wasser deiner Gegenwart

Wasche mir die Füße, Gott
damit ich wieder Boden unter ihnen fühle

Wasche mir die Füße, Gott
damit ich den Staub der Oberflächlichkeit ablege

Wasche mir die Füße, Gott
damit ich die rechten Wege gehe

Wasche mich, Gott
mit deinem Wasser

Das genügt
um rein zu sein

 

FÜR EUCHHelene Renner

Für euch -
spricht Jesus:

Das ist mein Leib -
für euch

Das ist mein Blut -
für euch

Das ist meine Fußwaschung -
für euch

Das ist mein Gottesdienst -
für euch

Das ist meine Liebe -
für euch

Das ist meine Einsamkeit -
für euch

Das ist meine Angst -
für euch

Das ist mein Leiden -
für euch

Das ist mein Sterben -
für euch

Das ist mein Leben -
für euch

Das bin ich -
für euch

Helene Renner, Stillwerden und beten, Kommuniongedanken. Hrsg. Pastorale Dienste der Diözese St. Pölten. 2016.

BROT IN DEINER HAND

Heinrich A. Mertens

In der Jakobstraße in Paris liegt ein Bäckerladen; da kaufen viele hundert Menschen ihr Brot. Der Besitzer ist ein guter Bäcker. Aber nicht nur deshalb kaufen die Leute des Viertels dort gern ihr Brot. Noch mehr zieht sie der alte Bäcker an: der Vater des jungen Bäckers. Meistens ist nämlich der alte Bäcker im Laden und verkauft. Dieser alte Bäcker ist ein spaßiger Kerl. Manche sagen: Er hat einen Tick. Aber nur manche; die meisten sagen: Er ist weise, er ist menschenfreundlich. Einige sagen sogar: Er ist ein Prophet. Aber als ihm das erzählt wurde, knurrte er vor sich hin: "Dummerei..Der alte Bäcker weiß, dass man Brot nicht nur zum Sattessen brauchen kann, und gerade das gefallt den Leuten. Manche erfahren das erst beim Bäcker an der Jakobstraße, zum Beispiel der Autobusfahrer Gerard, der einmal zufällig in den Brotladen an der Jakobstraße kam. "Sie sehen bedrückt aus", sagte der alte Bäcker zum Omnibusfahrer. "Ich habe Angst um meine kleine Tochter", antwortete der Busfahrer Gerard. "Sie ist gestern aus dem Fenster gefallen, vom zweiten Stock."

"Wie alt?" fragte der alte Bäcker. "Vier Jahre", antwortete Gerard. Da nahm der alte Bäcker ein Stück vom Brot, das auf dem Ladentisch lag, brach zwei Bissen ab und gab das eine Stück dem Busfahrer Gerard. "Essen Sie mit mir", sagte der alte Bäcker zu Gerard, "ich will an Sie und Ihre kleine Tochter denken." Der Busfahrer Gerard hatte so etwas noch nie erlebt, aber er verstand sofort, was der alte Bäcker meinte, als er ihm das Brot in die Hand gab. Und sie aßen beide ihr Brotstück und schwiegen und dachten an das Kind im Krankenhaus.

Zuerst war der Busfahrer Gerard mit dem alten Bäcker allein. Dann kam eine Frau herein. Sie hatte auf dem nahen Markt zwei Tüten Milch geholt und wollte nun eben noch Brot kaufen. Bevor sie ihren Wunsch sagen konnte, gab ihr der alte Bäcker ein kleines Stück Weißbrot in die Hand und sagte: "Kommen Sie, essen Sie mit uns: Die Tochter dieses Herrn liegt schwer verletzt im Krankenhaus - sie ist aus dem Fenster gestürzt. Vier Jahre ist das Kind. Der Vater soll wissen, dass wir ihn nicht allein lassen."

Und die Frau nahm das Stückchen Brot und aß mit den beiden. So war es oft in dem Brotladen, in dem der alte Bäcker die Kunden bediente. Aber es passierte auch anderes, über das sich die Leute noch mehr wunderten. Da gab es zum Beispiel einmal die Geschichte mit Gaston: An einem frühen Morgen wurde die Ladentür aufgerissen und ein großer Kerl stürzte herein. Er lief vor jemandem fort: das sah man sofort, und da kam der offene Bäckerladen gerade recht. Er stürzte also herein, schlug die Tür hastig hinter sich zu und schob von innen den Riegel vor. "Was tun denn Sie da?" fragte der alte Bäcker. "Die Kunden wollen zu mir herein, um Brot zu kaufen. Machen Sie die Tür sofort wieder auf." Der junge Mann war ganz außer Atem. Und da erschien vor dem Laden auch schon ein Mann wie ein Schwergewichtsboxer, in der Hand eine Eisenstange. Als er im Laden den jungen Mann sah, wollte er auch hinein. Aber die Tür war verriegelt. "Er will mich erschlagen", keuchte der junge Mann. "Wer? Der?" fragte der Bäcker. "Mein Vater", schrie der Junge, und er zitterte am ganzen Leibe.

"Er will mich erschlagen. Er ist jähzornig. Er ist auf neunzig!" "Das lass mich nur machen", antwortete der alte Bäcker, ging zur Tür, schob den Riegel zurück und rief dem schweren Mann zu: "Guten Morgen, Gaston! Am frühen Morgen regst du dich schon so auf? Das ist ungesund. So kannst du nicht lange leben. Komm herein, Gaston! Aber benimm dich! Lass den Jungen in Ruh! In meinem Laden wird kein Mensch umgebracht."

Der Mann mit der Eisenstange trat ein. Seinen Sohn schaute er gar nicht an. Und er war viel zu erregt, um dem Bäcker antworten zu können. Er wischte sich mit der Hand über die feuchte Stirn und schloss die Augen. Da hörte er den Bäcker sagen: "Komm, Gaston, iss ein Stück Brot, das beruhigt. Und iss es zusammen mit deinem Sohn; das versöhnt. Ich will auch ein Stück Brot essen, um euch bei der Versöhnung zu helfen." Dabei gab er jedem ein Stück Weißbrot. Und Gaston nahm das Brot, auch sein Sohn nahm das Brot. Und als sie davon aßen, sahen sie einander an, und der alte Bäcker lächelte beiden zu. Als sie das Brot gegessen hatten, sagte Gaston: "Komm, Junge, wir müssen an die Arbeit!"

Heinrich A. Mertens in: Man lebt nur mit dem Herzen gut. Hrsg. Angelika Büchelin. Verlag am Eschbach im Schwabenverlag, Eschbach 2009.

 

JESUS, UNSER TROST UND LEBEN

Ernst Christoph Homburg

Jesus, unser Trost und Leben,
der dem Tode war ergeben,
der hat herrlich und mit Macht
Sieg und Leben wiederbracht:
Er ist aus des Todes Banden
als ein Siegsfürst auferstanden.
Halleluja, Halleluja.

Nunmehr liegt der Tod gebunden,
von dem Leben überwunden,
wir sind seiner Tyrannei,
seines Stachels quitt und frei.
Nunmehr steht der Himmel offen,
wahrer Friede ist getroffen.
Halleluja, Halleluja.

Alle Welt sich des erfreuet,
sich verjünget und verneuet,
alles, was lebt weit und breit,
leget an sein grünes Kleid.
Ja, das Meer vor Freuden wallet,
Berg und Tal weithin erschallet.
Halleluja, Halleluja.

Ernst Christoph Homburg (1659) in: EG 561.