HERR, BRICH EIN IN UNSER LEBEN

Heinz Pangels

HERR,
brich ein in unser Leben,
das geprägt ist von Angst und Ohnmacht,
von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit,
von Kälte und Hartherzigkeit.

HERR,
brich ein in unsere Welt
des Ständig-Leistung-erbringen-Müssens,
der gnadenlosen Konkurrenz,
des gierigen Strebens nach Gewinn.

HERR,
brich ein in unsere Welt
der verschobenen Werte:
Wir sind geneigt, zu verschwenden,
anstatt zu teilen.
Wir isolieren uns häufig,
anstatt solidarisch zu sein.
Uns liegt mehr daran, zu besitzen,
als etwas zu sein.

HERR,
brich uns Menschen auf,
brich unsere Herzen auf,
brich unsere Seelen auf,
bringe uns das Licht Deines Geistes,
damit wir dem Menschen
und dem Leben
wieder mehr Raum geben!

HERR,
komm DU zu uns herab,
denn in DIR ist
Hoffnung für eine bessere Welt,
Zuversicht in ein menschenwürdiges Leben
und Wärme für ein sinnvolles Menschsein.

 

Heinz Pangels nach einem Text eines unbekannten Autors aus dem Gebetsheft „IN IHM SEIN“ von Pfarrer Franz Haidinger, A 4802 Ebensee 2009.

 

VATER

Huub Oosterhuis

Du stelltest mich dir vor:
der Mensch, der ich sein werde,
wenn ich dein Wort vollbringe.

Du hast mich gekehrt
von dir ab,
nach jener Zukunft hin.
Deine Stimme in meinem Rücken:
»Ich werde sein mit dir.«

Und ich ging -
du legtest einen Pfad vor meine Füße.

Und ich wurde ich,
der dies denkt,
der dies sagt.

Und du, ohne dich umzusehen,
ohne Vorbehalt,
wurdest mein Vater.

Aus: Huub Oosterhuis, Um Recht und Frieden. Gebete im Jahreskreis. Patmos Verlag, Düsseldorf 1989.



 

DER MICH UMWIRBT

Huub Oosterhuis

Der mich umwirbt,
den ich hab abgewehrt,
solang es ging.

Der mich nicht zerrte,
nicht drängte, nur winkte
über die Schwelle.

Der den Schleier meiner Angst
nicht fortriss, nur aufhob.

Dessen Stimme allein
mich so berührte,
dass ich nachgab.

War von Gerüchten
über dich gelähmt.
Jetzt ohne Ängste
endlich
erwart ich dich.

Der mich umwirbt,
den ich hab abgewehrt,
solang es ging.

Aus: Huub Oosterhuis, Ich steh vor dir. Meditationen, Gebete und Lieder, herausgegeben von Cornelis Kok unter Mitarbeit von Birgitta Kasper-Heuermann und Annette Rothenberg-Joerges. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2004.

WIE EINE MUTTER SORGT

Huub Oosterhuis

Wie eine Mutter sorgt
für Kinder, die ihr anvertraut,
und einsteht, dass sie leben:
So wirkt ein Gott der Liebe, keine Stund
verlässt er uns.
Nicht mehr verstummt das Wort,
das er uns hat gegeben.

Es nimmt uns bei der Hand,
das Wort, geduldig führt es uns
aus Angstland weg zur Freiheit.
So trocken, heiß, so unbegehbar schräg -
so hoch der Weg -
zwing mich nicht, ihn zu gehen,
wenn nicht du selbst mir nah bleibst.

Ein Wasserfall von Licht,
von Freude und bewährter Hoffnung,
Einsicht und Vertrauen:
So kommst du über Menschen, und dein Wort
treibt mich nun fort.
Noch weiß ich nichts von dir,
einst werde ich dich schauen.

 

 

 

MEIN TRAUM VOM „GELADEN-SEIN“

Beatrix Senft

wenn ich einst geladen werde
geladen werde
aus diesem irdischen Leben
in die sichtbare Nähe Gottes

dann

werde ich bei IHM willkommen sein
mit allem
was mein irdisches Leben
ausgemacht hat

und

ER
wird mir noch einmal
das lebendige Wasser
der Taufe hinstellen
und
mir abwaschen allen Staub
des irdischen Lebens
und
wird mich neu kleiden
in mein Taufkleid

und

ER
wird mich empfangen
mir freudig entgegenkommen

und

ich werde IHM ganz nahe sein
denn
es wird keine Rangordnung mehr geben

wir werden
IHM –
als sein Geschenk an jeden Einzelnen –
einfach nahe sein dürfen

es wird nicht mehr wichtig sein
welchen Rang
welchen Titel
ich im irdischen Leben führte
auch nicht
was ich besessen habe

dort werde ich nur noch sein
als sein geliebtes Kind
das zum liebenden Vater heimgekehrt ist

so also will ich sammeln
die kleinen Achtsamkeiten der Nächstenliebe
damit ich sie ihm als Geschenk hinhalten kann
und sagen kann
„Vater, du schicktest mich 'sammeln';
viel ist es nicht,
aber ich habe mich gemüht.“

und

ER
wird sie entgegennehmen
wie einen großen Schatz
und
sich daran erfreuen

und wir alle werden uns freuen
ganz ohne Platz- und Machtkamp
IHM
einfach ganz nahe zu sein

das wird ein Fest sein.

 

Beatrix Senft (2022)



 

 

MARIÄ HIMMELFAHRT

Elke Uhl

Maria, die Gott aufnimmt.
Gott nimmt Maria auf
in den Himmel, in sein Reich, bei sich.
Er nimmt Maria zu sich.
Ganz und gar.
Mit Leib und Seele.
 
Maria, die Gott aufnimmt.
Und warum?
Gott hat Maria von Anfang an,
angenommen, aufgenommen
in seinen Heilsplan.
Das nahende, beginnende Reich Gottes auf Erden.
 
Maria, die Gott aufnimmt.
Beginn der neuen Schöpfung.
Maria als neue Eva.
Rein und makellos.
Frei von Sünde.
Ohne die Sünde Evas und Adams.
 
Maria, die Gott aufnimmt.
Sie gehört ganz Gott.
Mit Leib und Seele.
„Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben..“ (Lk 1,53)
Maria lässt Gott in ihr Leben.
„Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38)
Sie lässt Gott in ihrem Leben wirken und wirklich werden.
Sie sagt Ja zu Gott, zu Jesus.
Ja mit Leib und Seele.
Zu Jesus, zu seinem Leben und unter dem Kreuz.
Sie vertraut seinem Wort, seiner Verheißung.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ (Joh 11,25)
 
Maria, die Gott aufnimmt.
Gott nimmt Maria auf.
Mit Leib und Seele.
 
 Aber was hat das mit mir, mit dir, mit uns zu tun?
 
In der Taufe nimmt Gott mich an
als sein Kind.
Er gibt mir Anteil an seinem Reich, an sich, an Jesus.
Er befreit mich von Sünde.
Auch von der Sünde Adams und Evas.
Aber ich bleibe nicht frei von Sünde.
Falle zurück in alte Muster.
In die Fallstricke von Schuld und Sünde.
 
Will ich mich von Jesus beschenken lassen?
Von seiner versöhnenden, verzeihenden Liebe.
Hungert es mich nach seiner Liebe?
Nach ihm.
Ganz und gar.
Mit Leib und Seele.
 
Will ich ihn wirken lassen?
Wirksam werden lassen.
Ihn wirklich werden lassen in meinem Leben und in mir.
 
„Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5)
„Dies ist mein geliebter Sohn, … auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt 17,5)
Will ich auf Jesus hören?
Ihm gehören.
Mit Leib und Seele.
Und auf ihn vertrauen.
Ihm vertrauen.
Dass er mich am Ende aufnimmt.
Bei und in sich.
Mit Leib und Seele.

 

Elke Uhl 2022

 

MAGNIFIKAT HEUTE

Dorothee Sölle

Es steht geschrieben, dass maria sagte,
meine seele erhebt den herren
und mein geist freut sich gottes meines heilands
denn er hat die niedrigkeit seiner magd angesehen
seihe von nun an werden mich selig preisen alle kindeskinder

Heute sagen wir das so
meine seele sieht das land der freiheit
und mein geist wird aus der verängstigung herauskommen
die leeren gesichter der frauen werden mit leben erfüllt
und wir werden menschen werden
von generationen vor uns den geopferten erwartet

Es steht geschrieben dass maria sagte
denn er hat große dinge an mir getan der da mächtig ist
und dessen namen heilig ist
und seine barmherzigkeit währt von geschlecht zu geschlecht

Heute sagen wir das so
die große veränderung die an uns und durch uns geschieht
wird mit allen geschehen - oder sie bleibt aus
barmherzigkeit wird geübt werden wenn die abhängigen
das vertane leben aufgeben können
und lernen selber zu leben.

Es steht geschrieben dass maria sagte
er übt macht mit seinem arm und zerstreut die hochmütigen
er stürzt die gewalttätigen von ihren thronen
und die getretenen richtet er auf

Heute sagen wir das so
wir werden unsere besitzer enteignen und über die
die das weibliche wesen kennen werden wir zu lachen kriegen
die herrschaft der männchen über die weibchen wird ein ende nehmen
aus objekten werden subjekte werden
sie gewinnen ihr eigenes besseres recht

Es steht geschrieben dass maria sagte
hungrige hat er mit gütern gefüllt
und die reichen leer hinweggeschickt
er denkt der barmherzigkeit und hat sich
israels seines knechts angenommen

Heute sagen wir das so
frauen werden zum mond fahren und in den parlamenten entscheiden
ihre wünsche nach selbstbestimmung werden in erfüllung gehen
und die such nach herrschaft wird leer bleiben
ihre ängste werden gegenstandslos werden
und die ausbeutung ein ende haben.

Aus Dorothee Sölle, Die revolutionäre Geduld, Berlin 1974.

 

ZUM TODE EINES FREUNDES

unbekannte Herkunft

das beste,
was wir tun können,
wir können uns in erinnerung rufen,
dass wir ihn hatten:
seine hoffnung und kraft,
seine güte und liebe,
seine freude und sehnsucht.

das beste,
was wir tun können,
wir können fortsetzen,
was er angestrebt hat:
aufnehmen, was er uns hinterlassen hat;
weitergeben, was wir an ihm hatten;
kämpfen für das, was ihm kostbar war.

das beste,
was wir tun können,
wir können hoffen,
für ihn und für uns:
dass nichts vergeblich war,
weder sein tun noch sein hoffen;
dass gott ihm treu ist;
dass gott uns allen nahe ist,
er, der gott der lebenden.

Aus: Mitten im Tag, Junge Menschen suchen, fragen beten. Gebetsbuch für Jugendliche und junge Erwachsene. Hildesheim, 1982.



 

DIE ERNÄHRUNGSSTÖRUNGEN NEHMEN ZU

Dorothee Sölle

Eine flasche cola enthält mehr zucker
als meine großmutter im monat zu sich nahm
            die übersättigung unter der wir leiden wird aufgebaut
            um den hunger nach speise umzubauen
            in das bedürfnis nach etwas besonderem
nicht hungrig und nicht satt
stecke ich etwas in mich hinein

Eine tageszeitung enthält mehr halblügen
als meine großmutter im monat zu sich nahm
            die übersättigung mit unglück
            an dem wir eh nichts ändern können
            wird aufgebaut um den hunger nach gerechtigkeit umzubauen
            in das bedürfnis nach etwas besonderem
nicht traurig und nicht erfreut
lese ich etwas in mich hinein

Ein satz aus dem morgenprogramm enthält mehr geschwätz
als meine großmutter im monat zu sich nahm
            die übersättigung an einer sprache die nichts sagt
            wird aufgebaut um die teilnahme zugrundezurichten
            und unsern wunsch mit worten jemanden zu berühren
            lächerlich zu machen
nicht ernst und nicht spielend
rede ich etwas aus mir heraus

In diesen zeiten ein mensch zu werden
ist etwa so möglich wie
daß ein kamel durch ein nadelöhr geht

dorothee sölle, spiel doch von brot und rosen. gedichte. Wolfgang Fietkau Verlag, Berlin 1998.

EUCHARISTEIN ODER DANKSAGEN

Wolfgang Dettenkofer

Die Erde ist herrlich, geschenkt ist uns Frieden.
Wir haben zu essen, Heimat wird uns durch euch.
Und da sollten wir nicht jubeln in Dankbarkeit?

Wir feiern den Sonntag, das Hasten hat Pause.
Wir gehören euch gänzlich, uns trägt, dass ihr da seid.
Und da dürften wir nicht feiern und dankbar sein?

Wir sind doch Geliebte, Söhne und Töchter des nahen
und freundlichen Gottes. Er geht unseren Weg mit!
Und da wollt ihr nicht tanzen vor Freude und Dank?

Er hauchte uns Geist zu, macht alles lebendig.
Sein Feuer durchglüht uns, wir leben und lieben.
Sollte das niemand merken, wären wir noch die Seinen?

Wir denken an Jesus, den Sohn der Maria.
Wir wollen bedenken, was er uns gesagt hat.
Gibt er sich als Brot uns, macht trunken von Freude?

Geschlachtet wird nimmer, gesiegelt nicht mehr mit Blut!
Wer immer setzt sein Leben ein, wird diesem Christus zugehörn.
Dankt ihr für den Bundesschluss, für diese Abgrundgnadenzeit?

Wir feiern das Leben, die Zeit unsres Daseins
entgrenzt sich nach oben. Angst hat da nicht Raum mehr.
Blüht in uns die Hoffnung, trägt Frucht schon der Dank?

Wolfgang Dettenkofer, vertont von Christine Klinger.

Wolfgang Dettenkofer, ehem. Berufsschulreligionslehrer, Eisenbartlingerweg 2, D-83093 Bad Endorf, e-mail: hwdkha@t-online.de.

 


FEUER UND FLAMME

Beatrix Senft

In einer Zeit in der so viele FEUER brennen
und
Menschen und Umwelt
innerlich und äußerlich zerstören

soll ICH –
ja ICH

die kleine Flamme der Hoffnung
von Liebe und Mitgefühl
von Anteilnahme
und
verzeihendem Neubeginn
hüten und nähren

damit ein Gegen-Feuer
die schlimmen Feuer
der Verwüstung erstickt???

wer bin ich
dass ich das vermag
habe ich nicht
genug damit zu tun
meine kleine Flamme
von Glauben und Hoffen
für mich
„am Brennen“ zu halten

und dann
erfahre ich

im Unterwegssein
in den Aufgaben
die mir gerade anvertraut sind

Momente

in denen mein Lächeln
meine Hand auf der Schulter eines alten Menschen
in einer Anfrage
oder
in einem rechten Wort
auch im gemeinsamen Schweigen können mit Trauernden
auch darin –
keine schnelle Lösung anbieten zu „müssen“

ja dass in diesen Momenten
die mir
und
meinem Gegenüber
geschenkt sind

ein kleines Leuchten aufflammt –
eine kleine Flamme der Hoffnung
in den Augen und Herzen
Kraft bekommt

und

dann sind es schon zwei
die dieses „Gegenfeuer“ setzen

und

manchmal darf ich spüren
da geht einer mit
der setzt meine Worte
der setzt meine Schritte

von IHM
lasse ich mich führen
mit IHM
gehe ich gerne mit

mit meiner kleinen Flamme
die so oft zu verlöschen droht

 

Beatrix Senft (2022)



 

 

 

Glauben?

 

 Ich glaube – sagte ich zu einem Freund!

 Halt! Warum glaubst du eigentlich?

 

Weil andere dich im Glauben erzogen haben?

 Weil du es in der Schule so gelernt hast?

 Weil das hier zu Lande noch so üblich ist?

 Weil die Glaubenden scheinbar noch die Mehrheit haben?

 Weil du dir über deinen Glauben nicht allzu viele Gedanken machst?

 Da antwortete ich: Du sollst wissen, warum ich glaube:

 Ich glaube, weil ich nicht glauben kann, dass immer nur Lüge und Gewalt das letzte Wort haben,

dass Menschen in Unfrieden gegeneinander leben müssen, dass letztlich alles sinnlos ist.

 

Deswegen glaube ich, weil ich nicht glaube, dass alles Zufall ist.

 Weil ich glaube, dass mich die Liebe am Leben hält.

 Weil ich glaube, dass es Einen gibt, der den Sinn von allem kennt.

 Deswegen glaube ich. Und das ist schön, wenn ich deswegen glauben kann.

 Dann glauben wir gemeinsam, dass Jesus von Gott gekommen ist, um zu zeigen, dass die Liebe stärker ist als der Tod, dass das Leben über den Unglauben siegt, dass so das Reich Gottes entsteht.

 

 

WIR BITTEN DICH FÜR ALLE MENSCHEN

Huub Oosterhuis

Wir bitten dich für alle Menschen,
die mit uns leben
unter demselben Himmel,
für die Mitbewohner unserer Stadt,
unseres Hauses,
für unsere Nachbarn und Bekannten,
für unsere guten Freunde.
Und wir versuchen auch zu bitten, Gott,
für alle, denen wir aus dem Weg gehen,
die uns fremd sind,
die wir nicht lieben können.

Huub Oosterhuis in: Karl Heinz Bierlein (Hrsg); Wenn Worte fehlen. Gebete. Claudius Verlag München, 1989.



 

MIT AUSGEBREITETEN ARMEN

Beatrix Senft

mit ausgebreiteten Armen
kommst du uns
Gott
entgegen

entgegen
mit einer Liebe
die noch viel mehr ist
als väterliche
oder mütterliche Liebe

denn DU bist die LIEBE

in deinen Armen
dürfen wir uns bergen
mit aller Freude
mit allem Schmerz
mit unseren Erfolgen
und Misserfolgen
mit unserem Versagen
das auch Schuld kennt

deine Arme fangen uns auf
bergen uns
trösten uns
Freude teilend
verstehend
verzeihend
Hoffnung schenkend

ich lasse mich
in deine Arme fallen

„Vater, hier bin ich,
ich, dein Kind.“

 

Beatrix Senft (2022)

 

    • GEGENSÄTZE?

      Beatrix Senft

      Martha
      sich sorgend
      dass alles weitergeht
      in Haus und Hof und Garten
      dass es läuft
      das Leben der Lieben

      das heißt fürsorglich –
      auch gastfreundlich – sein
      alles im Blick haben

      im Privaten und Dienstlichen
      ALLES IM GRIFF
      gerade in der heutigen Zeit
      heißt das oft
      Doppelbelastung

      alles im Griff
      alles im Blick
      auch mich???

      manche „Martha“ –
      auch mancher „Martin“ –
      mögen daran zweifeln

      wie ganz anders Maria
      sie entzieht sich
      dem „Trubel“ des Lebens
      setzt sich zu Jesu Füssen
      um ganz Ohr zu sein
      ganz zu verinnerlichen
      was er sagt
      und wird gelobt
      „Sie hat den guten Teil gewählt.“

      hat sie den besseren Teil gewählt???
      hat sie die gesamt Lehre Jesu verstanden???

      ich glaube
      die besten Zugänge zum „Leben“
      zu uns selbst
      und
      zu Gott
      können wir finden
      und
      sinn-erfüllt leben
      wenn wir dem Hl. Benedikt folgen

      ORA ET LABORA – bete und arbeite

      beten – das heißt:
      Sinnfindung –
      über das Weltliche hinaus
      besinnen
      auf das Wesentliche
      hören
      was mir zugesprochen wird
      Rückzug
      aus der Betriebsamkeit der Welt

      um bei mir selbst
      und
      bei Gott
      anzukommen

      beten
      innerhalten
      rück-besinnen
      in den ganz unterschiedlichen Formen
      und Zugängen

      um dann

      mein Arbeiten
      aus einem guten Blickwinkel
      sehen zu können
      ohne mich selbst zu verlieren
      ohne mich selbst zu überfordern

      dann können beide „Seelen“
      sich zu einem Guten verbinden

      Marias und Marthas

      bei jeder Frau –
      bei jedem Mann

      ORA ET LABORA
      bietet auch unserer Zeit
      eine gute Chance

      nutzen wir sie!?

       

      Beatrix Senft (2022)

    • 1

    Helene Renner (2019)

    Gott begleite uns mit seinem Segen.
    Er mache uns frei von allem „du musst“ und „man tut“,
    frei von einengenden Erwartungen anderer.

    Er gebe uns Mut, den eigenen Weg zu gehen.
    Er behüte uns,
    so dass wir uns nie verlassen fühlen
    und hilflos den Umständen ausgesetzt.

    Offene Augen und Ohren schenke uns Gott,
    dass wir seine Wunder jeden Tag erkennen
    in all den unscheinbaren Dingen des Alltags.

    Frieden gebe er uns
    und ein Lächeln für jeden Tag.
    Wenn wir uns selbst zu ernst nehmen,
    schenke er uns ein großes Lachen.

    Herausforderungen, die uns anregen,
    funkelnde Gedanken,
    starke Gefühle und genügend Ruhe
    schenke er uns.

    Jede Stunde, jeden Tag
    möge er uns segnend nahe sein.

    (nach einem alten irischen Segensgebet)

                                                                                               Beatrix Senft (2022)

    Gott,
    der um alles weiß, was uns ausmacht,
    segne uns
    in unserer Geschäftigkeit und
    in unseren Ruhephasen.

    Er segne uns,
    wenn unsere Sinne blockiert sind
    und wenn wir mit allen Sinnen auf Empfang sind.

    Er segne uns in unseren verhaltenen Schritten
    und in den zielgerichteten.

    So segne uns der Gott,
    den wir zu fassen versuchen
    als den Vater und den Sohn und den Hl. Geist.
    Amen.

     

     

     

    EINZIGARTIGE

    Beatrix Senft

    Manchmal brauchen wir diese Auszeit des Lebens,
    um wieder einen Blick für uns selbst und für andere zu bekommen.
    Manchmal können es Kleinigkeiten sein, die uns dazu anregen.
    Der folgende Text malt uns hierzu ein Bild von Sonne, Meer und mehr.


    Einzigartige

    Muscheln, mit der Faszination der vielfältigen Farbenpracht.
    Muscheln, mit der Faszination der vielfältigen Formen.
    Muscheln, mit der Faszination der vielfältigen Strukturen.

    Muscheln, geprägt durch ihre Art.
    Muscheln, geschliffen durch den Rhythmus und Unmut der Gezeiten.
    Muscheln, ausgesetzt der Fülle und dem Mangel, von uns genannt Ebbe und Flut.

    Muschel, die das Leben bargen.
    Muscheln, angespült durch das Spiel der Wellen.
    Muscheln, jetzt leer und hohl.

    Du, Muschel in meiner Hand.
    Du, Muschel – Einzigartige.
    Du, Muschel, die du mich anregst dich zu betrachten.
    Du, Muschel, die ich dich phantastisch finde –
                auch jetzt noch, obwohl ich nur deine Hülle sehe –
    nicht dein Leben.

    Indem ich dich betrachte, du kleine Muschel,
    wächst in mir der Mut, auch mich zu betrachten.
    Mich zu betrachten, indem ich in den Spiegel schaue.
    Mich zu betrachten, indem ich versuche in mein Inneres zu schauen.

    Du, kleine Muschel!
    Mein Leben findet sich wieder in deinem Leben.
    Auch mir ist mitgegeben Farbenpracht, Form und Struktur.
    Auch ich bin geschliffen worden vom Rhythmus und Unmut des Lebens.
    Auch ich erlebe Fülle und Mangel.
    Auch in mir birgt sich Leben.
    Auch in mir gibt es Zeiten der Leere.

    Du, kleine Muschel!
    Indem ich uns betrachte, kommt die Erkenntnis:
                Wir sind beide einzigartig.
    Und die vielen anderen Muscheln um mich herum.
                Alle einzigartig.

    So sind wir alle hineingegeben in das große Ganze- in die Schöpfung.
                Alle einzigartig – Geschenke des Himmels.

    Du, Muschel in meiner Hand!
                Ich will dich umschließen als einen wertvollen Schatz.
                Wann immer ich dich sehe oder fühle,
                erinnere mich daran, dass alles einzigartig ist.
                Einzigartig sein kann und darf,
                weil ein Schöpfer, den wir Gott nennen,
                alles so wichtig nimmt,
                dass es einzigartig sein darf,
                alles so wichtig nimmt,
                dass es einzigartig ist.

     

    Beatrix Senft (2022)

     

     

     

     

    BEHÜTE UNSERE LIEBE

    Guido Erbrich

    vor Lieblosigkeit und Egoismus
    behüte sie vor Eifersucht
    und Vertrauensbruch,
    lass und darüber klar werden,
    ob wir für immer
    zusammenbleiben wollen,
    sei du in unserer Mitte.

    Guido Erbrich, Zum Beispiel: du. Gebete für junge Menschen; Leipzig, St. Benno Verlag, 2002.

     
  • GOTT SEGNE MEINE HÄNDE

    Herkunft unbekannt

    Gott, segne meine Hände,
    dass sie behutsam seien,
    dass sie halten können, ohne zur Fessel zu
    werden,
    dass sie geben können ohne Berechnung,
    dass ihnen innewohne die Kraft zu trösten und
    zu segnen.

    Gott, segne meine Augen,
    dass sie Bedürftigkeit wahrnehmen,
    dass sie das Unscheinbare nicht übersehen,
    dass sie hindurch schauen durch das
    Vordergründige,
    dass andere sich wohl fühlen können unter
    meinem Blick.

    Gott, segne meine Ohren,
    dass sie deine Stimme zu erhorchen vermögen,
    dass sie hellhörig seien für die Stimme der Not,
    dass sie verschlossen seien für den Lärm und das
    Geschwätz,
    dass sie das Unbequeme nicht überhören.

    Gott, segne meinen Mund,
    dass er dich bezeuge,
    dass nichts von ihm ausgehe, was verletzt und
    zerstört,
    dass er heilende Worte spreche,
    dass er Anvertrautes bewahre.

    Gott, segne mein Herz,
    dass es Wohnstatt sei deinem Geist,
    dass es Wärme schenken und bergen kann,
    dass es reich sei an Verzeihung,
    dass es Leid und Freude teilen kann.

    Quelle unbekannt

  • AUF DASS MAN DIE CHRISTEN ERKENNE

    Leon-Joseph Suenens

    Herr, ich brauche deine Augen,
    gib mir einen lebendigen Glauben.

    Ich brauch dein Herz,
    gib mir in allen Situationen Liebe zum Nächsten.

    Ich brauche deinen Atem,
    gib mir deine Hoffnung
    für mich selbst und deine Kirche,

    auf dass sie Zeugnis ablege für die Welt,
    auf dass man die Christen erkenne
    an ihrem strahlenden, heiteren Blick,
    an der Wärme ihres Herzens
    und an diesem unüberwindlichen Glauben,
    der sich aus den heimlichen, unversiegbaren Quellen
    ihrer fröhlichen Hoffnung nährt.

     

    Leon-Joseph Suenens, Bischof von Brüssel. In: Minuten am Morgen, Texte und Gebete zum Schulbeginn, 2. Auflage 2004.

  • LEIB UND SEELE

    Mutter Emanuela von Kairo

    „Vielleicht täusche ich mich, aber vor meinem Gewissen glaube ich, sie umsonst lieben zu müssen und nicht zu versuchen, sie dank meiner Dienste für meine Religion zu gewinnen. Nach meiner Auffassung ist meine Rolle, Christus nachzufolgen, indem ich bis ans Ende liebe, bis zum Tod, wenn es notwendig ist. Junge Moslems sind zu mir gekommen, um sich taufen zu lassen. Ich habe es abgelehnt.
    Sie waren noch nicht zwanzig Jahre alt. Ich sagte ihnen: Ihr wisst nicht, auf welche Schwierigkeiten ihr euch einlasst. Beendet euer Studium, seid gut mit eurer Familie, helft den Armen und Leidenden, betet... und kommt in zwei oder drei Jahren wieder zu mir."
    Ein Reporter fragte sie: „Warum haben Sie sie nicht ermutigt?" „Weil ich in den Moslemländern, die ich kennenlernte, zahlreiche Fälle junger Konvertiten gesehen habe. Sie stellen eine winzige Minderheit dar. Es ist zu schwer, am Ende versagen sie. Wenn ich die Menschen lehre, einander zu lieben, führe ich sie ins Herz des Christentums."

     

    Aus: Mutter Emanuela von Kairo, Der Ort, zu dem mich Gott geführt. Mein Leben mit den Menschen im Müll. Herder Verlag 1984.

    ZUVORKOMMEND SEIN

    Mutter Teresa

    Zuvorkommenheit den anderen gegenüber ist der Anfang der Heiligkeit.
    Wenn ihr es lernt, zuvorkommend zu sein, werdet ihr Christus immer ähnlicher werden, der im Herzen freundlich war und sich immer den Nöten der anderen zuwandte.

    Wenn wir beten, werden wir zu einem Strahl der Liebe Gottes: bei uns zu Hause, dort, wo wir leben, und schließlich für die ganze große Welt.

     

    Mutter Teresa

                                                                                                                                                     Helene Renner (2022)

Immer wieder spüre ich
dass ich zwei Seiten habe

Eine, die sich für das Gute einsetzt
und eine, die das tut, was ich eigentlich gar nicht tun will

Eine Seite, die für andere da sein möchte
und eine andere, die nur an sich denkt

Eine Seite, die sich bemüht zu sein, wie sie sein sollte
und eine andere, die nicht aus ihrer Haut heraus kann

Eine Seite, die sagt: du bist in Ordnung
und eine andere, die sagt: du bist unmöglich

Eine Seite, die Gottes Wort annehmen möchte
und eine andere, die sich davon überfordert fühlt

Mit meinen beiden Seiten wende ich mich dir, mein Gott, zu
ich wende mich dir zu
mit meinem Unvermögen und meinen Grenzen
mit meinen Ängsten und Bedenken
mit meiner Hoffnung und mit meinem guten Willen

Ich wende mich dir zu
und nehme die Herausforderung an

Ich will deine Anliegen zu meinen machen
deine Einstellung zu meiner Einstellung
dann kannst du
durch mich
die Welt verändern

VERGEBEN

                                                                                                                                        Beatrix Senft

Worte
die fangen –
wie: “ich liebe dich“ –
wer hätte sie nicht gerne
auch für sich

Worte
die verletzten –
die gegeneinander hetzen –
die zerreißen –
die verhindern jedes Zusammenschweißen –
die will keiner für sich –
heute und auch morgen nicht

Worte auf Worte
es entsteht eine Mauer –
auf beiden Seiten: Verletzung und Trauer

und dann –
als Geschenk –

ein AUGEN–BLICK
es kehrt eine kleine Bereitschaft zurück –

vielleicht nicht der große Frieden –
oder ab jetzt: „wir wollen uns lieben“ –

doch von der großen 490er Zahl
dieses eine Mal:

„Ich achte dein Leben
und will dir vergeben!“

Beatrix Senft, 2022



HASS KANN DEN HASS NICHT VERTREIBEN

Martin Luther King

Die größte Schwäche der Gewalt liegt darin, daß sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu verringern, vermehrt sie es.
Durch Gewalt kann man den Lügner ermorden; aber man kenn weder die Lüge ermorden noch die Wahrheit aufrichten. Durch Gewalt kann man den Hasser ermorden, aber man tötet den Haß nicht.
Gewalt verstärkt nur den Haß. Das ist der Lauf der Dinge. Gewalt mit Gewalt zu vergelten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht. Haß kann den Haß nicht vertreiben; das kann nur die Liebe.

Martin Luther King



Lass mich nicht ruhig werden
solange Menschen ums tägliche Brot bitten und verhungern;
solange Menschen um Waffenruhe bitten und von Bomben, Napalm und Vertreibung bedroht sind;
solange farbige Menschen um das gleiche Recht zum Leben bitten und mit leeren Versprechungen und Beruhigungsreden abgespeist werden;
solange Kriegsgefangene um Befreiung bitten und keine Aussicht auf Frieden ist;
solange die Kirchen nach Gerechtigkeit und Liebe gefragt werden und selbst untereinander zerstritten sind;
solange Menschen um gute Heimkehr bitten und die Zahl der Unfalltoten und Verletzten auf den Straßen steigt;
solange Menschen auf menschenwürdige Wohnungen warten und Profitgier aus ihrer Not Gewinn schlägt.

Aus: A. Pereira, Jugend mit Gott. Gedanken und Gebete, Kevelaer, 2. Auflage 1971

 

WEN JESUS RUFT

Beatrix Senft

Wo sollte er nur hin, bei diesem Sauwetter.
Unterschlupf zu finden wurde immer schwieriger.
Nirgends wurde er geduldet;
er, der stadtbekannte „Penner“, der Versager, der…
Seinen Namen kannten sie nicht,
aber sie gaben ihm viele Namen – unschöne Namen.

Als er es nicht mehr aushalten konnte,
da blieb nichts mehr,
er wagte es einfach und öffnete die Kirchentür.
"Wenn schon, denn schon", dachte er
und ging bis zur ersten Bank und setzte sich.
Sofort spürte er die bohrenden Blicke der drei betenden Menschen in seinem Rücken.

So harrte er einige Zeit aus.

Mit einem Mal nahm er einen Mann in Wanderkleidung wahr.
Dieser ging ruhigen Schrittes durch die Kirche
und schaute sie sich in Ruhe an.

Dann begegneten sich ihre Augen
und der Wanderer trat auf ihn zu.
„Beeindruckende Kirche“, sagte er
und blieb vor dem Mann stehen.
„Ja“, antwortete dieser.
„Aber eigentlich bin ich hier, um mich etwas aufzuwärmen.
Habe mit dem hier“
- er deutete mit den Armen einmal durch den Kirchenraum,
„nicht viel am Hut.
Zuviel enttäuscht worden“,
meinte er knapp.

Sie schwiegen beide einen kurzen Moment.

„Spüre auch,
ich bin hier nicht erwünscht.“

Der Wanderer nickte.
„Ja“, meinte er,
„alles wirklich schön,
aber auch in Stein gemauert,
festgefahren, traditionell und unbeweglich.
Ob hier wirkliches Miteinander gelebt wird? –
Ich meine, so, dass einer vom anderen weiß?“

Beide schwiegen wieder.

„Bist wohl auch viel unterwegs?“ fragte der „Penner“.
„Ja, bin auf der Wanderschaft,
um von der Liebe meines Vaters zu allen Menschen zu erzählen.
Ich meine, von seiner bedingungslosen Liebe
– die allen gilt, besonders den Bedürftigen.
Viele halten mich für einen Spinner.“

Wieder entstand ein Schweigen.
– Ein gutes Schweigen.

„Meinst du, ich könnte dich ein Stück begleiten?“,
fragte der Mann den Wanderer.
„Weißt du, ich bin nämlich auf der Suche nach dem Ort,
an dem ich mich bergen kann.“

„Das würde mich sehr freuen“,
antwortete der Wanderer.

„Verrätst du mir deinen Namen?“

„Ja, gerne. Mein Name ist Jesus
– und wie heißt du?“

„Hannes nennen mich alle.
Doch eigentlich Johannes.“

„Ach, das trifft sich gut,
den Namen kann ich mir gut merken.
Einer meiner engsten Wegbegleiter heißt auch so.
Er ist so treu wie Gold, auch in schwersten Zeiten.“

Beide schauen sich wieder in die Augen.

„Stört es dich nicht - rieche etwas streng.“
„Ach, weißt du, als ich meine ersten Weggefährten fand, waren sie Fischer.
Sie rochen nach Fisch und Schweiß,
hatten Schwielen an ihren Händen
und trugen abgerissene Arbeitskleidung.
- War schon gewöhnungsbedürftig.
Aber ich spürte,
genau sie, so wie sie sind, bedarf ich,
meine Botschaft zu verkünden.“

Nochmal entstand Schweigen.

Dann sagte Jesus:
„Komm, wir gehen und suchen den Ort,
an dem man dich und mich ernst nimmt.“

Ob sie ihn finden - diesen Ort???

Beatrix Senft, 2022.

VERGEBEN ODER VERWAHREN?

diepresse.com

Seit Ratzingers Zeit als Bischof hat sich vieles verbessert, nicht nur in der Kirche. Aber in einem wichtigen Punkt sind wir – als ganze Gesellschaft – noch eher ratlos.

Es ist verständlich, dass sich die Medien auf die vier Missbrauchsfälle konzentrieren, bei denen ein Gutachten dem späteren Papst Benedikt ein nicht adäquates Vorgehen als Bischof vor 40 Jahren vorwirft. Es ist auch wichtig und richtig, Verantwortung einzumahnen. Auch wenn offenbleibt, wie zutreffend eine Auswertung oft recht dürrer Akten nach Jahrzehnten überhaupt sein kann. Man stelle sich ein Gutachten vor, dass im Jahr 2064 untersucht, wer bei unserer Pandemiebekämpfung versagt hat.

Und wie viel Erzbischof Ratzinger wusste oder nicht – die Verantwortung für eine inadäquat handelnde Institution hatte er in jedem Fall. Wie so viele Bischöfe, Landesschuldirektoren, Heimleiter, Sportfunktionäre, Vereinspräsidenten usw. seiner Zeit. Missbrauch sah man weithin viel zu harmlos, auch im aktuellen Gutachten liest man das: Da befürwortet eine bayerische Schulbehörde den Einsatz eines verurteilten Täters, wenn auch nur in der Privatschule. Eine Pfarrgemeinde hat die Hauptsorge, dass der Pfarrer ihre Buben zu Homosexuellen „verderben“ könnte. Immer fehlt das Bewusstsein, dass Betroffene traumatisierte Opfer sein können.

Die relevante Frage scheint mir zu sein: Haben wir seitdem gelernt, dem Leid der Betroffenen gerecht zu werden? Und: Was können wir noch tun, um Missbrauch zu verhindern? Viel ist geschehen: Enttabuisierung und Transparenz, empathisches Hören auf Betroffene, Ombudsstellen, Präventionsbeauftragte, Klasnic-Kommission . . . Und doch bleiben noch Hausaufgaben. Etwa, dass wir – alle miteinander – immer noch nicht wissen, wie wir mit Tätern nach verbüßter Strafe umgehen sollen.

Der Kirche könnte dabei ein Disziplinarrecht helfen, wie es Ärzte oder Anwälte haben, das den weiteren Einsatz (oder Nichteinsatz) regelt. Das kirchliche Strafrecht ist ja immer noch fast ausschließlich ein Beugerecht: Es zielt darauf ab, dass jemand ein unrechtes Tun beendet (für Vergeltung von Unrecht ist, auch für Priester, das staatliche Strafrecht da). Eine abgeschlossene und bereute Tat ist also so, als hätte sie nie stattgefunden. Das ist christliche Vergebung – aber kein Modell für den Personaleinsatz.

Letztlich hat aber die ganze Gesellschaft das Problem, dass das Recht auf einen Neuanfang im Konflikt mit der Rückfallsgefährlichkeit von Sexualstraftätern steht. Zwischen einer naiven Hoffnung auf das reine Herz des geläuterten Täters und dem Ruf nach Wegsperren auf immer gibt es noch keine allgemein anerkannte Lösung. Sie zu finden wäre wichtiger als die Frage, ob auch Ratzinger damit überfordert war.

Der Autor war stv. Chefredakteur der „Presse“ und ist nun Kommunikationschef der Erzdiözese Wien.

 

Michael Prüller in der Tageszeitung Die Presse am 22.01.2022.

PETRUS

unbekannte Herkunft

Es gibt einen
fischenden Petrus

Es gibt einen
nochfolgenden Petrus

Es gibt einen
zweifelnden Petrus

Es gibt einen
sinkenden Petrus

Es gibt einen
leugnenden Petrus

Es gibt einen
zuschlagenden Petrus

und dieser Petrus
ist Fels für die Kirche

H. Gub in: elemente, Würzburg 1991.

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Rat für Nachhhaltige Entwicklung; Jugend schreibt

Nachhaltige Entwicklung ist die Balance zwischen GEBEN und NEHMEN!

Dieses Gleichgewicht sollte in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Verhältnis zur Natur und all ihren Lebewesen sowie in allen politisch-sozialen Geschehnissen VERWIRKLICHT werden!!

Es ist nie zu spät, dazu etwas beizutragen – ob JUNG oder ALT!
Denn die Zukunft liegt in unseren Händen!
Wir können es uns nicht leisten, damit VERANTWORTUNGSLOS umzugehen!

Vielleicht ist nachhaltige Entwicklung für uns die LETZTE CHANCE!!!

Christina Gramss, 18 Jahre, in: Rat für NACHHALTIGE Entwicklung (Hrsg); Jugend schreibt Zukunft. Gedanken und Bilder zur Nachhaltigkeit. München ökom–Verlag 2002.



GOTT, DER ERNÄHRER

Anthony de Mello

Gott beschloss, der Erde einen Besuch abzustatten, also schickte er zuvor einen Engel hinunter, um zu sehen, wie dort die Lage war.
Der Engel kehrte zurück und berichtete: „Die meisten haben nicht genug zu essen, und sehr viele sind arbeitslos.“
Gott sagte: „Dann werde ich in der Form von Nahrung für die Hungernden erscheinen und als Arbeit für die Arbeitslosen.“

Aus: Anthony de Mello; Warum der Vogel singt. Geschichten für das richtige Leben. Herder Taschenbuch, 9. Aufl. 1991



Liebe

Richtige Liebe besteht aus Geben und Nehmen.

 

Diese Liebe hat einen langen Atem.

 

Sie zwingt nie einen Menschen mit Gewalt.

 

Diese Liebe sieht im anderen nicht ein Besitzstück.

 

Eifersucht und Neid sind ihr fremd.

 

Diese Liebe macht keine große Schau.

 

Sie spielt sich nicht auf und drängt sich nicht vor.

 

Ich bin nicht so, du bist nicht so, aber Jesus zeigt uns, dass es geht.

 

 

 

Richtige Liebe besteht aus Geben und Nehmen.

 

Diese Liebe sucht nicht ihren eigenen Vorteil.

 

Sie nutzt den andern nicht aus.

 

Diese Liebe tut dem andern nicht weh.

 

Sie wird nicht verbittert und trägt nicht nach.

 

Diese Liebe duldet nicht, dass Unrecht geschieht.

 

Sie ist erst glücklich, wenn jeder sein Recht bekommt. -

 

 

 

Richtige Liebe besteht aus Nehmen und Geben.

 

Diese Liebe glaubt an das Gute.

 

Sie gibt Vorschuss an Vertrauen auch ohne Beweis.

 

Diese Liebe hofft auch gegen alle Hoffnung.

 

Sie gibt den andern nicht auf.

 

 

 

Diese Liebe kennt keine Grenzen.

 

Sie kann warten und hat unendlich viel Zeit.

 

Ich bin nicht so, du bist nicht so, aber Jesus zeigt uns, dass es geht. (nach 1 Kor 13)

 

 

 

Eine Kirche der Zukunft

 

Ich träumte von einer Kirche, zu der Menschen aller Rassen und Nationen gehörten, viele Völker, Priester und Laien, einfache Menschen und Gebildete - nicht gegeneinander, sondern miteinander und - füreinander. In ihr waren die Worte "ich", "er", "sie", "ihr", "die" Fremdworte – "Du" und "Wir", das war die Umgangssprache, so gingen sie miteinander um.

 

 

 

Ich träumte von einer Kirche, in der sich nicht einer vom anderen bedienen ließ,
sondern wo alle einander dienen wollten.
Da sprachen sie offen, nicht übereinander, sondern miteinander,
geschwisterlich, nicht herrlich, einfach so, weil's um die Sache Jesu ging.

 

 

 

Ich träumte von einer Kirche, da überließen sie die Seelsorge nicht nur dem Priester, da sorgten sich alle mit - alle für alle Menschen.

 

 

 

Ich träumte von einer Kirche, in der schlug niemand auf den Tisch,
da schlugen alle auf die eigene Brust,
da wuschen sie sich nicht die Köpfe, sondern die Füße,
da war man ein Herz und eine Seele, Salz, das die Welt genießbar macht,
eine kleine Herde, selbstbewusst und siegesgewiss,
Licht verbreitend in die Dunkelheit der Welt, weil's um die Sache Jesu ging. Und die Sache Jesu, das sei ihre Zukunft - sagten sie.

 

 

 

Ich erwachte - und ich sah eine Kirche, in der vieles, fast alles nicht so ist. Ich verzweifelte, resignierte, wollte zurück in meine Traumwelt –

 

da wurde ich belehrt:

 


"Dein Traum ist alt, 2.000 Jahre alt; aufgeschrieben von Matthäus und Markus, Lukas und Johannes, Paulus und Petrus, in vielen Kapiteln und Versen."

 

 

 

Und ich sah: Mein Traum stand da geschrieben: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe."

 

Und ich begriff: Träume lassen leben, für Träume läßt's sich leben.

 

W. Schumacher

 

VERSÖHNUNGSLITANEI

Versöhnungslitanei aus Coventry

In der Nacht vom 14./15. November 1940 zerstörte ein deutscher Bombenangriff die englische Stadt Coventry, die damit zum Zeichen eines sinnlosen und mörderischen Vernichtungswillens wurde. Nach dem Krieg wurde sie Ausgangspunkt einer weltweiten Versöhnungsbewegung mit dem Symbol des aus drei Nägeln der zerstörten Kathedrale gebildeten "Nagelkreuzes". Die Ruine der Kathedrale wurde zum Begegnungszentrum. Hier wird jeden Freitagmittag die 1959 formulierte Versöhnungslitanei gebetet:

"Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes,
den sie bei Gott haben sollten." (Röm 3,23)
Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes,

den wir bei Gott haben sollten.

Darum laßt uns beten:
Vater, vergib!
Den Haß, der Rasse von Rasse trennt,
Volk von Volk, Klasse von Klasse:

Vater, vergib!
Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker,
zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:

Vater, vergib!
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt
und die Erde verwüstet:

Vater, vergib!
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:

Vater, vergib!
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge:

Vater, vergib!
Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:

Vater, vergib!
Den Hochmut, der uns verleitet,
auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf dich:

Vater, vergib!
Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen,
dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben.

Darum bitten wir um Christi willen.
"Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einem dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus." (Eph 4,32)

Versöhnungslitanei aus Coventry, in: EG Rheinland 879.



BEFREIUNG

M. Albus, Paulo Evaristo Arns

Befreiung heißt wirklich, was Christus gesagt hat: Daß er gekommen ist, damit die Menschen wieder hören können, wieder sehen können, wieder gehen können, wieder in Gemeinschaft leben können, wieder atmen können, wieder leben können. Leben - im umfassenden Begriff dessen, was Leben heißt, mit allem, was drinsteckt. Ich will sagen: Wenn so Befreiung nicht geschehen kann, was heißt dann überhaupt das Wort Befreiung in der Bibel und in der ganzen Geschichte der Menschheit? Wir müssen unser Leben dafür einsetzen, daß das Volk befreit wird von all diesen Übeln. Und wirklich hoffen kann und neu leben kann. Das wird auch geschehen.

M. Albus, Paulo Evaristo Arns. Ich trage keinen Purpur, Düsseldorf (Lebenswege, Bd. 3) 1985,

zitiert nach: Eugen Drewermann, Tiefenpsychologie und Exegese (II), Zürich und Düsseldorf: Walter Verlag 6. Aufl. der Sonderausgabe 2001.



EINE GUTE NACHRICHT FÜR ARME

Internet

Die Dalits sind in der indischen Gesellschaft die Ausgestoßenen. Sie haben am meisten unter dem Kastensystem zu leiden: jener starren sozialen Schichtung, die sich auf Vorstellungen ritueller Reinheit beziehungsweise Unreinheit gründet.
Im Kastensystem werden die Kasten in "höher" und "niedriger" eingestuft. Die Dalits gelten als die, die am wenigsten rein sind und die am meisten verunreinigen. Sie stehen deshalb sogar außerhalb des Kastensystems und wurden oft als "Unberührbare" bezeichnet. Durch das Kastenwesen sind die Dalits sozial ausgegrenzt, politisch unterrepräsentiert, wirtschaftlich ausgebeutet und kulturell unterjocht. Fast 80 Prozent der indischen Christen haben einen Dalit-Hintergrund.
Obwohl die Kirchen in Indien im 20. Jahrhundert eine außerordentlich positive Entwicklung genommen haben, bleiben sie doch getrennt durch Unterschiede in Lehre und Bekenntnis. Diese Trennung ist Teil des europäischen Erbes. Verschärft wird die Uneinigkeit in den Kirchen und zwischen ihnen durch das Kastensystem. Ebenso wie Apartheid, Rassismus und Nationalismus stellt das Kastenwesen eine
schwere Herausforderung für die Einheit der Christen in Indien und so für das glaubwürdige Zeugnis von der Kirche als dem einen Leib Christi dar.

Aus: Materialien zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2013: Mit Gott gehen

www.oikoumene.org/fileadmin/files/wcc-main/documents/p2/2013/WOP2013ger_Einfuehrung.pdf



MACH UNSER LEBEN ZU EINEM FEST

                                                                                                                                     Ilse Pauls

Wir haben keinen Wein mehr!
Keine Hoffnung, keinen Glauben,
keine Liebe.
Unsere Krüge sind leer,
ausgeronnen,
alles verschenkt,
alles vergeudet. –
Wir sind wie
ausgebrannte Tonkrüge. –
Mühsam holen wir Wasser
von weit her.
Ein gewöhnliches Wasser
unseres Lebens.
Verwandle Du es
in den Wein der Liebe,
in köstlichen Frohsinn,
in überschäumendes Lachen.
Mach unser Leben zu einem Fest.

Aus: Ilse Pauls, Der innere See, Internationaler Literatur und Lyrik Verlag, Wien 1993 (2. Aufl. 1996).  



BEGABT? BEGABT!Beatrix Senft

schaue dich an
nimm dir Zeit

sieh auf deine Fähigkeiten
auf deine Begabungen

schaue dich an
beschenkt bist du
mit so vielen Möglichkeiten

sei bereit sie einzusetzen

für DICH
und
für die Menschen
denen du
begegnen darfst

in den Kleinigkeiten des Alltags
            dem traurig vor sich hin trottendem Kind auf dem Schulweg
            dem du dein dir eigenen Lächeln schenkst
            dass es freudig und aufgemuntert weitergehen mag

            der alten Dame an der Kasse
            der du den Vortritt lässt

aber sei auch mutig

schau sie dir an
deine großen Begabungen

            deine Fähigkeit Menschen zu begeistern

            deine Kreativität
            im Ausdruck von Farben und Formen
            die andere erfreut

            deine Sprachbegabung
            die anderen hilf
            ins Wort zu kommen

            dein Sachwissen
            das andere anregt zu forschen
            das andere reizt die Welt zu entdecken

schau dich an
und sei bereit
all dies zum Wohle aller

E I N Z U S E T Z E N

im Täglichen
in Gesellschaft und Politik
in Kirche und Gemeinde

und

lass dich nicht schrecken
von keinem auf Erden

du darfst dir all dessen
bewusst sein
und es leben

du darfst es

            AUSLEBEN

denn dazu

sind dir all diese Gaben geschenkt
sind gleichsam Gottes Auftrag an dich

lass dich nicht schrecken
von den selbsternannten
„Weisen“ und „Geweihten“

wir alle sind

beschenkt

und dürfen
JA SOLLEN
unsere Begabungen leben

auch gegen Widerstand

Beatrix Senft (2022)



AN DIR HABE ICH GEFALLEN

Claudia Simonis-Hippel

"DU,
du bist meine Tochter, mein Sohn,
der Geliebte.
An dir habe ich Gefallen."

DU -
ich spreche dich mit deinem Namen an
ich habe dir etwas zu sagen

Du -
dich meine ich
dich selber
ohne alles Drumherum
ohne Leistung und Intelligenz
ohne Ausbildung und Beruf
ohne Kreativität und Engagement
ohne deine Familie
ohne alles, auf was du stolz bist
ohne dass es dir gut geht
ohne dass du dir Mühe gibst
auch wenn du schwach und krank bist
auch wenn du traurig und müde bist
auch wenn du gereizt und wütend bist
auch wenn du grundlose Angst hast

du bist -
deine bloße Existenz ist Grund genug
vor aller Leistung
trotz allen Versagens

meine Tochter, mein Sohn -
du hast deinen Ursprung, deine Wurzel in mir
ich habe dich so gewollt und geschaffen
ich bin und bleibe dir Vater und Mutter
ich verlasse dich nicht
ich sorge für dich
ich beschütze dich
ich stärke dir den Rücken
ich traue dir zu, dass du auf eigenen Füßen stehst
meine Tochter, mein Sohn

Geliebte -
meine Liebe gilt dir
von Anfang an und für alle Zeit
aus meiner Liebe kannst du nicht herausfallen,
egal, was du tust

An dir habe ich Gefallen -
an deinem innersten Wesen habe ich meine Freude
du gefällst mir
so wie du bist

DU bist meine Tochter, mein Sohn, der Geliebte.
An dir habe ich Gefallen.

Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.



WASSER: WOHLTAT FÜR ALLES, WAS LEBT.

Werner Eizinger

Aus dem Wasser kommt alles Leben,
auch was sich heute an Land
und in den Lüften tummelt.
Wasser ist ein Bild für das Leben.
In der Natur ständig sich ändernd
in Farbe und Gestalt,
Felsen aushöhlend
und Steine abschleifend:
unbändige Kraft.
Trägt Leben in sich,
nährt Pflanze und Fisch
und was sonst noch sich in ihm regt.
Nach schweißtreibender Wanderung
schöpf ich davon,
brennenden Durst zu löschen
und labe ermüdete Füße
in dem kühlen erfrischenden Nass.
Wasser: Wohltat für alles, was lebt.
An heißen Tagen spring ich hinein,
darin zu schwimmen, zu tauchen.
Wasser ist unser wichtigstes Nahrungsmittel.
Wir brauchen es als Getränk,
zum Kochen und Backen.
Wasser brauchen wir zur Reinigung
des Körpers und der Wäsche.
Wasser - ein Sinnbild des Lebens,
köstliche Gabe Gottes für uns.
Doch seinen Wert lernen wir meistens erst schätzen,
wenn es uns fehlt.

Mit Wasser wurden wir getauft,
von aller Schuld gereinigt,
auf dass neues Leben in uns gedeihe,
Leben mit Christus.
Mit Gottes Geist in der Taufe begabt,
auf dass göttliches Leben in uns gedeihe.
Leben mit Christus, der sagt:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Leben mit Christus - ewiges Leben.

Werner Eizinger, Wie Weihrauch steige mein Gebet vor dir auf, Regensburg 2008.



  • 2

Helene Renner (2022) - sei wie Feuer

Wenn du getauft bist
dann sei wie Feuer
glühend in Lust und Liebe
brennend für neue Ideen
lodernd in den Flammen der Fantasie
und voll Leidenschaft für deine Aufgabe

Wenn du getauft bist
dann sei wie Wasser
klar und tief in den Gedanken und Gefühlen
sprudelnd vor Lebendigkeit
und überströmend in Freundschaft und Güte

Wenn du getauft bist
dann sei wie Luft
leicht und frei für das Spiel deiner Träume
durchlässig für das Licht, das neu aufbricht
und wie kraftvoller Atem, der lebendig macht

Wenn du getauft bist
dann sei wie Erde
fest und sicher in deinen Schritten
in deinen Entscheidungen und Zielen
fruchtbar für das Aufkeimen neuer Hoffnung
und für das Wachsen und Aufblühen
von tiefem Glauben
und umfassender Liebe

                                                          Claudia Simonis-Hippel (2013)



1. JANUAR

Chiara Lubich

Es gibt Tage, an denen es besser, und andere, an denen es schlechter geht. Doch manchmal merken wir, dass es gar nicht so sehr auf Erfolg oder Misserfolg ankommt, sondern darauf, wie wir unser Leben gestalten. Und die Frage nach dem Wie ist eine Frage nach der Liebe: Sie allein gibt allem Wert...

Beginnen wir also jeden neuen Tag mit Zuversicht, bei Unwetter oder Sonnenschein. Erinnern wir uns daran: Jeder Tag ist so viel wert, wie wir Gottes Wort in uns aufnehmen. Christus möchte in uns leben ... Er in uns vollbringt die Werke, die uns ins endgültige Leben begleiten (vgl. Offenbarung 14, 13). Erstaunt werden wir feststellen, wie das Wort Gottes, die Wahrheit uns frei macht (vgl. Johannes 8, 32. 36).

Aus: Chiara Lubich, Die große Sehnsucht unserer Zeit, Jahreslesebuch, München 2008.

Ein Prosit Neujahr 2022!

Ich wünsche Euch allen
ein gesegnetes Jahr,
gesundes und behütetes Leben,
eine gute Zeit und Tage mit erfüllten Stunden,
ein fröhliches Gesicht und ein Lächeln,
das aus dem Herzen kommt.
Lass unser aller Leben in Gottes Hand ruhen,
so geborgen in Gottes Hand.

LEGE DEINE HAND IN GOTTES HAND

Aus China

Ich sagte zu einem Engel,
der an der Pforte des neuen Jahres stand:
“Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes
Der Ungewissheit entgegengehen kann.“
Aber der Engel antwortete:
“Geh nur hin in die Dunkelheit
und lege deine Hand in die Hand Gottes.
Das ist besser als ein Licht
und sicherer als ein bekannter Weg.“

Worte einer chinesischen Christin. Aus: Eva Dicks (Hg.), Es kam ein Engel hell und klar. Ein Lesebuch zu Advent und Weihnachten, Kevelaer: Verlag Butzon & Becker 2005, Topos plus Taschenbücher 562.



GEH DEINEN WEG

Hermann Multhaupt

Irischer Segen aus dem Jahre 1692, auch für das neue Jahr

Geh deinen Weg ruhig - mitten in Lärm und Hast,
und wisse, welchen Frieden die Stille schenken mag.

Steh mit allen auf gutem Fuße, wenn es geht,
aber gib dich selber nicht auf dabei.

Sage deine Wahrheit immer ruhig und klar
und hör die anderen auch an,
selbst die Unwissenden, Dummen - sie haben auch ihre Geschichte.

Laute und zänkische Menschen meide.
Sie sind eine Plage für dein Gemüt.

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst,
wisse, dass Eitelkeit und Bitterkeit dich erwarten.
Denn es wird immer größere und geringere Menschen geben als dich.

Freu dich an deinen Erfolgen und Plänen.
Strebe wohl danach weiterzukommen, doch bleibe bescheiden.
Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.

Übe dich in Vorsicht bei deinen Geschäften.
Die Welt ist voll Tricks und Betrug.
Aber werde nicht blind für das, was dir an Tugend begegnet.

Sei du selber - vor allem:
heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst.
Doch denke nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt.
Sie erfährt soviel Entzauberung, erträgt soviel Dürre
und wächst doch voller Ausdauer, immer neu, wie das Gras.

Nimm den Ratschluss deiner Jahre mit Freundlichkeit an.
Und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

Pflege die Kräfte deines Gemüts,
damit es dich schützen kann, wenn Unglück dich trifft,
aber überfordere dich nicht durch Wunschträume.
Viele Ängste entstehen durch Enttäuschung und Verlorenheit.

Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir.
Im übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selbst.

Du bist ein Kind der Schöpfung,
nicht weniger wie die Bäume und Sterne es sind.
Du hast ein Recht darauf, hier zu sein.

Und ob du es merkst oder nicht -
ohne Zweifel entfaltet sich die Schöpfung so, wie sie es soll.

Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst.
Und was auch immer deine Mühen und Träume sind
in der lärmenden Verwirrung des Lebens -
halte Frieden mit deiner eigenen Seele.

Mit all ihrem Trug, ihrer Plackerei und ihren zerronnenen Träumen -
die Welt ist immer noch schön!

Hermann Multhaupt, Möge der Wind immer in deinem Rücken sein. Alte irische Segenswünsche. Bergmoser + Höller Verlag, Aachen 1995.

MARIA

Pedro Casaldáglia

Das Wort wollte nicht nur Gott sein,
darum nahm es sich von mir
das Fleisch, das den Menschen macht,
und ich sagte ja, ich wollte nicht nur Mädchen sein.

Das Wort wollte nicht nur Leben sein,
darum nahm es sich von mir
das Fleisch, das den Tod erschafft,
und ich sagte ja, ich wollte nicht nur Mutter sein.

Aber, um ewiges Leben zu sein,
nahm sich das Wort von mir,
das Fleisch, das aufersteht,
und ich sagte ja; ich wollte nicht nur sein vergängliche Zeit.

Pedro Casaldáliga (Brasilien)



Ich wünsche dir Zeit

 

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.

 

Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:

 

Ich wünsche dir Zeit, dich zu freuen und zu lachen,

 

und wenn du sie nützt, kannst du etwas d’raus machen.

 

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,

 

nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

 

Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,

 

sondern die Zeit zum Zufriedensein können.

 

Ich wünsche dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.

 

Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben -

 

als Zeit für das Staunen und Zeit zum Vertrauen,

 

anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schauen.

 

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,

 

und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.

 

Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.

 

Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

 

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,

 

jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

 

Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

 

Ich wünsche dir: Zeit zu haben - zum Leben.

 

Aus: Elli Michler, Ich wünsche dir Zeit für ein glückliches Leben (Die beliebtesten Gedichte von Elli Michler) Don Bosco Verlag, München, 2011

 

ZUM NEUEN JAHR

Johann Wolfgang von Goethe

Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen,
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.

Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut!
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar:
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1831)

in: Judith Sixel (HG.), Poesie für jeden Tag. Jahreslesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2007.


NACHDENKEN AM JAHRESENDE

Phil Bosmans

Ein Jahr geht zu Ende. Was ist dir von ihm geblieben?
Vielleicht Enttäuschungen und Misserfolge,
ein Haufen Ärger und graue Haare.
Vielleicht ein leiser Schmerz im Herzen,
weil alles so schnell gegangen ist?
Fühlst du vielleicht zum ersten Mal, dass jedes Jahr
von deinem Leben ein Stück abschneidet?
Denk mal ruhig darüber nach. Es kann ja nicht schaden,
wenn du ein paar Illusionen los wirst.
Aber es wäre eine Katastrophe, solltest du den Mut verloren
haben und den Glauben an das kommende Jahr.
Suche weiter nach Frieden.
Suche nach unbelasteter Verbindung zu Gott.
Er kann dir die leeren Hände füllen und das leere Herz.

Aus: Phil Bosmans, Leben jeden Tag. 365 Vitamine für das Herz. Übertragen und herausgegeben von Ulrich Schütz. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008 (1999).



EINE GUTE NACHRICHT

Antonio Sagardoy

Weihnachten erinnert uns an einen guten Gott, der die Nähe des Menschen sucht, um ihn wieder zu einem Menschen im vollen Sinn zu machen. Weihnachten führt uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes vor Augen und erinnert uns zugleich an die Verwandlung, die im Herzen des Menschen geschehen kann, wenn er sich auf Gott einlässt.

Aus: Antonio Sagardoy, Weihnachten anders, Wien, 2009.



VERRÜCKTE WEIHNACHTEN

Johann Pock, Hans Pock

Gott muss verrückt sein!
Da ist er der Schöpfer der ganzen Welt,
lebt im Himmel,
umgeben von Engeln und Heiligen.

Und was macht Gott?
Er wird Mensch!
Er steigt aus der Unendlichkeit
in die Endlichkeit,
aus der Ordnung in das Chaos,
aus dem Paradies auf die Erde.

Damit aber
macht Gott auch die Menschen verrückt:
er ver-rückt sie in seine Nähe
er rückt ihre Schuld zurecht
er ent-rückt sie aus der Todessphäre.

Der Sohn Gottes in einer Krippe,
der Allmächtige als hilfsbedürftiges Kind
zeigt, dass man als gläubiger Mensch
wohl ein bisschen verrückt sein muss.

Aber gerade als Verrückte
sind wir Gott ähnlich,
und Weihnachten ist das Fest
eines verrückten Gottes.

(Johann Pock, Weihnachten 2017)

BETHLEHEM

Wilhelm Gössmann

Abseits der Menschenwelt
bei einer Viehherde
in der Krippe
geboren

Jubel und Glanz
aus der Höhe
und Gesänge des Friedens
über der ganzen Erde

Hirten -
die das Menschenleben
aus den Ängsten der Tiere kennen

Magier -
die das Menschenleben
aus dem Lauf der Gestirne deuten

Beschnitten
nach jüdischem Brauch
freigekauft im Tempel
mit zwei Turteltauben

Abseits der Menschenwelt
bei einer Viehherde
in der Krippe
geboren

Wozu er heranwuchs -
verborgen
unverschwendet
tiefstill

Aus: Wilhelm Gössmann, Es weihnachtet sehr. Weihnachten mit der Poesie entdecken. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2001.

 

SAGE, WO IST BETHLEHEM?

Rudolf Otto Wiemer

Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen, mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.

Sage, wo ist Bethlehem?
Komm doch mit, ich zeig es dir!
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jetzt und hier.

Sage, wo ist Bethlehem?
Liegt es tausend Jahre weit?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jederzeit.

Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.

Rudolf Otto Wiemer in: Dietrich Steinwede (Hg.), Jetzt ist die Zeit der Freude. Weihnachtliche Texte. Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2011.



 

 

 

 

 

AUFMACHEN

Beatrix Senft

mich aufmachen
wie Maria

die Mühsal
des Weges
auf mich nehmen

das
was ich
in mir trage
wohlwollend
annehmen

nach rechts und links
schauen
wahrnehmen
was mir
im Unterwegssein
geschenkt wird

mich freuen
auf Begegnung
auf Zuspruch hoffen

erfahren dürfen
dass all das
was in mir heranwachsen will
vor Freude hüpft
wie das heranwachsende Kind

dass es sich entfalten will
dass es groß werden will
in mir

all dem Raum geben
dass es sich gebären kann
in mein ganzes SEIN

erhoffen
dass auch ich erfahren darf:

Selig
die du glaubst
dass sich erfüllt
was der Herr dir zuspricht


adventlich
unterwegs sein

Gottes Verheißung
ein Ankommen
ermöglichen

Beatrix Senft (2021)

ADVENT

Verfasser unbekannt

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, bei dir zu wohnen,
vertraut zu sein mit dir und alle Last mit dir zu teilen.
Sieh, ich komme dir entgegen
in allen deinen Wünschen, ich, dein Gott.

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, dass du deine Abweisung
und kalte Verschlossenheit aufgäbst
und mir wieder in die Augen schaust.
Sieh, ich komme dir entgegen
auf allen deinen Wegen, ich, dein Gott.

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, dass du mich hineinlässt
in deine Trauer und Nacht.,
deine Niederlagen und deine verrinnende Zeit.
Siehe, ich komme dir entgegen
in allen deinen Gefangenschaften, ich, dein Gott.

Wie wünschte ich, dass es Advent wird in dir.
Wie wünschte ich, in deiner Stadt, deiner Straße,
deinem Haus, deinem Herzen, neu geboren zu werden.
Siehe, ich komme dir entgegen
von der Ewigkeit der Ewigkeiten her, ich, dein Gott.

Verfasser unbekannt

WANN IST ADVENT?

                                               Paul Weismantel

Wenn Dunkelheit sich allmählich lichtet,
wenn jemand auf Vergeltung verzichtet,
wenn Vergessenes wieder aufleuchten will,
wenn Verborgenes erscheint, zärtlich und still:

Wenn Geschwätziges leise und sacht verstummt,
wenn das Herz ein Lied der Sehnsucht summt,
wenn Menschen sich als Geschwister erkennen,
wenn sie einander Bruder und Schwester nennen:

Wenn müde Augen zu leuchten beginnen,
wenn wir uns auf Jesu Kommen besinnen,
wenn Gottes Charme unsre Sinne berührt,
wenn ein Engel uns zur Weihnacht hinführt:

...dann ist Advent

FREUDE

Rabindranath Tagore

Jeder hat etwas von einem Dichter in seinem Herzen, das in der Erfahrung der letzten Wirklichkeit Erfüllung sucht. Der Mensch empfindet Freude, weil die Blumen blühen und der Himmel blau und das Wasser klar ist. Nicht weil sie nützlich und profitabel sind, wie Scheckbücher und Maschinen, sondern weil sie sind, was sie sind. Der Dichter in unserem Herzen wird von Gott als Dichter inspiriert. Im Morgenrot, im grünen Gras und im Leben spendenden Wasser spricht er zu uns als Freund, der Antwort sucht in unserer Freude. Ich bin mir sicher, dass er glücklich ist wie ein sterblicher Dichter, wenn wir uns an seiner Schöpfung erfreuen.

Aus: Rabindranath Tagore, Indische Weisheiten für jeden Tag. Übersetzt und herausgegeben von Axel Monte. O.W. Barth Verlag der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2006.



ADVENT – ANKUNFT

Beatrix Senft

Ankunft im Glauben
Ankunft bei mir selbst
Ankunft im Miteinander

Advent –
auf dem Weg zur Weihnacht
mich von Gott beschenken lassen
andere beschenken

erkennen
womit ich wirklich beschenkt bin -
und
staunen

Beatrix Senft, unveröffentlicht.


GEWAGTES LEBEN

Andrea Wilke

Rufer in der Wüste
wird er genannt 
der junge Mann,
der nur von dem lebte,
was die Natur hergab; 
der selbst ein Gerufener war,
berufen,
das Heil zu verkünden;
der Vorläufer dessen,
der das Heil der Welt ist. 
Der Rufer in der Wüste,
hat alles dafür gegeben,
seine besten Jahre. 
Und lässt am Ende
seines kurzen Lebens
nachfragen:
"Bist du es, der da kommen soll?
Oder sollen wir auf einen anderen warten?" 
Der scheinbar Unerschütterliche,
der Starke und Unbeugsame,
der von Gott ausdrücklich Gerufene
ist Glaubender,
Anfragender,
nicht Wissender. 
Woher nehmen wir die Gewissheit,
dass unser Leben so richtig ist
wie es ist?

Andrea Wilke auf www.bistum-erfurt.de

HIER BIN ICH

unbekannte Herkunft

Hier bin ich,
Gott, vor Dir.
So wie ich bin.

Ich öffne mich Deiner Nähe.
Deine Lebenskraft fließt in mir,
mein Atem,
der mich trägt und weitet ...
lass Ruhe in mich einkehren ...

Hier bin ich,
Gott, vor Dir.
So wie ich bin.

Mit meiner Anspannung, meiner Freude,
meiner Traurigkeit und Enttäuschung.
Mit meiner Wut und meiner Ungeduld.
Mit meinem Stolz.
Mit meiner Sehnsucht.

Gott, Quelle des Lebens,
reinige mich,
erneuere mich.
Heile mich.

Quelle unbekannt in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hinterberger OP, Andrea Kett, Hildegund Keul, Aurelia Spendel OP. Schwabenverlag / KlensVerlag, Ostfilder 2010.



GEBET FÜR ARM- UND KLEINGEMACHTE MENSCHEN

Irmlind Rehberger OSF

Du, unser Gott, bist ein Gott des Lebens,
ein Gott, der eine Vorliebe hat für arm- und kleingemachte Menschen,
für Menschen, die am Rand stehen.
Ich bringe dir die Frauen, mit denen ich eine Wegstrecke ihres Lebens gehe
und die, wenn sie auf ihr Leben schauen,
einen Scherbenhaufen vor sich sehen:
zerbrochene, kaputtgegangene Beziehungen,
den zerbrochenen Traum von einem geglückten, sinnvollen Leben,
gescheiterte Pläne und Perspektiven.
Und ich bringe dir, Gott, ihre große Sehnsucht
nach heilwerden und ganz sein.
Du bist ein Gott des Lebens, ein Gott, der rettet, befreit und heilt.
Schenke Begegnungen, Erfahrungen,
die neue Hoffnung geben,
die Kraft und Mut wachsen lassen für einen Neuanfang,
und lass sie Menschen finden, die ihren Neuanfang liebevoll begleiten.
Du, Gott des Anfangs, segne sie!

Irmlind Rehberger OSF in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hinterberger OP, Andrea Kett, Hildegund Keul, Aurelia Spendel OP. Schwabenverlag / KlensVerlag, Ostfilder 2010.



Meditation

 

Meinen Glauben kann ich nicht weitergeben -

 

wie eine Formel zum Auswendig lernen,

 

ich kann ihn nicht weitergeben wie ein Lehrstück.

 

Meinen Glauben kann ich nicht beweisen wie eine Urkunde den Besitz,

 

ich kann ihn nicht beweisen wie ein Foto.

 

 

 

Meinen Glauben kann ich nur bezeugen -

 

bezeugen mit meinem eigenen Leben,

 

im Miteinander und Voneinander leben,

 

im Lachen und Reden, im Weinen und Trösten,

 

im Geben und Nehmen, im Streiten und Versöhnen,

 

im Widersprechen und Einig sein, im Vermissen und Lieben,

 

im Aufbrechen zu einem gemeinsamen Weg.

 

 

 

Aufbrechen zu einem gemeinsamen Weg mit Christus -

 

obwohl der Weg nicht klar sichtbar ist,

 

obwohl das Ziel in der Ferne liegt, obwohl nicht alle mitgehen,

 

obwohl Gewohntes zurück bleibt, obwohl die Wirklichkeit unserer Welt,

 

die Suche nach der Wahrheit, oft beschwerlich macht.

 

Aufbrechen zu einem Weg mit Jesus Christus und ihn im Herzen hören.

 

Aufbrechen zu einem Weg mit Jesus und zur Mitte finden,

 

denn nur dort kann sie spürbar werden, die Wahrheit.

 

 

 

Aufbrechen zu einem Weg mit Jesus

und das Herz öffnen für die Wahrheit,

die Wahrhaftigkeit des Friedens und der Barmherzigkeit.

 

 

 

DAS LEIDEN GOTTES

Phil Bosmans

Der Gott des Christentums ist hinabgestiegen in die tiefsten Keller der Menschheit, wo Tag für Tag Hass geboren und genährt wird und mit dem Hass alle Ungerechtigkeit. Gott ist dorthin hinabgestiegen, wo Menschen einander ablehnen, ausbeuten, quälen, wo sie einander nach dem Leben trachten. Gott hat sich mit allen Opfern identifiziert, wo auch immer in der Welt.

Die Geschichte Gottes wird geschrieben zwischen Krippe und Kreuz. Die Geschichte von einem, der bei den Menschen keinen Platz findet, von einem Flüchtlingskind, von einem Unbewaffneten, einem Wehrlosen, der verfolgt und verhöhnt wird, gefoltert und gekreuzigt, weil er für Arme und Schwache eintritt mit einer Botschaft der Güte und Liebe, des Friedens und der Versöhnung.

Gott leidet und stirbt noch immer jeden Tag in jeder Lieblosigkeit, Unverträglichkeit und Ablehnung von Menschen durch Menschen. Der Gott des Christentums ist ein machtloser Gott. Er hat sich ausgeliefert in die Hände von Menschen.

 

 

ZUKUNFTAurelia Spendel OP

Gott unserer Zukunft,
Du hältst die Fäden in der Hand,
Du drängst Dich auf,
Du bist still nah,
Du siehst so weit,
Du hörst unseren Schrei,
Du bist da.

Lass uns Dir zutrauen,
unser Leben zu entwirren,
die Sorge zu vertreiben,
Schritte im Dunkeln
zu gehen mit uns.

Lass uns Dir zutrauen,
uns kundig die Füße zu waschen,
uns sicher zu halten,
uns spüren zu lassen,
dass Du nur Gutes willst.

(Ein neues Jahr,)
ein neuer Anfang,
Dein Abdruck und Atem schon jetzt.

Aurelia Spendel OP in: Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hintersberger OP, Andrea Kett, Hildegard Keul, Aurelia Spendel OP, Schwabenverlag /Klens Verlag, Ostfildern 2010.

DU KANNST NICHT TIEFER FALLEN

Arno Pötzsch

Du kannst nicht tiefer fallen
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unsrer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit.

Arno Pötzsch (1941) in: EG 533.



SEGENAndrea Schwarz

komm wir bitten dich
komm und segne uns

sei uns licht
im dunkel

sei der leise ton
in all dem lärm

sei die stimme
die erinnert

sei die hand
die sanft berührt

sei der geist
der mich atmen lässt

sei
mein gott

ich bin
bereit

deinen weg
zu gehen

dem leben
entgegen

Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2008.

Der Herr segne uns
und stehe und bei in Zeiten der Not.
Er überlasse uns nicht dem Abgrund der Hoffnungslosigkeit
und sei uns Schutz und Halt,
wenn wir die Enge der Verzweiflung spüren.
Er halte seine Hände über uns,
der Hüter Israels und aller, die ihm vertrauen.
Er führe uns durch den Tunnel der Dunkelheit ins Licht neuer Hoffnung.
Er lenke unseren Blick auf die Weite des Himmels,
die uns ahnen lässt seine Grösse und Weisheit und die Vielzahl seiner Wege.
So segne uns auf die Fürsprache aller Heiligen
der allmächtige und gütige Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist.

(nach Herbert Jung, Gottes sanfte Hände über dir. Segensgebete für Gemeinde und Familie, Freiburg)



 

  • 3

Helene Renner (2020)

Heilig werden wir,
wenn wir füreinander das Brot brechen.

Heilig werden wir,
wenn wir bereit sind miteinander zu teilen.

Heilig werden wir,
wenn wir uns von den anderen beschenken lassen.

Heilig werden wir,
wenn wir aufeinander hören.

Heilig werden wir,
wenn wir uns den Mitmenschen zuwenden.

Heilig werden wir,
wenn wir einander die Hand zur Versöhnung reichen.

Heilig werden wir,
wenn wir den Frieden suchen.

Heilig werden wir,
wenn die Liebe unser Leben bestimmt.

Heilig werden wir,
wenn wir tun,
was uns Jesus vorgelebt ha


SELIG
die das Wohl der Anderen lieben wie ihr eigenes
denn sie werden ihren Egoismus überwinden

SELIG
die immer bereit sind den ersten Schritt zu tun
denn sie werden für Frieden und Einheit sorgen

SELIG
die nie sagen: jetzt ist Schluss
denn sie werden einen neuen Anfang finden

SELIG
die zuerst hören und dann reden
denn man wird ihr Wort aufnehmen

SELIG
die eine andere Meinung gelten lassen
denn sie werden integrieren und vermitteln können

SELIG
die ihre Macht nie missbrauchen
denn sie werden geachtet werden

SELIG
die unterliegen und verlieren können
denn

dann kann GOTT gewinnen

nach einem unbekannten Verfasser

 

 

 

 

 

DER ORT DER GEMEINDE

Lothar Zenetti

Wo man andere liebt, ist der Ort der Gemeinde,
die sich nach Christus nennt.
Wie er soll sie teilen
ihr Leben und heilen
die Kranken und Krummen
die Blinden uns Stummen
sie soll sich erbarmen
der Schwachen und Armen
Wo die Liebe geschieht, hat das Elend ein Ende,
da wird die Erde neu.

Wo man Unrecht bekämpft, ist der Ort der Gemeinde,
die sich nach Christus nennt.
Wie er soll sie sprechen
für Recht und zerbrechen
die Herrschaft der Klassen
die Allmacht der Kassen
den Dünkel der Rassen
den Stumpfsinn der Massen
Wo Gerechtigkeit wird, hat das Elend ein Ende,
da wird die Erde neu.

Wo Versöhnung geschieht, ist der Ort der Gemeinde,
die sich nach Christus nennt.
Wie er soll sie künden
Vergebung der Sünden
inmitten von Waffen
soll Frieden sie schaffen
versöhnen die Feinde
als seine Gemeinde.
Wo der Friede entsteht hat das Elend ein Ende,
da wird die Erde neu.

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2006.

STRAHLEN BRECHEN VIELE

Dieter Trautwein

Strahlen brechen viele aus einem Licht.
Unser Licht heißt Christus.
Strahlen brechen viele aus einem Licht –
und wir sind eins durch ihn.

Zweige wachsen viele aus einem Stamm.
Unser Stamm heißt Christus.
Zweige wachsen viele aus einem Stamm –
und wir sind eins durch ihn.

Gaben gibt es viele, Liebe vereint.
Liebe schenkt uns Christus.
Gaben gibt es viele, Liebe vereint –
und wir sind eins durch ihn.

Dienste leben viele aus einem Geist,
Geist von Jesus Christus.
Dienste leben viele aus einem Geist –
und wir sind eins durch ihn.

Glieder sind es viele, doch nur ein Leib.
Wir sind Glieder Christi.
Glieder sind es viele, doch nur ein leib –
und wir sind eins durch ihn.

Dieter Trautwein (1976) in: EG 268.

Elisabeth Fritzl (2021)

GEBET ZUR SYNODE

Wir stehen vor dir, Heiliger Geist,
in deinem Namen sind wir versammelt.

Du, unser wahrer Ratgeber:
komm zu uns,
steh uns bei,
kehre ein in unsere Herzen.

Lehre uns, wohin wir gehen sollen;
zeige uns, wie wir das Ziel erreichen können.

Bewahre uns davor,
als schwache und sündige Menschen
die Orientierung zu verlieren.

Lass nicht zu,
dass Unwissenheit uns auf falsche Wege führt.
Gib uns die Gabe der Unterscheidung,
dass wir unser Handeln nicht von Vorurteilen
und falschen Rücksichten leiten lassen.

Führe uns in dir zur Einheit,
damit wir nicht vom Weg der Wahrheit und der Gerechtigkeit abkommen,
sondern auf unserer Pilgerschaft dem ewigen Leben entgegenstreben.

Das erbitten wir von Dir,
der du zu allen Zeiten und an allen Orten wirkst,
in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn
von Ewigkeit zu Ewigkeit.  Amen. 

VORBEREITUNGSDOKUMENT FÜR DIE SYNODE VORGESTELLT

vaticannews.va

Die Synode will die Gläubigen zu Wort kommen lassen: Das Generalsekretariat der Bischofssynode hat das Vorbereitungsdokument und das Vademecum zur kommenden Weltbischofssynode zum Thema Synodalität veröffentlicht. Der synodale Prozess wird am 9. und 10. Oktober in Rom und am 17. Oktober in den Teilkirchen eröffnet; 2023 wird er dann im Vatikan abgeschlossen.

Ganzer Artikel >>>

https://www.vaticannews.va/de

DAS VORBEREITUNGSDOKUMENT FÜR DIE SYNODE IM WORTLAUT

vaticannews.va

Vatican News dokumentiert an dieser Stelle das Vorbereitungsdokument für die Weltbischofssynode 2023 im Wortlaut in der offiziellen deutschen Übersetzung.

Das ganze Dokument >>>

https://www.vaticannews.va/de





ABSTAND NEHMEN

Benedikt Werner Traut

In Zwischenzeiten
Ballast abwerfen

In Zwischenräumen
Unwesentliches zurücklassen

In Besinnungszeiten
Alltäglichkeiten vergessen

Abstand nehmen von dem,
was zerstreut

Ohne Unterbrechung
können wir nicht leben

Ohne Pause
erfahren wir keine Stille

Ohne Zelt
kommen wir um auf dem Weg

Die Vögel unter dem Himmel wissen davon,
sonst könnten sie nicht fliegen.

Benedikt Werner Traut

DIE ERFÜLLUNG LIEGT IM SEIN UND NICHT IM HABEN

Elmar Gruber

Ich erliege der Versuchung,
dass ich mit Konsum
meinen Lebenshunger stillen möchte.
Ich bin satt und voll,
doch nicht erfüllt;
die Erfüllung liegt im Sein
und nicht im Haben.

Zum Sein gelange ich
in der Begegnung mit den Dingen,
wenn mir ihr Wesen und ihr Sein
etwas bedeuten.
Dazu muss ich sie nicht haben.
Ich brauche einen Mittler,
der die Kraft hat, mich zu verbinden,
mich zu öffnen
für das Herz der Dinge.
Ich muss die Dinge
befreien aus der Umklammerung des Habens.
Was von mir "gehabt" wird,
kann sich mir
nicht schenken.

Ich muss mich
den Dingen schenken;
das geschieht,
indem ich sie verschenke:
da gebe ich sie frei
und werde dabei selber frei.
Erst in dieser Freiheit
"gehören" mir die Dinge wirklich;
jetzt geht ihr Wesen auf,
sie schenken mir ihr Sein.

Ich bin erfüllt von Sein,
das macht mich reich,
auch wenn ich nichts mehr habe.

Elmar Gruber, Sich finden. Eine Glaubens- und Lebenshilfe, München 1981.



REICHTUM

Anthony de Mello

Der Sannyasi hatte den Dorfrand erreicht und ließ sich unter einem Baum nieder, um dort die Nacht zu verbringen, als ein Dorfbewohner angerannt kam und sagte: 'Der Stein! Gib mir den kostbaren Stein!' 'Welchen Stein?' fragte der Sannyasi. 'Letzte Nacht erschien mir Gott Shiwa im Traum', sprach der Dörfler, 'und sagte mir, ich würde bei Einbruch der Dunkelheit am Dorfrand einen Sannyasi finden, der mir einen kostbaren Stein geben würde, so dass ich für immer reich wäre.' Der Sannyasi durchwühlte seinen Sack und zog einen kostbaren Stein heraus. 'Wahrscheinlich meinte er diesen hier', als er dem Dörfler den Stein gab. 'Ich fand ihn vor einigen Tagen auf einem Waldweg. Du kannst ihn natürlich haben.' Staunend betrachtete der Mann den Stein. Es war ein Diamant. Wahrscheinlich der größte Diamant der Welt, denn er war so groß wie ein menschlicher Kopf. Er nahm den Diamant und ging weg. Die ganze Nacht wälzte er sich in seinem Bett und konnte nicht schlafen. Am nächsten Tag weckte er den Sannyasi bei Anbruch der Dämmerung und sagte: 'Gib mir den Reichtum, der es dir ermöglichte, diesen Diamanten so leichten Herzens wegzugeben.'

Anthony de Mello, Warum der Vogel singt, Freiburg-Basel-Wien 1992.



Meditation

ICH FREUE MICH …
wenn ich höre, dass jemand unterwegs ist. Was heißt das? Dass dieser Mensch nicht verschlossen ist, dass er nicht stillsteht. Unterwegs! Auf dem Weg hin zu einem ganz bestimmten Ziel, auf der Suche nach etwas: Oft weiß ich nicht, wohin ich gelangen werde, aber ich bin auf der Suche. Das ist unserem Urvater Abraham widerfahren, zu dem der Herr gesagt hat: „Mach dich auf, geh! Geh voran!“ „Wohin?“ „Ich werde es dir sagen!“ Und er ist nicht zum Bahnhof gegangen, um eine Fahrkarte für einen bestimmten Ort zu lösen. – Er hat sich auf Wanderschaft begeben: er wusste nicht wohin, aber er vertraute auf den Herrn. Das ist eine der Eigenschaften der Christen: unterwegs sein.

Papst Franziskus

AUS LIEBE GESCHAFFEN

Beatrix Senft

Mann und Frau
geschaffen
aus göttlichem Plan

geschaffen aus Liebe
nach Gottes Bild

ausgestattet
mit seiner Liebe
seinem Atem

beide ausgestattet
mit vielen Fähigkeiten
mit vielen Veranlagungen

in die Welt gestellt
sich zu unterstützen

weil der Weg
durch diese Welt
alleine zu schwer ist

zwei Menschen
die sich ihrer Nacktheit
nicht schämen müssen

die sich anschauen können
so wie sie sind

Menschen
die in Liebe
miteinander
in die Anfechtungen
des Lebens gestellt sind

ein Bund -
ersehnt für ein ganzes Leben

auch hineingestellt
in ein „Scheitern-können“

dann verurteilt?
verdammt?

Jesus spricht
zu den „Norm-Erfüllern“
sie sollen den ersten Stein werfen
wenn sie ohne Schuld sind

schenkt der Frau
in ihren „Bruch“ -
ihr Scheitern -
hinein
die Chance für einen
Neuanfang

einen Neuanfang
der vielleicht
in ein neues Miteinander
führen kann

vielleicht aber auch
in das Gehen getrennter Weg
weil nur so ein Leben
in Frieden
möglich ist

der
der uns aus Liebe schuf
er weiß um uns
um unser Vermögen
und um unser Unvermögen

darum hat er uns
in Jesu
seine Liebe
und
sein Gnädig-Sein
ganz neu
offenbart

und uns aufgefordert
auch liebend
und des anderen Wohl wollend
zu sein

Beatrix Senft, unveröffentlicht.

DU BIST NICHT, GOTT, WO UNRECHT GESCHIEHT

Anton Rotzetter

Du bist nicht, Gott, wo Unrecht geschieht.
Es sei denn auf der Seite der Benachteiligten.
Du bist nicht, Gott,
wo man auf Kosten der anderen lebt.
Es sei denn auf der Seite der Armen.


Du bist nicht, Gott,
so man die Güter des Lebens anhäuft.
Es sei denn auf der Seite der Ausgeschlossenen.
Darum will ich dich suchen in der Gerechtigkeit
und bei den Benachteiligten,
Armen, Ausgeschlossenen.

Aus: Rotzetter Anton, Gott, der mich atmen lässt. Gebete des Lebens. Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1994.



GUTES FINDEN

unbekannte Herkunft

Herr, du weißt, daß ich altere und bald alt sein werde.
Bewahre mich davor, daß ich schwatzhaft werde,
und vor der fatalen Angewohnheit, bei jeder Gelegenheit
und über jedes Thema mitreden zu wollen.
Befreie mich von der Einbildung, ich müsse anderer
Leute Angelegenheiten in Ordnung bringen.

Bei meinem ungeheuren Schatz an Erfahrung und
Weisheit ist es freilich ein Jammer, nicht jedermann
daran teilnehmen zu lassen. Aber du weißt, Herr,
daß ich am Ende ein paar Freunde brauche.

Ich wage nicht, dich um die Fähigkeit zu bitten,
die Klagen meiner Mitmenschen über ihre Leiden mit
nie versagender Teilnahme anzuhören. Hilf mir nur,
sie mit Geduld zu ertragen, und versiegle meinen Mund,
wenn es sich um eigene Kümmernisse und Gebrechen
handelt. Sie nehmen zu mit den Jahren, und meine
Neigung, sie aufzuzählen, wächst mit ihnen.

Ich will dich auch nicht um ein besseres Gedächtnis
bitten, nur um etwas mehr Demut und weniger Selbst-
sicherheit, wenn meine Erinnerung nicht mit der anderer
übereinstimmt. Schenke mir die wichtige Einsicht,
daß ich mich gelegentlich irren kann. Hilf mir,
einigermaßen milde zu bleiben.

Ich habe nicht den Ehrgeiz, eine Heilige zu werden
(mit manchen von ihnen ist so schwer auszukommen).
Aber ein scharfes altes Weib ist eins der Meisterwerke des Teufels.
Mache mich teilnehmend, aber nicht sentimental,
hilfsbereit, aber nicht aufdringlich.

Gewähre mir, daß ich Gutes finde bei Leuten,
wo ich es nicht vermutet habe. Und schenke mir, Herr,
die Liebenswürdigkeit, es ihnen auch zu sagen.

Gebet einer Äbtissin, in: EG Rheinland 979.

SO WIE EIN KIND

Beatrix Senft

so wie ein Kind

täglich neu lernen

ehrlich sein –
nicht um den heißen Brei herumreden

mit Neugier und Interesse
auf das Gegenüber
zu-gehen

versinken können im Augenblick

sich mal richtig zanken können

Streit schnell beenden

Bereitschaft zu teilen

sich freuen können wie ein König

mit großen Augen
schauen und
staunen

mit der Ausstrahlung von Glück
lachen können
bis zum Umfallen


dem Gegenüber mal schnell
sagen können
„ich hab'dich soooo lieb“

sich vertrauensvoll in die Arme
der Eltern
fallen lassen

ich will es „wachküssen“
das Kind in mir

damit Leben
wieder
besser
gelingt

                                                                         Beatrix Senft, unveröffentlicht.

GEBET FÜR UNSERE ERDE

Franziskus (Papst)

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.

Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen,
dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

Ermutige uns bitte
in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Aus: Enzyklika Laudato si’, von Papst Franziskus, Rom 2015.



DIE MACHT DES NAMENS GOTTES

Antony de Mello

Gandhi glaubte fest an die Macht des Namens, sogar so fest, daß er allein ihm die Fähigkeit zuschrieb, physische Krankheiten zu heilen. Er bezeichnete ihn als ,,die Arznei des armen Mannes" und erklärte sogar, er werde nie an einer Krankheit sterben. Wenn das dennoch geschähe, könnte die Welt ihm einen Grabstein mit der Aufschrift „Heuchler“ setzen.
Ein paar Monate, bevor er im Alter von 78 Jahren starb, pilgerte er unverdrossen barfuß durch die von Aufständen geschüttelten Gebiete Bengalens. Hier und da erlitt er heftige Anfälle von Ruhr; aber stets weigerte er sich, Medikamente dagegen einzunehmen, weil, wie er behauptete, die Rezitation des Gottesnamens ihn durchbringen würde; das schien sie auch immer zu tun, so daß er sich bis zum Tag seiner Ermordung einer guten Gesundheit erfreute.


Aus: Anthony de Mello: Von Gott berührt; Die Kraft des Gebetes; Verlag Herder 1992.



ZITATE

diverse

Am besten überzeugt man andere Ohren indem man ihnen zuhört.
(Dean Rusk)


Der andere, der uns anspricht, will nicht unsere, wie wir meinen, kostbaren Ratschläge und Rezepte, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben. Er will nur erfahren, dass einer ihn versteht, verstehen will.


Wenn doch das Ohr reden könnte.
(Stanislaw Jerzy Lec)


Wenn das Beichtgeheimnis und die Schweigepflicht nicht wären, könnten wir nicht nur unsere Neugier eher zufriedenstellen, wir müssten auch, weil wir dann einen Einblick in die andere, verborgene Seite der Wirklichkeit hätten, sehr viele Meinungen über Menschen oder Dinge revidieren.


Der Erfolgreiche hört nur Händeklatschen. Sonst ist er taub.
(Elias Canetti)

Applaus verführt zur Arroganz. Der Widerspruch, Buhrufe und Protest bewahren uns davor, dass wir selbstgefällig auf uns schauen.


Immer klopfen sie, oder sie machen Musik, immer bellt ein Hund, marschiert dir jemand über deiner Wohnung auf dem Kopf herum, klappen Fenster zu, schrillt ein Telefon - Gott schenke uns Ohrenlider.
(Kurt Tucholsky)

Das Ohr, ein wehrloses Organ, muss sich viel gefallen lassen: phonstarke Umweltgeräusche; den Missbrauch von Musik als Lärmkulisse; unnütze Geschwätze und Worte, die wehe tun. Wir gestatten vielem Gesindel den Eintritt in unseren persönlichen Bereich.

 

DIE WEISSEN ODER DIE SCHWARZE

Antony de Mello

Ein Schäfer weidete seine Schafe, als ihn ein Spaziergänger ansprach. "Sie haben aber eine schöne Schafherde.

Darf ich Sie etwas in bezug auf die Schafe fragen?" - "Natürlich", sagte der Schäfer. Sagte der Mann: "Wie weit laufen Ihre Schafe ungefähr am Tag?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" - "Die weißen." - "Die weißen laufen ungefähr vier Meilen täglich." - "Und die schwarzen?" - "Die schwarzen genausoviel."

"Und wieviel Gras fressen sie täglich?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" - "Die weißen." - "Die weißen fressen ungefähr vier Pfund Gras täglich." - "Und die schwarzen?" "Die schwarzen auch." - "Und wieviel Wolle geben sie ungefähr jedes Jahr?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" "Die weißen." - "Nun ja, ich würde sagen, die weißen geben jedes Jahr ungefähr sechs Pfund Wolle zur Schurzeit." - "Und die schwarzen?" - "Die schwarzen genausoviel."

Der Spaziergänger war erstaunt. "Darf ich Sie fragen, warum Sie die eigenartige Gewohnheit haben, Ihre Schafe bei jeder Frage in schwarze und weiße aufzuteilen?" -"Das ist doch ganz natürlich", erwiderte der Schäfer, "die weißen gehören mir, müssen Sie wissen." - "Ach so! Und die schwarzen?" - "Die schwarzen auch", sagte der Schäfer.

Der menschliche Verstand schafft törichte Kategorien, wo Liebe nur eine sieht.

Aus: Anthony de Mello, Warum der Schäfer jedes Wetter liebt. Weisheitsgeschichten. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1988, 1998 (3).



SPRICHWORT

Adalbert L. Balling

Bleibt noch der Rat eines Sprichwortes:
Weise Leute haben den Mund im Herzen.  

Aus: Adalbert Ludwig Balling, Aller guten Dinge sind drei. Missionsverlag Mariannhill, Würzburg 1997.



VIEL KÄLTE IST UNTER DEN MENSCHEN"

Sonntagsgruß - Konvent der Kamillianer

weil wir es nicht wagen, uns so freundlich zu zeigen, wie wir wirklich sind“, sagte der Arzt Albert Schweitzer.
Diesen Satz hänge ich von Zeit zu Zeit an unsere Pin-Wand im Klinikflur vor der Kirche. Es liegt mir sehr am Herzen, Menschen damit aufzurütteln.

Leute, denen ich unterwegs begegne, schaue ich freundlich an oder grüße sie. Auf ihren Gesichtern sehe ich manchmal die Reaktion:
Kenn ich die? ...Meint sie jemand anderen? …. Oder: Spinnt die? ….
(Auch Kinder sind es nicht gewohnt, von anderen freundlich bemerkt zu werden: verwirrte, gar erschreckte Gesichtsausdrücke sind oft die Antwort.)

Aus: Sonntagsgruß 35/2015 (Jahrgang 90), Konvent der Kamillianer Freiburg 2015.



Maria,
du Königin, aufgenommen in den Himmel,
du Zeichen ewigen Menschseins.
An dir zeigt uns Gott,
was die Auferweckung Jesu
für alle Menschen bedeutet.
Nichts geht verloren von dem,
was ich in meinem körperlichen Dasein gelebt
und erlebt habe.
Ich - all das, was mich ausmacht,
was "eigentlich" zu mir gehört -,
werde nicht in Verwesung enden.
Der Tod hat keinen Stachel mehr.
Und was ich als Verwesung sehe,
ist ein Geschehen des Lebens, nicht des Todes.
Was meine unerlösten Augen noch sehen
als Leben und als Tod,
das wird eins - im ewigen leben.
Du Königin,
aufgenommen in den Himmel,
bitte für mich!

Aus: Elmar Gruber, Maria - Weg des Glaubens, Meditationen, München.

 

 

 

 

KLIMABERICHT SAGT DRASTISCHE KLIMAWANDEL-FOLGEN VORAUS

zeit.de

Genf (dpa) - Mehr Hitzewellen, Dürren und Starkregen: Der menschengemachte Klimawandel beschleunigt sich, und das mit verheerenden Folgen, wie aus dem neuen Bericht des Weltklimarats hervorgeht.

Ganzer Bericht:
https://www.zeit.de/news/2021-08/09/weltklimarat-veroeffentlicht-bericht-zum-klimawandel

Zeit online 9. August 2021, 18:32 Uhr Quelle: dpa

ACHTSAM SEIN
Nicolaus Klimek

Bin ich bereit, die Wüste ganz zu durchqueren?
Nehme ich Stärkung und Beistand auf dem Weg als Hilfe Gottes wahr? - Oder bin ich fixiert auf die vermeintlich besseren Zeiten und die "spektakulären" Zeichen?
Wage ich den Aufbruch, um neu auf mein Leben und meinen Gott zu achten? - Oder bleibe ich lieber im Schmollwinkel?
Lasse ich Gott Gott sein und auf seinem Weg in die Welt kommen? - Oder nehme ich Gottes Willen nur wahr, wenn er dem meinen entspricht?

Gott, ich bitte dich,
sende mir deinen Engel, wenn ich mutlos bin.
Lass mich achtsam sein auf dein leises Wort
in unserer lauten Welt.
Schenke mir deine Nähe in Wort und Weisung
für meinen Weg, damit ich auf-breche
in deine und meine Zukunft. Amen.

Aus: Nicolaus Klimek; Elija - auch ganz unten ist Gott nahe. in: Deutscher Katecheten-Verein; Abraham & Co. München 2007.


SÄTTIGUNG

Beatrix Senft

An reich gedecktem Tisch
die einen

mit Schalen
kaum gefüllt
die
die so weit weg
uns scheinen

du lädst uns
alle ein
zu schauen
was wir haben

doch Dank
zu sprechen

es schaffen
eher
die Armen

weil sie noch
teilen
was sie haben

damit alle
etwas
haben

im Überfluss
wir kaum sehen -
weil wir
schon nach dem Nächsten
spähen -

der Buffetbauch
übervoll

ich fühl mich
gar nicht toll

oft sitz ich dann
am Tisch allein

die anderen
wandern
schon wieder
zum Buffet-Schrein

die Speisen
die wir haben
sie sollen
uns doch laben

schenk Zeit
HERR
dass
wir speisen

und lass
unser Denken
nicht nur
um
unseren Teller
kreisen

Beatrix Senft, unveröffentlicht

DER GROSSE HERR ICH

Phil Bosmans

Jeden Tag begegnen wir Herrn Ich.
Herr Ich ist leicht zu erkennen.
Er sagt immer: Ich, ich, ich.
Herr Ich ist voll von sich.
Seine Worte sind die wichtigsten,