Das  JAHR   2024

  •                       W
    IR BRAUCHEN EINANDER

    Friedrich Funke

    Den einen, weil wir ihn lieben oder er uns liebt,
    den anderen, weil wir ihn nicht lieben oder weil er uns nicht lieben kann,

    den einen, weil er uns kritisiert,
    den anderen, weil er nachgiebig ist mit uns,

    den einen, weil er uns Härte spüren lässt,
    den anderen, weil er nachgiebig ist mit uns,

    den einen, weil er unser Leben in Frage stellt,
    den anderen, weil er uns bestätigt,

    den einen, weil wir Verbindung und Nähe erfahren,
    den anderen, weil wir Distanz und Abstand lernen müssen,

    den einen, weil wir tiefe innere Einheit erfahren,
    den anderen, weil wir Andersartigkeit kennenlernen,

    den einen, weil er uns zu uns selbst führt,
    den anderen, weil er uns zu den Mitmenschen führt,

    den einen, weil er uns Stütze ist,
    den anderen, weil wir ihm Stütze sein können,

    den einen, der uns sagt, was wir tun sollen,
    den anderen, der uns schweigt und uns selbst den Weg finden lässt,

    den einen, der uns immer wieder auf Gott aufmerksam macht,
    den anderen, durch den Gott uns auf etwas aufmerksam macht.

    Wir brauchen einander
    in den verschiedenen Situationen des Lebens
    und so vielfältig unser Leben ist, so vielfältig können auch unsere Beziehungen zu Mitmenschen sein,
    so vielfältig können die Beziehungen in unseren Gemeinschaften sein,
    so vielfältig kann Kirche sein,
    als Ort, wo wir Menschen einander in seinem Namen begegnen.

    Friederike Ferstl, in: Lebenszeichen aus der Stille, Wien 1995.

     

     

     

     

    EIN NEUES HERZ

    Dorothee Sölle

    schaffe in mir gott ein neues herz
    das alte gehorcht der gewohnheit
    schaff mir neue augen
    die alten sind behext vom erfolg
    schaff mir neue ohren
    die alten registrieren nur unglück
    und eine neue liebe zu den bäumen
    statt der voller trauer
    eine neue zunge gib mir
    statt der von der angst geknebelten
    eine neue sprache gib mir
    statt der gewaltverseuchten
    die ich gut beherrsche
    mein herz erstickt an der ohnmacht
    aller die deine fremdlinge lieben
    schaffe in mir gott ein neues herz
    und gib mir einen neuen gewissen geist
    dass ich dich loben kann
    ohne zu lügen
    mit tränen in den augen
    wenns denn sein muss
    aber ohne zu lügen

    Dorothee Sölle

     

     

     

     

    GEBET ZUM HEILIGEN GEIST

    Antony Kolencherry

    Heiliger Geist,
    eins mit dem Vater und dem Sohn,
    deine schöpferische Kraft erfüllt das All mit Glanz und Herrlichkeit.
    Atme in mir deinen Atem des Lebens, der Weisheit und der Menschlichkeit,
    damit ich Zeuge von deiner unendlichen Güte bin.
    Dein lebendiges Feuer möge mich beflügeln,
    mein Inneres durchdringen,
    mich erwärmen und heiligen.
    Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe,
    damit ich das Böse besiege,
    die Angst überwinde,
    Freundschaften schließe
    und zur Versöhnung beitrage.

    Heiliger Geist,
    du Feuer und Flamme,
    hilf mir, die Liebe zu entzünden,
    die Herzen zum Glühen zu bringen,
    den Geist zu erfrischen und die Sinne zu erfreuen.
    Beschenke mich mit deinen himmlischen Gaben
    und verwandle mich, damit ich umkehre, wo Umkehr notwendig ist,
    und neu beginne.
    Leite mich auf den rechten, ebenen Pfaden
    und mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
    damit ich in den Familien und Gemeinden der Einheit und Eintracht diene.

    Heiliger Geist,
    ich danke dir, dass ich bei dir so wunderbar geborgen bin.
    Sei gepriesen heute und in alle Ewigkeit. Amen.

    P. Antony Kolencherry, Kloster Visitation, 4500 Solothurn, Schweiz.


     

     

     

    Zitat

    Schön zu leben, sage ich,
    obwohl vieles dagegen sprich
    Ich weiß...,
    und wer wüsste nicht...

    Schön zu leben, sage ich heute,
    obwohl ich gestern anderer Meinung war,
    und morgen.
    Was soll’s

    Schön zu leben,
    auf unserem blauen Planeten,
    in dieser Gegend,
    zu dieser Zeit,
    mit diesem umgrenzten Ich.

    Schön zu leben
    und den unvollkommenen Menschen zu lieben,
    dessen Geheimnis zu beweisen ich mich schäme.

    Schön zu leben,
    weil es Dich gibt,
    Nazarener,
    und dein Manifest
    der Hoffnung, an das ich glaube.

    (D. Block)

    MENSCH, ICH HAB DICH GERN

    Phil Bosmans

    Mensch, ich hab dich gern“ –
    sag es weiter mit Worten oder ohne Worte.
    Sag es mit einem Lächeln,
       mit einer Geste der Versöhnung
       mit einem Händedruck
       mit einem Wort der Anerkennung
       mit einer Umarmung
       mit einem Kuss
       mit einem Stern in deinen Augen.

     

    Aus: Phil Bosmans; Vergiß die Freude nicht. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 1976.

     

    DIE LIEBE

    Elmar Simma

    Die Liebe

    ist langsam im Urteilen und verurteilt nicht,
    bejaht den anderen nicht nur um seiner Leistung willen,
    will dem anderen das Beste,
    kann auch andere Meinungen gelten lassen,
    ist unendlich geduldig,
    nörgelt nicht, wo es dem anderen nichts hilft,
    kritisiert nicht hinter dem Rücken,
    sagt ein offenes Wort, wo es sein muss,
    taktiert nicht um des eigenen Vorteils willen.

    Die Liebe glaubt alles - hofft alles - hört nie auf!

    Aus: Elmar Simma "Hätte aber die Liebe nicht" Gedanken, Impulse, Geschichten für sozial Engagierte und die Caritas-Arbeit heute , Ott-Müller-Verlag,Salzburg,Wien.

                                           
    SEGEN AM TAG

    Rainer Bareis

    Gott, ich möchte mich wandeln.
    Doch an einem einzigen Tag
    kann ich kein anderer Mensch werden.

    Ich will gut sein.
    Lass mich mit einer guten Tat beginnen.

    Ich möchte froh sein
    lass mich die kleinen Dinge,
    die am Wegesrand liegen, sehen.

    Hilf mir,
    dass ich mein Herz
    für dich und für die Menschen öffnen kann.

    Hilf mir,
    dich in meiner Welt zu sehen
    und zu finden.

    Segne mich
    für diesen Tag.

    Aus: Rainer Bareis; Segen. Du bist gesegnet! Segenswünsche, Segensgebete. Kehl Sadifa Media 2007.

     

     

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Helene Renner (2021)

Wer in mir bleibt
und in wem ich bleibe
der bringt reiche Frucht.

Unser aller Leben
kann nur gelingen
in Einheit mit dir, unserem Gott:

Wenn wir uns an dich binden
wenn wir uns an dir festhalten
wenn du unsere Nahrung bist
wenn du unsere Mitte bleibst.

Wenn wir in dir bleiben
können wir Frucht bringen
reiche Früchte:

Früchte der Barmherzigkeit
Früchte der Zuwendung
Früchte der Verantwortung
Früchte der Liebe.

Wir sind hier bei dir
du bist unsere Speise geworden:
Durchdringe unser Innerstes
gestalte unser Herz
präge unser Denken und Tun
damit wir fruchtbar werden
für dein Reich
und unser Leben
ein erfülltes Leben wird.

 

 

 

MEDITATION  - Ich habe dich beim Namen gerufen

 

Ich habe dich beim Namen gerufen.
So spricht der Herr – ich meine dich – dich ganz persönlich-
Dein Name meint ja nur dich allein.

 

Du bist nicht nur Einerlei – ein Rädchen im Getriebe.
Du bist mehr als nur ein austauschbares Teil in der Weltmaschine.
Du bist kostbar in meinen Augen – mit allen deinen Anlagen, Fähigkeiten.

 

Auch mit deinen Schwächen habe ich dich gerufen.
Und ich will dich immer wieder neu ansprechen und aufrufen:
Leb dein Leben mit mir!

 

Und ich mache mich mit dir auf den Weg, du brauchst in nicht allein zu gehen.

 

Höre hin auf meinen Ruf, und wirst erkennen,
welche Aufgabe ich dir zugedacht habe, wohin ich dich senden möchte.

 

Und halte dich an das Beispiel meiner Mutter!

 

Sie kann dir zeigen, wie man hinhören und Gottes Willen erkennen kann.
Sie kann dir zeigen, wie man sich auf Gottes Ruf einlassen,
wie auch dein Leben Inhalt und Sinn erfahren kann.

 

An der Hand deiner Mutter kannst du ganz neu zu Gott,
zu den Menschen und zu dir selbst finden.

 

Auch sie habe ich beim Namen gerufen – Unauffällig und unscheinbar wie sie war ...

 

Und sie ist auf meinen Anruf eingegangen...

 

aus: Lass mich den Weg begreifen –

Spurensuche Berufung © Canisiuswerk 2000

 

 

 

 

 

 

Gebet:

Herr, in dieser Zeit der Probleme und Schwierigkeiten in der Kirche bitten wir dich besonders um Hirten, die deine Herde umsichtig führen und leiten. Wir können sie nicht erwählen und nicht berufen. Du musst es tun. Schicke uns Hirten, wie du einer warst.

Herr, gib uns Seelsorgerinnen und Seelsorger aus Fleisch und Blut, die unsere "Sprache" sprechen, unsere Nöte teilen, die jeden von uns ernst nehmen. Schenke allen Seelsorgerinnen und Seelsorgern einen starken Glauben und eine glühende Liebe, unerschöpfliche Geduld und echte Weisheit, aber auch Demut und Mut!

Herr, schicke uns Seelsorgerinnen und Seelsorger, die uns nachgehen, die für uns Zeit haben, die mit uns beten und feiern, weil du ihr und unser aller Vorbild bist.

(nach Paul Roth)

 

 

 

MEDITATION

 

Guter Gott, ich bin unterwegs mit anderen.

 

Ich möchte sie mitgehen lassen, aber ich habe selber Probleme, Fragen, Sorgen und weiß oft nicht, wie mein Weg weitergeht.

 

Ich möchte sie mit leben lassen, aber ich fühle mich überfordert.

 

Ich möchte die Fragen anderer hören und höre oft nur die meinen.

 

Ich möchte anderen Mut und Hoffnung machen und spüre selber die Angst in mir.

 

Ich möchte andere nicht abhängen und stehen lassen, aber ich schleppe mich selbst dahin.

 

Ich möchte anderen sagen, dass du der Weg und das Leben bist - und kann es selber nur ahnen. Und trotzdem möchte ich den Weg wagen, der zu den Menschen geht.

 

Es wird ein Weg mit Rückschlägen, Enttäuschungen und Umwegen sein, aber auch ein Weg der Freude und neuer Erfahrungen.

 

Ich möchte den Weg zu den Menschen gehen, weil sich dadurch vielleicht für andere eine Welt ändern kann.

 

Ich möchte den Weg gehen, weil du den Weg für uns Menschen gegangen bist, weil du einer von uns geworden bist, weil wir dadurch wissen, dass der Weg sinnvoll ist und ein Ziel hat. Weil wir auf diesem Weg vielleicht auch dir begegnen …

 

 

 

 

 

GEMEINSCHAFT

Martina Kreidler-Kos

endlich
nicht der nabel der weit sein
nicht in meiner unvollkommenheit
schon alles

nicht alleine vollständig
endlich
ich darf so bedürftig sein
immer einer ergänzung wert

ich bin ein halbes geschöpf
und ohne andere nicht ganz
endlich

der mensch ist nur im doppelpack gut
nur in der vielzahl großartig

der mensch ist als menschheitsfamilie gedacht
endlich

das zauberwort der zukunft heißt nicht ich
das zauberwort der zukunft heißt zusammen

 

Martina Kreidler-Kos

 

NOCH EINE MÖGLICHKEIT

Friedrich Dietz

Ein Junge versuchte, einen schweren Stein fortzuheben. Aber so sehr er sich auch plagte, der Stein ließ sich nicht bewegen. Niedergeschlagen berichtete er es seinem Vater.
"Und du hast alles versucht, um den Stein zu heben?", fragte der Vater.
"Natürlich!", rief der Junge gereizt.
"Nein", sagte der Vater gelassen, "eine Möglichkeit hast du noch nicht probiert: Du hast mich nicht gebeten, dir zu helfen."

 

Aus: 2 Minuten vor dem Tag, Friedrich Dietz, Parzeller/Butzon&Bercker.

 

 

 

AUCH DAS IST AUFERSTEHUNG

Verfasser unbekannt

Steh auf
Wenn dich jemand erniedrigt hat
Wenn dich jemand geschlagen hat
Wenn du dich verraten fühlst -
Auch das ist Auferstehung.
Steh auf
Wenn du meinst, es geht nicht mehr weiter
Wenn du niedergeschlagen bist
Wenn du aufs Kreuz gelegt worden bist -
Auch das ist Auferstehung.
Steh auf
Wenn dich die Probleme rundherum niederdrücken
Wenn du dich am Boden zerstört fühlst -
Auch das ist Auferstehung.
ER ist auferstanden,
nachdem sie ihn verlassen, verraten, verkauft haben
gefoltert, gekreuzigt und getötet.

Verfasser unbekannt

                                                                                                                               S
TEINE BEWEGEN

Johann Pock, Hans Pock

Wer rollt den Stein weg
            vom Grab der Ichsucht
            von erdrückenden Beziehungen
            von niederdrückenden Worten?

Da war einer
            der sprengte sein Grab
            indem er sich
            für andere aufopferte.

Da waren Frauen,
            die sich nicht einschüchtern ließen,
            die Hoffnung gegen Resignation setzten,
            die glaubten, wo alles zu Ende schien.

Ostern ist das Fest
            wo Steine bewegt werden,
            wo sich Gräber öffnen
            wo Licht die Dunkelheit durchbricht,

Ostern geschieht heute,
            wenn ich die Steine in mir selbst
            bewegen lasse
            und dadurch frei werde
            für den Aufbruch in ein neues Leben.

Johann Pock, Ostern 2008 - Siehe Liste der Mitarbeiter


AUFERSTEHEN

Helene Renner


Wo Menschen
aus ihrer Enge finden

Wo Hoffnung
neu entsteht

Wo Zuversicht
wachsen kann

Wo Ängste
überwunden werden

Wo Versöhnung
geschieht

Wo Freude
das Leben prägt

Wo Türen
plötzlich offen stehen

Wo Steine
weggewälzt werden

Wo Liebe
spürbar wird
Überall da
ist Auferstehung

 

 Österliche Bußzeit




KARFREITAG

Ilse Pauls

Wenn der Vorhang
unseres Lebens zerreisst -
was werden wir sehen?
Unsere Schuld?
Unsere Versäumnisse?
Das wird alles
draußen bleiben. -
Unsere Augen
werden übergehen ins Licht,
Du selbst wirst uns
die Tränen abwischen.
Selig sind die,
die geweint haben. -
Du wirst mich rufen,
und ich werde
Deine Stimme erkennen.
Du wirst mich
beim Namen rufen
und ihn zärtlicher sagen
als jemals ein Mensch -
und ich werde wissen:
Ich bin am Ziel.

Aus: Ilse Pauls, Auf dem Weg. Gedichte und Gebete. Edition Club d'Art - International, Klagenfurt 2009.

VERWANDLUNG

Lothar Zenetti

Gestern
die Verwandlung
des Wassers in Wein

Heute
die Verwandlung
des Weines in das Blut des Herrn

Morgen
die Verwandlung
meines Sterbens in sein Auferstehn

 

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2006.

 

Meditation

Helene Renner (2020)

Jesus Christus
mit dir will ich aufstehen

gegen Not und Tod
gegen Folter und Leiden
gegen Armut und Elend
gegen Hass und Terror
gegen Zweifel und Resignation
gegen Unterdrückung und Zwang

Mit dir will ich aufstehen
gegen alles, was das Leben behindert

Mit dir will ich einstehen
für alles,
was das Leben fördert

Es genügt nicht
Hosanna, Hosanna zu rufen

darum
sei du meine Kraft
dass ich aufstehe mit dir

GOLGOTA

Fritz Möser

Golgota ist der Ort, an dem wir nicht vorbeikommen,
wollen wir denn Christus glauben.
Golgota war gestern, ist heute, wird morgen.
Golgota, der Börsenmarkt,
Golgota, das Elendsviertel,
Golgota, der Schlacht- und Viehhof,
Golgota im Präsidentenpalast.
Golgota hinter Stacheldraht.
Golgota ist überall.
Da, wo ein Mensch gequält wird, ist Golgota.
Golgota ist weit weg.
Golgota ist nahe bei uns.
Golgota ist überall...

 

Fritz Möser, in: Wo meine Sehnsucht ein Zuhause hat, Ein Firmkurs, Leseheft für Jugendlich, München 1999.

 

 

 

 

KORN, DAS IN DIE ERDE VERSINKT

Jürgen Henkys

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

 

 

 

ZUR WELTLAGE

Christine Busta

"Fürchtet euch nicht!", sagt einer
und stützt sich dabei auf sein Panzerfahrzeug.

"Fürchtet euch nicht!", spricht ein anderer
und winkt uns mit der Neutronenbombe.

Zwischen beiden geht ein Geschundener
wehrlos hindurch und schleppt sein Kreuz.

Aus: Christine Busta, Wenn du das Wappen der Liebe malst. Gedichte. Otto Müller Verlag, Salzburg 1995 (1981).

ICH SCHAUE IHN AN UND ER SCHAUT MICH AN

Quelle unbekannt

Der Pfarrer von Ars ging eines Tages in seine Kirche
und sah dort einen einfachen Bauern knien.
Er dachte sich nichts dabei.
So viele Menschen kamen den Tag über in seine Kirche,
um „dem lieben Gott“ von ihren Sorgen zu erzählen.
Als er aber nach einer Stunde wieder in die Kirche kam
und den Bauer immer noch knien sah, ging er auf ihn zu und fragte ihn:
„Sag mal, was sagst du dem lieben Gott da eigentlich die ganze Zeit?“
Darauf entgegnete der Bauer ihm nur:
„Eigentlich gar nichts, Herr Pfarrer“.
Auf den Tabernakel deutend fuhr er nur fort:
„Ich schaue ihn an – und Er schaut mich an. Das ist genug."

 

Quelle unbekannt

 

SIEBEN WAHRHEITEN

Peter Dyckhoff

Wohl dem, der in seinem Inneren eine leise Stimme hört, die ihm die Botschaft Gottes vermittelt.
Wohl dem, der Ohren hat, die wahrhaft hören, und der sich nicht durch unwahres Zuflüstern täuschen lässt.
Wohl dem, der Augen hat, die sich zeitweilig dem Äußeren verschließen, um nach innen zu blicken und die zarten Regungen der Seele wahrzunehmen.
Wohl dem, der Zugang zu seiner Seele hat, die ihm himmlische Geheimnisse offenbart.
Wohl dem, der durch sein Gebet das Ewige berührt und aus dieser Kraft sein Leben gestaltet.
Wohl dem, der keine neuen Hindernisse aufschichtet und einen immer weiteren Zugang zur Quelle allen Lebens findet.
Wohl dem, der durch Übungen gelernt hat, seiner Natur zu folgen und sich im Gebet Gott ganz hinzugeben.


DIE ZEHN GEBOTE

Roland Rosenstock

Die 10 Gebote haben die Aufgabe, die Freiheit zu schützen, ihr eine Form zu geben. Sie bewahren die Gemeinschaft und den Einzelnen vor Machtmissbrauch, Misstrauen und Kontrolle, sie schützen auch das Leben der Schwachen und regeln, was mein ist und was dein. Sie bewahren die Beziehungen zwischen Menschen vor dem Zerfall, können wie Bojen Untiefen anzeigen, damit wir unser Schiff durch den Sturm navigieren können, ohne Schiffbruch zu erleiden.

Es geht um ein Leben in Freiheit und Würde.

Es geht um Werte, die für unser Zusammenleben wichtig sind und die Gefahren, die das Zusammenleben in Freiheit gewähren.
Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine Kultur der Ehrlichkeit, des Respekts und der Treue. Ich will die Bedeutung der Zehn Gebote für heute so umschreiben, wie ich sie sehe.

Mein Anliegen ist nicht, neue Gebote zu formulieren, sondern den tiefen Sinn der alten Gebote für uns heute wieder begreifbar zu machen.

Roland Rosenstock, Die Zehn Gebote, und was sie heute bedeuten, Hamburg 2007

 

 

 

Einfache Dinge tun

 

 

Nicht die Sterne vom Himmel holen.

Nicht den Weltraum erobern.

 

Nein, einfache Dinge tun:

Dem Kollegen, der Kollegin, zuhören.

 

Den Kopf eines Kindes streicheln.

Mir die schnippische Antwort verkneifen.

 

Einen Mitmenschen zum Essen einladen.

 

Nicht große Vorsätze fassen.

Nicht die Welt verändern wollen mit einem Schlag.

 

Nein, einfache Dinge tun:

Nicht so oft sagen: Keine Zeit.

 

Nicht alles so selbstverständlich nehmen.

 

Danke sagen.

Signale geben.

Eine Blume schenken.

Nicht den Mund so voll nehmen.

 

Nein, einfache Dinge tun:

Die weggeworfene Zigarettenschachtel aufheben.

 

Keine Picknickreste im Wald liegen lassen.

Den Brief oder das Mail endlich beantworten.

Die fällige Aussprache nicht aufschieben.

 

Oma, Opa, besuchen, ohne Nebenabsichten.

Einfache Dinge tun ...

 

IN DIE WÜSTE

Huub Oosterhuis

Die Steppe wird blühen
Die Steppe wird blühen,
die Steppe wird lachen und jauchzen.
Die Felsen, die stehen seit
den Tagen der Schöpfung,
stehn voll Wasser, doch dicht,
sie werden sich öffnen.
Das Wasser wird strömen,
das Wasser wird glitzern und strahlen,
Durstige kommen und trinken.
Die Steppe wird trinken,
die Steppe wird blühen,
die Steppe wird lachen und jauchzen.

Verbannte, sie kommen
mit leuchtenden Garben nach Hause.
Die gingen in Trauer
bis zum Ende der Erde,
hin auf immer, allein –
vereint kehrn sie wieder.
Wie Bäche voll Wasser,
wie Bäche voll sprudelndem Wasser,
brausend herab von den Bergen.
Mit Lachen und Jauchzen –
die säten in Tränen,
kehrn wieder mit Lachen und Jauchzen.

Der Tote wird leben.
Der Tote wird hören: Nun lebe.
Zu Ende gegangen,
unter Steinen begraben:
Toter, Tote, steht auf,
es leuchtet der Morgen.
Da winkt eine Hand uns,
uns ruft eine Stimme: ich öffne
Himmel und Erde und Abgrund.
Und wir werden horen,
und wir werden aufstehn
und lachen und jauchzen und leben.

 

Übersetzung: Anette Rotherberg-Joerges, © Ekklesia Music Publishing EMP. For the world: Small Stone Media bv, Holland
https://www.koormuziek.nl/files/lyrics/ECC17.1086.03L.pdf

 

 

 

ALTERNATIVES GLAUBENSBEKENNTNIS

Ich glaube an Gott,

der Frieden bringt und Menschen auffordert, sich für den Frieden einzusetzen.

der diese Welt geschaffen hat, damit Glück und Frieden sich ausbreiten können.

der es nicht zulassen will, dass Menschen in Hunger und Elend bleiben und sich gegenseitig töten.

 

Ich glaube an Jesus Christus,

der die Ängste und Nöte eines Menschen erlebt hat:

Er sah zuerst die Leidenden, die Verachteten und Ausgestoßenen.

Er fragte, wo niemand fragte, er schrie, wo alle schwiegen,

und er war bereit, für den Frieden am Kreuz zu sterben.

Ich glaube an Jesus Christus, weil er mir den einzig möglichen Weg zeigt.

 

Ich glaube an den Hl. Geist,

der die Menschen zum Frieden beruft,

der eine Gemeinde schafft,

in der Menschen in Frieden und Geborgenheit,

mehr und mehr frei von Angst leben können.

Ich glaube an den Hl. Geist,

der Gottes unüberbietbare Zukunft des Friedens zu uns bringen wird. Amen.

(Quelle unbekannt)

 

 

 

EIN BISSCHEN WÄRME

 

 

Mutter Teresa

Eines Tages ging ich durch die Straßen Londons. Ich sah einen Mann, der zusammengekauert da saß, er schien einsam und verlassen. Als er mich bat, ich solle mich zu ihm niederbeugen, blieb ich stehen, nahm ihn bei der Hand, schüttelte sie und fragte ihn, wie es ihm gehe. Er blickte auf und sagte: "Nach langer Zeit spüre ich endlich wieder die Wärme einer menschlichen Hand, nach so langer Zeit ..." Seine Augen leuchteten auf, und er setzte sich aufrecht hin. Schon dieses bißchen Wärme einer menschlichen Hand brachte Freude in sein Leben. Du mußt das einmal erleben. Du mußt deine Augen weit öffnen und ebenso handeln.

Aus: Für jeden Tag, Gedanken von Mutter Teresa. Ausgewählt und zusammengestellt von Angelo Devananda.Neue Stadt Verlag, Reihe "Saatkörner", München Zürich Wien 1990.

 

 

MEDITATION :  Alle suchen dich

 

Umdrängt von Menschen mit vielfältigen Nöten

 

sieht Jesus doch jeden Einzelnen.

 

Keiner wird bevorzugt, keiner kommt zu kurz.

 

Alle hat er im Blick, er weiß, was jeweils nottut und hilft ganz selbstverständlich.

 

Er fragt nicht, ob einer innerlich bereit ist

 

schon gar nicht, ob einer der Hilfe würdig ist.

 

Es genügt, bedürftig zu sein, und von ihm Hilfe zu erhoffen.

 

Hilfsbedürftig wie ich selbst bin, möchte ich lernen, einfach da zu sein,

 

wenn Menschen mich suchen, damit er durch mich helfen kann.

 

 

 

 

 

GEBET IN KRANKHEIT

Herr, ich habe Zeit. Viel Zeit.
Als Gesunder dachte ich,
wie schön es wäre, viel Zeit zu haben.

Nun habe ich also Zeit, zwangsweise.
Aber diese Stunden und Tage
sind eine andere Art von Zeit.
Zeit zum Denken und Zeit zum Grübeln,
zum Fragen und auch zum Vorwürfemachen.
Soviel geht mir durch den Kopf.

Herr, ich brauche Dich:
Bewahre mir guten Mut, Vertrauen und Zuversicht,
dass du gut bist zu uns, Deinen Kindern.
Sei du unser Gott in Freude und Leid. Amen.

 

Blaise Pascal
In: Youcat, Jugendgebetbuch. Georg von Lengerke und Dörte Schrömges (Hrsg.). München 2011.

 

 

WORT AUF DEN WEG

 

Ein Wort kann genug sein. Ein Wort das sagt:

 

es ist gut, du darfst hoffen, du darfst getrost nach vorn schauen.

 

Lass alles hinter dir, was hart und dunkel war.

 

Ein Wort kann genug sein. Ein Wort des Dankes das sagt:

 

gut dass du da bist, du bist ein Geschenk des Himmels. Ein Wort kann genug sein.

 

Ein Wort – hineingesprochen in ein verwundetes Herz.

 

Ein Wort, aufgenommen mit aufmerksam hörendem Ohr.

 

Ein Wort kann genug sein - um Unheil in Heil zu verwandeln

 

 

 

 

 

MEDITATION

Was fasziniert? Was fasziniert uns an anderen?

Was fasziniert uns an Jesus?

 

Seine Unbestechlichkeit?

Seine klaren Worte?

Sein tatkräftiger Einsatz für andere?

Seine unbeirrte Suche nach dem Willen Gottes?

Seine Unverfügbarkeit?

 

Wer war Jesus?

Wer ist Jesus?

Wer ist Jesus für mich?                               

Uta Hauf

 

MEDITATION  - Dir nachfolgen

Dir nachfolgen, alles liegenlassen, aufgeben, was vorher war –
für die Jünger war das kein leichter Schritt
und doch: Es war für sie der Schritt zum Leben.
Du hast sie ja gerufen, du, der Erlöser.

Und wenn ich loslassen muss, manches aufgeben von dem, was vorher war,

wenn die Krankheit mich einschränkt und das Leben zur Last wird,
dann lass mich erfahren, dass du mir auch im Dunkeln und im Ungewissen den Halt schenkst,

den ich brauche, um leben zu können.

Dann lass mich erfahren, dass jeder neue Weg –
und mag er noch so schwer sein – ein Weg ist, den du mitgehst,
ein Weg, der einem das Kreuz zwar nicht erspart,
der aber ganz gewiss zur Auferstehung führt.


 

 

MEDITATION

Jesus entdecken - aufmerksam werden

staunen wie ein Kind - mit ihm gehen

hören, was er sagt - sehen, was er tut

wissen wollen, wo er wohnt - sich betreffen lassen

eine Geschichte mit ihm haben

mit seinen Augen sehen, mit seinen Ohren hören

mit seinen Worten beten,

merken, wie Angst schwindet

spüren, wie Vertrauen wächst

ansteckend glauben lernen

erleben, dass Hoffnung trägt

sich lieben lassen und wieder lieben.                                             Eleonore Beck

 

 

Zitat (2009) - ... auch wenn ich ihn nicht sehe

Ich glaube an die Sonne,
     auch wenn sie nicht scheint.
Ich glaube an die Liebe,
     auch wenn ich sie nicht spüre.
Ich glaube an Gott,
     auch wenn ich ihn nicht sehe.

(anonymer Text aus dem Warschauer Getto)

Spuren
am Meer
Spuren im Sand
klar erkennbar
morgen verschwunden
Immer schon
schlagen die Wellen an den Strand
unbeeindruckt vom Fortgang der Zeit
unbeeindruckt von menschlichem Handeln
Warum fühlen wir uns so wichtig
Warum glauben wir, wir könnten die Welt beherrschen
Wir hinterlassen Spuren im Sand
klar erkennbar
morgen sind sie verschwunden

Hinterlassen wir Spuren in den Herzen
Spuren der Liebe
die bleiben

Und blicken wir aufs Meer
Immer schon schlagen die Wellen an den Strand
unbeeindruckt vom Fortgang der Zeit
Nehmen wir uns nicht so wichtig
Schauen wir auf die anderen
Spuren in den Herzen
Spuren der Liebe
die bleiben

 

Edith Furtmann 2024.

 

 

DER HOLZWEG

Lothar Zenetti

Zugegeben,
wir sind auf dem
Holzweg,
wenn wir ihm folgen:

Auf diesem mühsamen Weg
vom Holz der Krippe
im ärmlichen Stall
zum Holz des Kreuzes,
dem Marterpfahl,
an dem er litt.

Dazwischen
der harte Alltag des
Zimmermanns: Holz,
Balken und Latten ringsum.
Bretter, die die Welt
bedeuten. Das war
seine Welt. Holzgeruch
über Jahre hin.

Und nun also ich:
mit dem Brett
vor dem Kopf und dem
Balken im Auge.
Und ich (lacht nur),
ich will ihm nachgehn.

Aus: Lothar Zenetti, Leben liegt in der Luft. Worte der Hoffnung. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2007.

ICH KANN DIE WELT NICHT VERWANDELN

Bruno Griemens

Ich kann den Hass nicht besiegen,
nicht den Krieg, nicht die Armut,
nicht den Hunger, nicht die Einsamkeit,
nicht die Krankheit und nicht den Tod.
Doch ich kann
die Hand zur Versöhnung ausstrecken,
Vergeltung unterlassen,
von meinem Reichtum etwas abgeben,
auf übermäßigen Konsum verzichten,
unvoreingenommen auf Menschen zugehen,
da sein, wenn ich gebraucht werde.
Das alles hebt die Welt nicht aus den Angeln,
macht sie aber allemal menschlicher.
Ich will nicht aufgeben,
diese kleinen Schritte zu gehen,
weil ich an ihre Wirkung glaube.

Aus: Bruno Griemens, online tot he he@ven. Jugendgebete. Butzon & Bercker Verlag / Verlag Haus Altenberg, Kevelaer 2012 (2009).

GESPRÄCH AM DREIKÖNIGSTAG

Ilse Pauls

Sterndeuter wollten wir sein
den richtigen Weg finden
die eine Wahrheit suchen -
rein wie Gold
das Gebet finden -
heilsam wie Weihrauch
bittere Myrrhe des Leidens
in Tränen verwandeln
ankommen wollten wir
im Geheimnis des Lebens.

Aus: Ilse Pauls: Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2013.

 

Helene Renner (2019)

Meine Zeit steht in deinen Händen

Guter Gott, ein neues Jahr liegt vor uns
Geschenk des Lebens - Geschenk deiner Liebe
es ist nicht selbstverständlich dieses neue Jahr
Pläne und Hoffnungen
Angst und Mutlosigkeit
Termine und Begegnungen
Enttäuschungen und Zuversicht -
was wird dieses Jahr für uns sein?

Du rufst uns heraus aus dem Dunkel der Nacht
du schenkst Licht, du öffnest die Zeit
vertraust uns Tage, Stunden, Minuten an

hilf uns behutsam und liebevoll, sorgsam und behütend
mit dieser Zeit umgehen, keine Stunde kehrt zurück
lass uns die Zeit nützen - aber uns nicht von ihr gefangennehmen
lass uns die Zeit verschenken - aber nicht verschleudern
lass uns die Zeit genießen - aber uns nicht in ihr verlieren

gib unseren Tagen, unseren Stunden und Minuten dein Gesicht
hinterlasse deine Spuren, begleite uns jeden Tag
zeichne dich ein in unser Mühen und in unsere Freude
sprich dein gutes Wort über Angst und Vertrauen

sei du der Herr unserer Tage
unserer Stunden und Minuten
segne unser Tun und Lassen
segne du unser Jahr

 

SEGEn für das Neue Jahr

Zitat (2009)

Der Herr,
aus dessen Hand du kommst,
der dein Vater ist,
segne dich,
er lasse dich gedeihen
und wachsen an Leib und Seele.
Er behüte dich
vor Angst und Gefahr
und allem Argen.
Er lasse sein Angesicht leuchten über dir,
wie die Sonne über der Erde
Und sei dir gnädig,
vergebe dir deine Schuld
und mache dich frei.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich,
er schaue in Liebe auf dich
und tröste dich.
Er gebe dir Frieden,
das Wohl des Leibes
und das Heil der Seele.
So will es der Herr.
So gilt es in Zeit und Ewigkeit.
So gilt es für dich.
Und so segne euch der mitgehende Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist

(Aaron-Segen nach Jörg Zink)

LEGE DEINE HAND IN GOTTES HAND

Aus China

Ich sagte zu einem Engel,
der an der Pforte des neuen Jahres stand:
“Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes
Der Ungewissheit entgegengehen kann.“
Aber der Engel antwortete:
“Geh nur hin in die Dunkelheit
und lege deine Hand in die Hand Gottes.
Das ist besser als ein Licht
und sicherer als ein bekannter Weg.“

Worte einer chinesischen Christin. Aus: Eva Dicks (Hg.), Es kam ein Engel hell und klar. Ein Lesebuch zu Advent und Weihnachten, Kevelaer: Verlag Butzon & Becker 2005, Topos plus Taschenbücher 562.

 

 

BETHLEHEM

Wilhelm Gössmann

Abseits der Menschenwelt
bei einer Viehherde
in der Krippe
geboren

Jubel und Glanz
aus der Höhe
und Gesänge des Friedens
über der ganzen Erde

Hirten -
die das Menschenleben
aus den Ängsten der Tiere kennen

Magier -
die das Menschenleben
aus dem Lauf der Gestirne deuten

Beschnitten
nach jüdischem Brauch
freigekauft im Tempel
mit zwei Turteltauben

Abseits der Menschenwelt
bei einer Viehherde
in der Krippe
geboren

Wozu er heranwuchs -
verborgen
unverschwendet
tiefstill

Aus: Wilhelm Gössmann, Es weihnachtet sehr. Weihnachten mit der Poesie entdecken. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2001.

 

STERNSTUNDEN DER MENSCHLICHKEIT

Pierre Stutz

Du lässt dich ein auf unsere Welt,
bekräftigst uns hinter den vielen Lichtern
unsere Sehnsucht nach Geborgenheit zu erkennen.

Du lässt dich finden in unseren Städten
öffnest die Augen für die Vereinsamten
holst uns heraus aus dem hektischen Gefangensein

Du schaffst vertrauensvolle Augenblicke
schenkst uns Sternstunden der Menschlichkeit
die zum Innehalten und Aufatmen bewegen

Weihnachten ist das Fest
des geschenkten Lichtes.
Wir feiern einen herabgestiegenen Gott,
der uns durch seine Menschwerdung beschenkt
mit seiner zärtlichen Nähe,
seiner Sympathie in schweren Stunden
seinem Lachen und Weinen
seiner Spur zur Ewigkeit.

Verwandle unsere Ohnmacht

Christus, dich suche ich
in den Augen der Menschen
in der Stille beim Wandern
im Lächeln der Kinder
im Anstoßen beim Fest
im Brechen des Brotes
im Schreien der Verzweifelten
in der zärtlichen Umarmung
im mutigen Einsatz für Gerechtigkeit

Komm und verwandle unsere Ohnmacht
mit deinem Licht der Hoffnung
alle Tage unseres Lebens.

Aus: Pierre Stutz, Meiner Hoffnungsspur folgen, Der Begleiter durchs Jahr, Stuttgart 2005.

 

 

 

 

 

SEGENSWORTE

unbekannte Herkunft

Gott,
die Nahtstellen meines Lebens will ich beachten,
weil du mir nahe kommst.
Gott, die Randerscheinungen meines Lebens will ich würdigen,
weil du dich auch dort zeigst.
Gott, die Engpässe meines Lebens will ich annehmen,
weil ich dann nicht mehr an dir vorüberkomme.
Gott, die Begrenzungen meines Lebens will ich verstehen als Stellen,
an denen du mich berührst.
Gott, sogar die Nullpunkte unseres Lebens werden so zu Wendemarken,
an denen du mit mir Neues beginnst.

 

 

Adventzeit

 

 

Rudolf Leicht (2017) -

 

Wie Maria

Wie Maria
mich in der Erde verankern,
die den schweren Körper verlässlich trägt.
Mich dem alltäglichen Auftrag hingeben
und dem dunklen Sog widerstehen.
Umhüllt und hinaufgezogen
von göttlichem Blau.
Wie Maria
meine Augen verschließen
vor trügerischen Bildern,
um jenes wahre Inbild zu sehen,
das Gott behutsam in mich gelegt hat.
Dem „Aber“ aller Einschränkungen
ein klares „Ja“ entgegenhalten.
Wie Maria
meine Hände öffnen,
dem Gotteskind hingehalten,
der himmlischen Fülle entgegengestreckt,
um sehnsüchtig zu empfangen
die Fülle der göttlichen Gaben
und sie an die Welt zu verschenken.

Angelika Daiker

  • 2

Helene Renner (2020)

 

Wenn ich im Dunkeln bin
und niemandem dafür
die Schuld zuweise

Wenn ich das Dunkel zulasse -
und nicht davor fliehe

Wenn ich das Dunkel aushalte
und dabei die Hoffnung nicht verliere

Wenn ich das Dunkel ertrage
und trotzdem die Liebe leben lasse

Wenn ich das Dunkel achte
weil ich selbst ein Teil des Dunkels bin

Wenn ich vor dem Dunkel
nicht zurückschrecke
aus Mut zum Leben

Dann leuchtet
mitten im Dunkel
ein Licht auf
das den Weg weist

mir und dir

 

 

Gabi Ceric (2011)

Gott meiner Freude
Du schenkst mir Freude
Keine solche, die man sich aufsetzen kann
Eine Freude, die von innen kommt
Deine Freude ist es
bei den Menschen zu sein
Du hast mir deinen Sohn geschenkt
Jesus Christus
In der Gestalt des Brotes
habe ich ihn verinnerlicht
wird er zu einem Teil von mir
wie ich in der Taufe Teil von ihm geworden bin
Leib Christi
Das ist ein guter Grund zur Freude
An diesem Tag
Dass ich aus Ihm leben darf
und durch Dich und Dein Heil
Darum freue ich mich
Heute
und auch morgen
so hoffe ich.

  • MEDITATION    --     Nachfolgen

    1. Nachfolgen heißt: Ihm folgen, ihm ähnlich werden, unterwegs sein,

    Hand anlegen, hingeh‘n und nicht warten, bis wer kommt,

    heißt zu lieben, nicht nur von Liebe reden und die Menschen übersehen,

    sehn, was jemand grad jetzt braucht, es ihm geben, ihm helfen, neu zu leben, keine Unterschiede machen, machen, dass sich Brot vermehrt.

     

    2. Nachfolgen heißt: Ihm folgen, ihm ähnlich werden, ihm leben,

    Menschen nicht aufgeben, ihnen täglich nahe sein.

    In Winkeln, in Hütten, Häusern, Gassen, in Wäldern und auf Straßen,

    machen, dass die Not vergeht, heißt dorthin geh'n, wo andre nicht hinblicken,

    in Schluchten der Fabriken, in Wüsten aus Beton.

     

    3. Nachfolgen heißt: Ihm folgen, ihm ähnlich werden, heißt heilen,

    miteinander teilen, das, was jeder braucht, heißt dienen, sich kleinmachen und bücken,

    heißt in den Spiegel blicken und sich ehrlich sehn,

    heißt täglich "Gott, hier bin ich" sagen und immer wieder fragen: "Was soll ich für dich tun?"

    Strube-Verlag, München-Berlin

     

     

     

     

     

     

    DIE AUFGABE

    Anthony de Mello

    Als einige seiner Schüler einen weltbekannten geistlichen Begleiter mit Lob bedachten, hielt sich der Meister zurück.
    Als man ihn später nach dem Grund fragte, sagte er: "Der Mann übt Macht über andere aus - er ist kein geistlicher Begleiter."
    "Worin besteht dann die Aufgabe eines geistlichen Begleiters?"
    "Zu inspirieren, nicht Vorschriften zu machen", sagte der Meister. "Wach zu machen, nicht zu nötigen."

    Aus: Anthony de Mello, Eine Minute Unsinn. Herder 1993.

     

     

    Erntedank

    DANK

    Rainer Bareis

    Einen Dank an alle Leute, die immer für mich sind,
    einen Dank an alle, die mir ein nettes Wort schenken,
    einen Dank an alle, dir mir ein Lächeln schenken,
    einen Dank an alle, die mir zuhören,
    einen Dank an alle, die mit mir lachen,
    einen Dank an alle, die mich kritisierten,
    einen Dank an alle, die meine schlechten Eigenschaften kennen
    und by Browse to Save">trotzdem meine Freunde sind.
    Einen ganz großen Dank an all meine by Browse to Save">lieben Freunde!

    Aus: Mascha Kaléko, Mein Lied geht weiter, Hundert Gedichte, DTV München, 7. Aufl. 2008.

  • GELIEBTE ERDE

    anonym

    Ich liebe dich, Erde,
    mit allem, was auf ihr lebt.
    Gott hat dich geschaffen.
    Ich liebe dich, Erde,
    denn Gott hat dich sehr schön gemacht
    mit deinen Bäumen, Blumen und Tieren,
    mit deinen Menschen.
    Ich liebe dich, Erde,
    Gott erhält dich noch immer in seiner Treue.
    Trotz aller Zerstörung,
    die wir angerichtet haben auf dir,
    trotz Krieg, Gewalt und rücksichtslosem Ausrauben
    wird es noch immer Frühling und Sommer,
    Herbst und Winter,
    kommt immer ein neuer Tag
    nach dem Dunkel der Nacht.
    Ich liebe dich, Erde.
    Darum will ich liebevoll leben lernen
    und Verantwortung übernehmen für Gottes Schöpfung.

    (Graffito an der ehem. Berliner Mauer)

    Quelle: Dein Wort. Mein Weg. Alltägliche Begegnungen mit der Bibel 3/14.

  • MEDITATION : Ist ein Denar genug? 

    Der Herr ließ den Arbeitern den Lohn auszahlen.
    Vom letzten bis zum ersten einen Denar pro Mann.
    Da murrten die ersten, denn sie hatten zwölf Stunden gearbeitet,die letzten dagegen nur eine.

    Da ließ der Herr einen von den ersten vortreten und sagte:
    Sieh dir deine Kameraden von der ersten Stunde an.
    Lauter Burschen wie du selbst: jung, kräftig, muskulös.
    Sie heben zwei übervolle Körbe auf einmal und spüren kaum das Gewicht.
    Und sieh dir an, die in der elften Stunde gekommen sind.
    Keiner wollte ihnen Arbeit geben, denn sie sind alt und ausgemergelt ...

    Ich sage dir, sie haben sich in einer Stunde nicht weniger angestrengt als du in zwölf.
    Und wenn ich ihnen dafür einen Denar gebe genau wie dir,

    dann findest du das ungerecht?

     

    Herr, sagte einer, der in der letzten Stunde kam, du bist ein guter Herr.
    Und der Herr erwiderte und wandte sich dabei an den Jungen:
    Kann ein guter Herr ungerecht sein? Oder ein böser gerecht?
    Gerechtigkeit setzt Gutsein voraus. Willst du mich tadeln, weil ich gut bin?

    Meine  Gerechtigkeit  ist keine, die Vergleiche zieht ...

     

    Da sagte jener, der in der elften Stunde kam: Herr, es ist tröstlich, dass du auf uns Menschen schaust und nicht auf die Menge der Trauben, die wir in deine Keller gebracht haben ... 

  • (Margh Malina in: „Engel haben schmutzige Flügel“, St. Gabriel)

     

  • Ich weiß, dass du mich liebst

    1

Helene Renner (2020)

Ich weiß, dass du mich liebst, mein Gott
trotz meines Versagens und meiner Schuld
denn du bist gütig und barmherzig
mit allen, die zu dir kommen

Gütig und barmherzig
will auch ich sein
wenn ich von hier weggehe
barmherzig und geduldig
mit meiner Familie, meinen Freunden
auf meinem Arbeitsplatz

Wenn es mir schwer fällt
geh du mit mir
damit dein Geist mich antreibt
wo Versöhnung notwendig ist
und mich bestärkt
wo mein Stolz mich abhält
ein Wort der Vergebung zu sagen

Ich weiß
an deiner Hand
Gott
wird es mir gelingen

  • 1

Helene Renner (2020)

Liebender Gott
väterlich und mütterlich
nahe allen Menschen

Du forderst uns auf
deine Liebe dorthin zu tragen
wo Arme erniedrigt werden,
Freude dorthin
wo die Kirche mutlos geworden ist,
Versöhnung dorthin
wo Menschen sich voneinander entfernt haben,
Frieden dorthin
wo Gewalt und Krieg das Leben bedrohen,
Hoffnung dorthin
wo die Angst alles lähmt.

Bahne du uns diesen Weg
den Weg zu den Menschen
den Weg zu mehr Liebe
zu Frieden und Versöhnung
zu Hoffnung und Freude
den Weg zur Gemeinschaft in Christus


MUT

Hans Joachim Remmert

Wozu braucht es Mut?
Zu leben.
Heute zu leben als ein denkender Mensch, der nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst für seine Taten verantwortlich macht.
Es braucht Mut, in dieser Welt, die wohl an den verheerenden Folgen unserer Zivilisation und Bequemlichkeit zugrunde gehen wird, mit der hoffnungslosen Hoffnung weiterzuleben, dass es vielleicht doch noch besser werden könnte.
Es braucht Mut, sich dieser Realität zu stellen mit all ihren Konsequenzen.
Es braucht Mut, den Kopf nicht einfach in den Sand zu stecken und zu resignieren, sondern mit der eigenen Kraft zu versuchen, die bestehende Zustände zu ändern.
Es braucht Mut, in einer Welt zu leben, in der Unfähige, Alte und Kranke keinen Platz haben dürfen. In einer Welt zu leben, die uns die Vereinsamung des Menschen gebracht hat und deren einziges Ziel Produktion und Absatz ist.
Es braucht Mut, dies alles zu wissen und mit dem Gefühl der Ohnmacht weiterzuleben, daran jemals etwas ändern zu können und trotzdem nicht hoffnungslos zu sein.
Das braucht Mut.

Christoph, 17 J.

Christoph, 17 J. in: Hans Joachim Remmert, Firmung vorbereiten, Ein Werkstattbuch, Freiburg 1995.

SEGNEND MITFÜHLEND DA SEIN

Pierre Stutz

Segnend mitfühlend da sein
den Tieren mit Respekt begegnen
weil sie beseelt sind
Ausdruck des Ursegens Gottes

Segnend-mitleidend dasein
den Fremden mit Achtung begegnen
weil die Schöpfung keine Ausländer kennt
sondern nur Mitmenschen wie dich und mich

Segnend-Iebensfroh dasein
mit allen Sinnen
sich zum Lebenstanz anstiften lassen
in staunender Dankbarkeit

Aus: Pierre Stutz, Atempause für die Seele. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2004.

DANK

Rainer Bareis

Einen Dank an alle Leute, die immer für mich sind,
einen Dank an alle, die mir ein nettes Wort schenken,
einen Dank an alle, dir mir ein Lächeln schenken,
einen Dank an alle, die mir zuhören,
einen Dank an alle, die mit mir lachen,
einen Dank an alle, die mich kritisierten,
einen Dank an alle, die meine schlechten Eigenschaften kennen
und by Browse to Save">trotzdem meine Freunde sind.
Einen ganz großen Dank an all meine by Browse to Save">lieben Freunde!

Aus: Mascha Kaléko, Mein Lied geht weiter, Hundert Gedichte, DTV München, 7. Aufl. 2008.

FEST - Verklärung des Herrn

HOCHSCHAUBAHN DES LEBENS

Ilse Pauls

Zuerst langsam bergauf –
bis die Aussicht wunderbar,
aber keine Zeit zum Genießen –
sofort hinabgestürzt werden
ins Tal der Todesnachrichten
ins Tal der schlaflosen Nächte
ins Dunkel der Zweifel
hin-und hergeworfen
von einer Meinung zur anderen
in Streitgespräche gestoßen
in dunkle Nächte.
Letztlich weich landen
aussteigen
deine Schrecken beruhigen
das Herzklopfen beruhigen
niemals mehr
so hoch hinaus wollen.

 

Ilse Pauls, unveröffentlicht.

 

HERR, NIMM AUCH UNS ZUM TABOR MIT

Peter Gerloff

Herr, nimm auch uns zum Tabor mit,
um uns dein Licht zu zeigen!
Lass unsre Hoffnung Schritt um Schritt
mit dir zu Gott aufsteigen.
Du wirst auch uns verklären,
Herr der Herren.
 
Lass leuchten deine Herrlichkeit,
von der die Seher künden!
Mach uns für Gottes Reich bereit,
wo alle Mühen münden.
Du wirst auch uns verklären,
Herr der Herren.
 
Dann geh mit uns vom Berg hinab
ins Tal der Alltagssorgen
und sei uns Weg und Wanderstab
durchs Kreuz zum Ostermorgen.
Du wirst auch uns verklären,
Herr der Herren.

 

Peter Gerloff in: Gotteslob Katholisches Gebet- und Gesangbuch (363).

17. Sonntag

 

 

MEDITATION  - Wenn ich heute lebe

 

Ich will planen und träumen - hinein in eine neue Welt -

dein Reich komme!

 

Deine Botschaft gebe meinem Geist Flügel -

aber nicht für morgen, Vater!

 

Die Perlen des Lebens - Wärme - Zärtlichkeit – Nähe, Vater.

 

Den Schatten des Lebens gebe er mir - damit ich heute leben kann.

 

Dein Reich - es wird schon kommen - wenn ich heute lebe.

Ich will eine neue Welt!

 

Beginne heute – Perlen des Lebens zu verschenken!

 

Michael H.F. Brock

 

 

 

 

 

 

 

 

16.Sonntag

Kleiner Katechismus der Nächstenliebe

 

Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen;
dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten;
dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen;
zu dir kommen, ohne mich dir aufzudrängen.

Ich möchte dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen;
dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen;
von dir Abschied nehmen, ohne Wesentliches versäumt zu haben;
dir meine Gefühle mitteilen, ohne dich für sie verantwortlich zu machen.

Ich möchte dich informieren, ohne dich zu belehren; dir helfen, ohne dich zu beleidigen;
mich um dich kümmern, ohne dich verärgern zu wollen;
mich an dir freuen, so wie du bist.

aus England; zit. Nach: Werkmappe Jugendgottesdienste, Innsbruck 1997

 

 

 

 

15. Sonntag

  • 1

Helene Renner (2020) - Ackerboden sein

Ackerboden sein
fruchtbar und schwer -
aufnahmebereit
für Gottes Wort

Ackerboden sein
kraftvoll und offen -
aufnahmebereit
für den Samen Gottes

Ackerboden sein
Steine und Felsen wegräumen -
freudig aufnehmen
und wachsen lassen

Ackerboden sein
hören und verstehen
was Gott von mir will -
und Frucht bringen

hundertfach

 

 

 

 

 

 

 

14. Sonntag

 

 

Nach jahrelanger Mühe und Arbeit hatte ein Mann sein Haus fertig gebaut. Ein Neider sagte zu ihm: "Wie kannst du in so unruhigen Zeiten noch ein Haus bauen? Meinst du, uns könne nicht ein schweres Erdbeben treffen oder eine Flut, die dein Haus von den Grundmauern her aufschwemmt?"

Der Mann entgegnete: "Ich habe mein Haus auf gutem Grund gebaut."

"Bist du dir sicher", begann der andere wieder, "dass eine Feuersbrunst oder Explosion nicht diese ganze Straßenzeile einäschern könnte?"

"Ich habe es auf gutem Grund gebaut", meinte der Mann wieder.

"Aber es kann doch auch bei uns wieder ein Krieg kommen, wer hätte das im Irak noch für möglich gehalten, von Atomraketen ganz abgesehen!?"

"Ich habe mein Haus auf gutem Grund gebaut", erwiderte der Mann stoisch, und mit einem Lächeln fügte er hinzu: "Und zwar auf Gottvertrauen!" (nach Max Rösler)

 

 

 

 

 

 

 

13. Sonntag im Jahreskreis

 

  • 1

Helene Renner (2020)

Nichts ist wichtiger
als eine gute Beziehung zu Gott

Dieser guten Beziehung
steht oft viel im Weg

Unsere Geschäftigkeit
unser Leichtsinn
unsere Feigheit vor Entscheidungen
unsere verschobenen Rangordnungen
unsere Zweifel
unser Unglaube

aber
nichts soll in unserem Leben
wichtiger sein
als eine gute Beziehung zu Gott

Gott
lass uns unseren Leichtsinn überwinden
unsere Geschäftigkeit überdenken
unsere Feigheit durch Mut ersetzen
unsere Zweifel dir anvertrauen
und unseren Unglauben
in Vertrauen verwandeln

Gott
hilf uns zu einer neuen Rangordnung
damit die Beziehung zu dir wachsen kann

 

 

 

 

 

 

11. Sonntag im Jahreskreis

 

EIN KLEINES STÜCK DEN HIMMEL ÖFFNEN

Beatrix Senft

so viele Menschen

müde
und
erschöpft

ohne Orientierung
entwurzelt
getrieben von den Dämonen der Zeit

mit Trauer
um vieles
was gestorben
und ab-gestorben ist

mit Sehnsucht
nach HEIL

und auch wir
sind gefordert
von IHM

„Geht und verkündet:
Das Himmelreich ist nahe.“

auch wir sind gefordert
heilend zu begegnen
Abgestorbenes zum Leben zu rufen
Isolierte zu integrieren
vor den Dämonen nicht zu flüchten
sondern uns ihnen zu stellen

wir sind gefragt
im täglichen Begegnen

in den kleinen Momenten

wo wir ein kleines Stück
den Himmel für andere
öffnen dürfen

und Hoffnung schenken

 

                                                                                                                            Beatrix Senft

 

MANTRA

Beatrix Senft

Meine Sehnsucht, o Herr:
heil möchte ich sein.
Schenke Heilung, o Herr,
Heilung aus DIR.
Schenke Heilung auch mir.

 

Beatrix Senft

 

Herz Jesu Fest

DU

Ilse Pauls

DU  
Du  bist die  Mitte
Einatem Du
Ausatem Du
Freund
innerster Du
heilender Tröster Du
Mittelpunkt
der Mitte
aller Zellen Du
Mitte der
Atomkerne Du
ewige Zwiesprache Du
schweigende Anwesenheit Du
ewiges Wort Du
Besieger des Todes Du
ewig Ankommender Du
Du

 

Aus: Ilse Pauls, Auf dem Weg. 2014,  Nachdruck  Mails & More, A-3441 Baumgarten.

 

 

 

 

 

 

 

Fronleichnamsfest

 

WIR BRINGEN DIR UNSER LEBEN

Andrea Schwarz

Wir bringen dir das Brot unseres Alltags
das nicht immer leicht zu leben ist
manchmal ist es hartes Brot
Leben ist nicht immer einfach
das Brot unseres Alltags
sind auch die Körner die zermahlen werden
das sind die Träume die sterben müssen
und Pläne die durchkreuzt werden
Hoffnungen die nicht erfüllt werden
das ist Mühsal und Arbeit
und das ist unser Hunger und unsere Sehnsucht

Unser Leben ist manchmal so leer wie der Kelch
der jetzt auf dem Altar steht
wir haben den Sinn verloren
wir wissen nicht mehr weiter
wir spüren unsere Einsamkeit
und manchmal ist unser Leben ein Schrei danach
von dir gefüllt zu werden

Und dann sehnen wir uns danach
dass du den Wein des Lebens in uns eingießt
dann sehnen wir uns danach
dass du uns erfüllst
mit Leben und Lebendigkeit
mit Lebensfreude und Lebensfest
und dann wünschen wir uns
das Leben das du uns verheißen hast
den Wein der Freude
das Fest das du uns zugesagt hast

 

Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.

 

 

Dreifaltigkeitssonntag

BITTE UM ERKENNTNIS GOTTES

Walter Kühnelt

Getreuer, heiliger Gott
und Vater,
verleihe mir Vernunft,
dich zu erkennen;
Gefühl, dich zu empfinden;
Geist, dich zu verstehen.
Gib mir Eifer,
dich zu suchen;
Weisheit, dich zu finden;
Begierde, dich zu lieben.
Schenke mir ein Herz,
das über dich nachsinnt,
und Taten, die dich großmachen.
Gib mir Augen, dich zu sehen;
Ohren, dich zu hören;
eine Zunge, dich zu verkündigen.
Gewähre mir Geduld,
auf dich zu warten,
deine heilige Gegenwart,
ein seliges Ende
und das ewige Leben.

Aus: Breite deinen Frieden in mir aus. Gebete der Religionen. Zusammengestellt und kommentiert von Walter Kühnelt. Verlag St. Gabriel, Mödling Wien 1989.

 

 

 

Pfingsten

 

ERLEUCHTE UNSERE AUGEN, HEILIGER GEIST

erzdioezese-wien.at

Erleuchte unsere Augen, Heiliger Geist,
dass wir nicht blind werden
für die Wunder deiner Schöpfung, deiner Güte und Liebe.
Erleuchte unsere Augen, Heiliger Geist,
dass wir nicht blind werden für die Dunkelheiten und Leiden in unserer Welt.
 
Öffne unsere Ohren, Heiliger Geist,
dass wir nicht taub werden für dein Wort und deine Wahrheit.
Öffne unsere Ohren, Heiliger Geist,
für die Bitten und Stimmen von Menschen und ihre Schreie der Not.
 
Durchdringe unseren Geist, Heiliger Geist, damit wir
Tag für Tag deinen Willen erkennen und in
deinem Licht das Licht sehen.
Durchdringe unseren Geist, Heiliger Geist, damit wir
die Geister zu unterscheiden lernen.
 
Erhelle unser Herz, Heiliger Geist,
damit wir lieben was wahrhaft und gerecht ist und
in allem, was wir lieben, dich lieben.
 
Hülle uns ein in dein Licht und deine Wahrheit,
dass wir uns senden lassen in diese Welt, dir lobsingen
und die Kraft deiner Auferstehung feiern. Amen.

Website der ED Wien

GEBET ZUM HEILIGEN GEIST

Antony Kolencherry MSFS

Heiliger Geist,
eins mit dem Vater und dem Sohn,
deine schöpferische Kraft erfüllt das All mit Glanz und Herrlichkeit.
Atme in mir deinen Atem des Lebens, der Weisheit und der Menschlichkeit,
damit ich Zeuge von deiner unendlichen Güte bin.
Dein lebendiges Feuer möge mich beflügeln,
mein Inneres durchdringen,
mich erwärmen und heiligen.
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe,
damit ich das Böse besiege,
die Angst überwinde,
Freundschaften schließe
und zur Versöhnung beitrage.

Heiliger Geist,
du Feuer und Flamme,
hilf mir, die Liebe zu entzünden,
die Herzen zum Glühen zu bringen,
den Geist zu erfrischen und die Sinne zu erfreuen.
Beschenke mich mit deinen himmlischen Gaben
und verwandle mich, damit ich umkehre, wo Umkehr notwendig ist,
und neu beginne.
Leite mich auf den rechten, ebenen Pfaden
und mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
damit ich in den Familien und Gemeinden der Einheit und Eintracht diene.

Heiliger Geist,
ich danke dir, dass ich bei dir so wunderbar geborgen bin.
Sei gepriesen heute und in alle Ewigkeit. Amen.

P. Antony Kolencherry MSFS, Kloster Visitation, 4500 Solothurn, Schweiz.

DAS PFINGSTWUNDER

Ilse Pauls

Zuerst -
Worte - falsch verstanden
als Waffen gebraucht
um Recht zu haben
als Todesurteile.

Es geschehen Wunder:

Worte - die wärmen,
trösten
Schmerzen lindern,
heilen -
Worte
machen Mut.

 

Aus: Ilse Pauls, Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, A-8852 Stolzalpe 70.

 

7. Sonntag in der Osterzeit


VERHARREN

Beatrix Senft

sie alle verharrten
hielten inne
in dem
was in ihrem Leben
Bedeutung hatte

stellten sich
ihren Zweifeln
und
Anfragen

war alles zerschlagen
oder
durften sie der neuen Hoffnung
trauen

gaben nicht einfach auf

mussten
in einer neuen Wirklichkeit
ankommen

stockend
starr in der Bewegung
brauchten
ein Ver-weilen
ein Ein-halten
ein Inne-halten

woran noch glauben
worauf kann noch gesetzt werden

ausharren
mit allen
Schwestern und Brüdern

in ihrem Suchen
in ihrem Sehnen

gemeinsam bitten

einmütig betend
dass
der neue Weg sich öffnet
neue Kraft -
heilige Kraft -
zugesandt wird

die Zeit
abwarten
bis sie „reif“ ist

nicht nur einen Moment
nein
eine ganze Zeit

und dann

den Zuspruch erhalten
die Geisteskraft empfangen
den Weg erkennen

und

verkündend
sich aufmachen in die Welt

DAMALS

und HEUTE????

 

Beatrix Senft 2023.

 

SICH SAMMELN ALS GEMEINSCHAFT

Edith Furtmann

Nach Jesu Himmelfahrt rücken die Jüngerinnen und Jünger zusammen. Sie haben Angst vor dem, was geschehen könnte, und stärken einander im Gebet, Männer wie Frauen. Diese Zeit in der Kammer wird sie zusammenschweißen, auch wenn es Konflikte geben wird: der gemeinsame Verlust des Auferstandenen, die Sorge, wie es weitergehen kann, die Gebete um Beistand, den Jesus versprochen hat, in dem er seine Jüngerinnen und Jünger Gott anvertraut hat: das alles ist die gemeinsame Basis, auf der sie in die Welt gehen werden.

Hier zeigt sich, wie wichtig Gemeinschaft ist. Glaube im stillen Kämmerlein, allein, ohne Außenwirkung ist nicht das, was Jesu Nachfolge erfordert. Ja, es gibt sie, die Zeit zum Gebet, sicher auch die zum stillen Gebet allein. Aber es muss Folgen haben: die Jüngerinnen und Jünger Jesu werden in die Welt ziehen und sein Wort verkünden. Es war eine Kirche im Übergang: sie mussten nun von sich aus tätig werden. Auch heute befindet sich unsere Kirche im Übergang: so, wie es bisher war, die Volkskirche gibt es nicht mehr und wird es auch nicht mehr geben. Neue Wege müssen gefunden werden. Deshalb denke ich: diese Gemeinschaft untereinander und in Jesus Christus unserem Bruder sollten wir suchen und zu leben versuchen, damit die Botschaft nicht im Dickicht der Strukturen und Kirchengesetze verloren geht.

 

 

 

WAS DIE KIRCHE AM DRINGENDSTEN BRAUCHT

Anthony de Mello

Die Kirche macht eine Zeit des Chaos und der Krise durch. Das ist nicht unbedingt schlimm. Eine Krise fordert zum Wachstum heraus. Das Chaos ist die Voraussetzung der Schöpfung, vorausgesetzt-und das ist eine gewaltige Voraussetzung - der Geist Gottes schwebt über ihm.
Was die Kirche heute am dringendsten braucht, sind nicht neues Recht, neue Theologie, neue Strukturen, neue Liturgien-sie alle sind ohne den Heiligen Geist ein leb- und seelenloser Leib. Wir benötigen verzweifelt jemand, der uns unser Herz aus Stein nimmt und ein Herz aus Fleisch gibt; wir benötigen wieder eine Infusion aus Begeisterung, Eingebung, Mut und geistlicher Kraft. Wir müssen ohne Entmutigung oder Zynismus zu unserer Aufgabe stehen, mit neuem Glauben an die Zukunft und an die Menschen, für die wir wirken. Mit anderen Worten: Wir brauchen eine neue Herabkunft des Heiligen Geistes. Um es noch konkreter zu sagen: Wir brauchen Menschen, die vom Heiligen Geist erfüllt sind.

 

Anthony de Mello

 

 

 

Christi Himmelfahrt

 

Weißt du wo der Himmel ist,
außen oder innen.
Eine Handbreit rechts und links,
Du bist mitten drinnen.
Weißt du wo der Himmel ist,
nicht so tief verborgen.
Einen Sprung aus dir heraus.
Aus dem Haus der Sorgen.
Weißt du wo der Himmel ist,
nicht so hoch da oben.
Sag doch ja zu dir und mir.
Du bist aufgehoben.
Wilhelm Willms

 

DEN HIMMEL BERÜHREN

Beatrix Senft

Den Himmel über mir:
Himmelskörper
Sterne
Sternschnuppe
Sternennacht
Mondnacht
sternenklar

Meine Augen berühren ihn

Mein einziges Himmelbild?

Hier und da – JA

Aber auch:
himmelschreiend - mit meinen Nöten
Wie auf Wolken schwebend –
                himmelhochjauchzend –
                in meinem Glück
Jemanden in den Himmel hebend -
Wie auf Wolken schwebend

GEFÜHLSLAGE HIMMEL

Abgehoben

Himmel – der sich geerdet hat
Himmel – der in Jesus eine Verbindung bekommen hat

Den wir erfahren dürfen:

Da, wo Menschen sich liebend begegnen
Da, wo 70x70 mal Verzeihung geschieht
Da, wo Menschen über Schatten springen
Da, wo ein gepeinigtes Herz zur Ruhe kommen kann
Da, wo Brücken gebaut werden - über alles Trennende hinaus
Da, wo der Schwache auch den Starken mitschleift
Da, wo die leere Hülle wieder Füllung findet

Da, wo ….

Genau da
verbindet sich der Himmel mit der Erde
zu einem großen
und neuen
Bild

Da berührt sich
Zeit
und
Unendlichkeit

DA berühren sich
Gott
und
Mensch   

 

Beatrix Senft, unveröffentlicht

 

 

UNVERWANDT ZUM HIMMEL SCHAUEN

Beatrix Senft

Unverwandt zum Himmel schauen.
Löcher in die Luft glotzen.
Warten, dass das Glück vom Himmel fällt
und eine höhere Macht schon alles richten wird.

Denn es ist uns ja zugesagt,
dass Jesus wiederkommt.
Also abwarten,
wird schon.

Heute würde wohl die Weisung der Männer in Weiß lauten:
            Was glotzt ihr noch so dümmlich zum Himmel,
            habt ihr es in zweitausend Jahren noch nicht verstanden,
            es ist euch alles vorgelebt,
            es ist euch schon alles verheißen.
            Also, lest, horcht,
kaut es in eurem Inneren immer wieder.
            Und dann krempelt endlich die Ärmel hoch
            und baut mit am Himmelreich Gottes -
            damit es schon auf-lebt im HIER und JETZT.

 

Beatrix Senft (2022)

 

 

6. Sonntag in der Osterzeit

 

DIE GUTEN BEKANNTEN

Eugen Roth

Ein Mensch begegnet einem zweiten.
Sie wechseln Förm- und Herzlichkeiten,
Sie zeigen Wiedersehensglück
Und gehn zusammen gar ein Stück.
Und während sie die Stadt durchwandern,
Sucht einer heimlich von dem andern
Mit ungeheurer Hinterlist
Herauszubringen, wer er ist.
Daß sie sich kennen, das steht fest,
Doch äußerst dunkel bleibt der Rest.
Das Wo und Wann, das Wie und Wer,
Das wissen alle zwei nicht mehr.
Doch sind sie, als sie nun sich trennen,
Zu feig, die Wahrheit zu bekennen.
Sie freun sich, daß sie sich getroffen;
Jedoch im Herzen beide hoffen,
Indes sie ihren Abschied segnen,
Einander nie mehr zu begegnen.

Aus: Eugen Roth, Ein Mensch. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1995.

DREI DINGE

Talmud

Drei Dinge sind es, auf denen die Welt beruht:
Das Gesetz,
der Gottesdienst,
die Werke der Nächstenliebe.

Aus dem Talmud


  • 1

Zitat (2011)

Verleihe uns, o Herr,
dass die Ohren, die deinen Lobpreis gehört haben,
verschlossen seien für die Stimme des Streites und des Unfriedens;
dass die Augen, die deine große Liebe gesehen haben,
auch deine selige Hoffnung schauen;
dass die Zungen, die dein Lob gesungen haben,
hinfort die Wahrheit bezeugen;
dass die Füße, die in deinen Vorhöfen gestanden haben,
hinfort gehen auf den Wegen des Lichtes;
und dass die Leiber, die an deinem lebendigen Leibe Anteil gehabt haben,
in einem neuen Leben wandeln.
Dir sei Dank für deine unaussprechliche Gabe.

(Malabar-Liturgie - Indien- 5. Jhdt.)

 

 

 

5. Sonntag in der Osterzeit

 

JESUS CHRISTUS

Anton Rotzetter

Wo die Erinnerung schweigt
wo die Bilder tot sind
wo die Vergangenheit verstummt
ist Jesus Christus
Neubeginn und Gnade

Wo der Verstand stumpf wird
wo die Grundbegriffe fehlen
wo man sich nicht mehr versteht
ist Jesus Christus
Wahrheit und Gnade

Wo der Wille fehlt
wo die Sehnsucht verschüttet ist
wo die Liebe leer ist
ist Jesus Christus
Liebe und Gnade


  • 1

Helene Renner (2020)

Jesus, du hast gesagt
ICH BIN DER WEG
dir nachfolgen heißt,
deinem Beispiel folgen,
deinen Weg gehen:
den Weg des Miteinander statt gegeneinander
den Weg zu den Menschen
den Weg gegen den Strom der Zeit
den Weg zum Kreuz
den Weg der Liebe.

Du hast gesagt
ICH BIN DIE WAHRHEIT
dir nachfolgen heißt, deiner Wahrheit glauben:
der Wahrheit der Güte und Größe Gottes
der Wahrheit der Erlösung von Sünde und Tod
der Wahrheit der Auferstehung
der Wahrheit des Geistes
der Wahrheit der Liebe.

Du hast gesagt
ICH BIN DAS LEBEN
dir nachfolgen heißt, nach deinem Beispiel leben:
ein Leben des Mitleids und der Anteilnahme
ein Leben der Verzeihung und der Versöhnung
ein Leben das nach Gottes Willen fragt
ein Leben der Liebe.

Lass uns auf dich schauen
lass uns dir nachfolgen
Bruder Jesus
der du WEG - WAHRHEIT - und LEBEN bist
damit unser Leben gelingt.

 

4. Sonntag in der Osterzeit

 

HÖR MAL

Beatrix Senft

Hör mal
Hör bitte mal
Du hörst mir jetzt mal zu
Du hörst auf das, was ich dir sage
Hörst du mir überhaupt zu

Hören
Wirklich hören
Empfangsbereit sein

Wahrnehmen
Wahrnehmen wollen
Hinhorchen
Hin-spüren
Erspüren wollen

Wichtigkeit geben
Teilhabe zulassen

Ganz Ohr sein,
schenkt dem Gegenüber Wichtigkeit,
gibt ihm einen Stellenwert.

Meine Schafe hören auf meine Stimme.

Höre ich???
Gebe ich dem, was ich höre, Wichtigkeit???
Setze ich wirklich auf SEIN Wort???
Wird es spürbar in dieser Welt???

Herr, öffne mich deinem Wort,
lass es schwingen in mir,
dass ich in die Welt gehe
und es liebend verkünde.

 

Beatrix Senft, 2022

 

DER GUTE HIRT

                                                                      Ilse Pauls

Er, der gut ist
der mich kennt
der mich führt
der immer da ist
der mir Speise gibt
zur rechten Zeit
Er wird mich auch
dorthin führen
in ein anderes Leben
mit sicherer Hand

 

 

 

 

 

 

 

3. Sonntag in der Osterzeit

 

ERINNERT EUCH!

Peter Köster

Wer nicht aufhört, zu trauen - mitten unter Misstrauischen,
wer nicht aufhört zu teilen - mitten unter Habgierigen,
wer nicht aufhört zu verzeihen - mitten unter Gehässigen,
wer nicht aufhört zu danken - mitten unter Undankbaren,
wer nicht aufhört, heimatlos zu sein - mitten unter Sesshaften,
der sucht Jesus nicht mehr unter den Toten ...
Erinnert euch ...!

GEBET

                                                                                                                                                   Ferdinand Kerstiens

Herr, bleib bei uns und allen Menschen.
Bleib bei uns, wenn es Abend wird,
wenn Trauer und enttäuschte Hoffnungen
unser Herz verdunkeln.

Herr, bleib bei uns und bei allen Menschen.
Bleib bei uns, wenn Fragen uns bedrängen,
wenn wir dich nicht mehr finden
im Gewirr unserer Zeit und unseres Lebens.

Herr, bleib bei uns und bei allen Menschen.
Bleib bei uns, wenn wir unsere Schwachheit spüren,
wenn Alter, Krankheit oder Sucht
die Möglichkeiten des Lebens begrenzen.

Herr, bleib bei allen Menschen,
die hungern müssen und unterdrückt sind,
denen man die Menschenwürde raubt,
die ausgeliefert sind an die Mächte der Finsternis.

Sende ihnen und uns allen
Den Anfang neuen Lebens.

Aus: Ferdinand Kerstiens, Große Hoffnungen erste Schritte, Glaubenswege durch das Lesejahr A, Edition Exodus, Luzern 2001

WAS UNSERER WELT FEHLT

Phil Bosmans

Was unserer Welt fehlt,
woran wir bitter Mangel leiden:
einfache, gute Menschen,
freundliche Menschen,
die fröhlich im Geschäft bedienen,
die am Schalter die Geduld nicht verlieren,
die im Verkehr nicht aus der Haut fahren,
die nicht in die Luft gehen,
wenn du einen Fehler machst.

Aus: Phil Bosmans; Vergiss die Freude nicht. Herder Verlag Freiburg - Basel - Wien 1976.

 
Segen am Sonntag der Barmherzigkeit
Gott mache die Tore deiner Seele weit
und öffne die Türen zu deinem Herzen,
dass die heilenden Kräfte dich durchströmen
und sich in dir ausbreiten können.
Gott breite in dir die Zweige der Hoffnung aus,
dass der Friede in dich einziehen kann
und deine Seele zur Ruhe kommt.  
(Christa Spilling-Nöker)

SEHT – ICH BIN DA

Beatrix Senft

in die Verschlossenheit
aller Zeiten
eintretend

sich immer wieder
berührbar machen
entblößen
zeigen

sich preisgeben

preisgeben
alle Verletztheit
alle Wunden

Frieden damit machen

ja
Frieden zusprechen

in Berührbarkeit
zum Glauben einladen

auch
die Ungläubigen
die Zweifler

zur Vergebung einladen
die Kraft der Überwindung
einhauchen

und senden

immer
und
immer wieder

sich zeigen
sich verschenken
in vielen Zeichen
in vielen Formen

bis heute

spürbar
be-greif-bar machend

ICH BIN DA
mitten unter euch

 

Beatrix Senft 2023.

 

WENN DIES ALLES VORÜBER IST,

Herkunft unbekannt

Wenn dies alles vorüber ist,
mögen wir nie wieder als selbstverständlich erachten:
Den Handschlag mit einem Fremden
Volle Regale im Supermarkt
Gespräche mit den Nachbarn
Ein überfülltes Theater
Freitag abends ausgehen
Den Geschmack des Abendmahls
Den Routine-Besuch beim Arzt
Das morgendliche Chaos, wenn die
Kinder zur Schule müssen
Kaffee mit einer Freundin
Die Gesänge im Stadion
Jeden tiefen Atemzug
Einen langweiligen Dienstag
Das Leben selbst.

Wenn dies alles endet,
mögen wir feststellen,
dass wir etwas mehr so geworden sind,
wie wir sein wollten,
wie wir sein sollten,
wie wir hoffen, sein zu können.
Und mögen wir auf diese Weise
besser zueinander sein,
weil wir das Schlimmste überstanden haben.

 

Übersetzung: Daniel Müller Thor

 

HOFFEN WIDER ALLE HOFFNUNG

Heinz Martin Lonquich

Hoffen wider alle Hoffnung, glauben, dass es dennoch weitergeht.
Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich,
damit die Welt auch morgen noch besteht

Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn da, wo alles dunkel scheint.
Handeln, anstatt tatenlos zu trauern,
trösten auch den, der ohne Tränen weint.

Wach sein, Zeichen klar erkennen, helfen trotz der eignen großen Not.
Aufstehen gegen Unrecht, Mord und Lüge,
nicht einfach schweigen, wo die Welt bedroht

Trauen dem, der uns gesagt hat: „Seht doch, ich bin bei euch alle Zeit.“